„Morgen breche ich mein Studium ab“, fast jeder wird diesen Satz schon mal gedacht oder gesagt haben. Studieren birgt einige Herausforderungen. Doch wie geht es denen, die zusätzlich noch mit psychischen Problemen oder anderen Belastungen zu kämpfen haben? Das erfahrt ihr in dieser neuen Artikel-Reihe der Campus Mainz Redaktion.
Wenn ihr selbst betroffen seid, findet ihr hier einen Artikel zu Hilfsmöglichkeiten an der JGU.
Am Ende des Artikels erfahrt ihr mehr zu den Hintergründen der psychischen Störungen, über die im Interview gesprochen wird.
Aktuell erfülle ich keine Diagnose mehr. Während des Studiums (2023 bis 2025) bekam ich die Diagnosen Depressive Episode und Rezidivierende depressive Störung. Ich hatte bereits in meiner Kindheit und Jugend andere psychische Störungen.
Die depressiven Symptome, die sich entwickelten, weil ich mich zu wenig um mich und zu viel um das Studium kümmerte, nahmen mir viel Lebensfreude. Ich vernachlässigte mich, weinte sehr viel und zog mich zurück. Daraufhin entwickelten sich Panikattacken, die vor allem abends im Bett auftraten.
Ich ging keinen Hobbies mehr nach, suchte wenig Kontakt zu Freund:innen und lag häufig nur weinend auf der Couch. Ich hatte vermehrt Probleme, mich für Prüfungen vorzubereiten, weil ich emotional erschöpft war. Meine Stimmung war kontinuierlich gedrückt, ich hatte weniger Appetit und ging zu wenig raus.
Ehrlicherweise habe ich zu dieser Zeit versucht, alles genauso wie immer zu schaffen und perfekt zu sein. Ich habe trotz meiner Probleme alle Prüfungen und Leistungen absolviert und auch die Noten litten nicht darunter. Aber dafür meine mentale Gesundheit.
Heute gehe ich definitiv anders mit Hürden und großen Aufgaben im Studium um als damals, indem ich mein Studium nicht mehr an erster Stelle setze. Natürlich gibt es immer wieder Hürden, die zu meistern sind, Prüfungen, die überfordernd wirken. Aber ich versuche, währenddessen meine Hobbies nicht zu vernachlässigen, pünktlich Feierabend zu machen und mir bewusst Zeit für mich einzuplanen.
Mir hat die Psychotherapie viel geholfen, zu verstehen, was hinter den Symptomen liegt. Der Drang, immer perfekt zu sein und alles kontrollieren zu müssen, kann auf Dauer nicht gut gehen. Man kann zwar nicht ändern, wer man ist. Aber sich bewusst zu sein, dass man dazu neigt, immer 120 % zu geben, hilft dabei, auch mal entgegen seinem Automatismus die Vorlesung nicht direkt zusammenzufassen und sich lieber mal in die Sonne zu setzen. Was mir sonst aus der Therapie sehr in Erinnerung geblieben ist: sich auch mal herauszufordern. Einen Tanzkurs machen, neue Leute kennenlernen oder sich Ängsten stellen, das holt einen gut aus dem Studi-Leben raus.
Ich habe mir zeitnah einen ambulanten Psychotherapieplatz gesucht. Ich hatte großes Glück und habe direkt nach 2 Wochen einen Platz erhalten. Neben der Einzeltherapie nahm ich an einer Achtsamkeitsgruppe teil, die meine Therapeutin anbot.
Das Studium kann gerade zu Beginn sehr überfordernd wirken und man lässt sich schnell mitreißen, alles zu geben. Aber das Studium ist nicht alles. Man sollte nicht vergessen, auszugehen, neue Leute kennenzulernen und sich Hobbies zu suchen. Es muss nicht immer eine 1,0 sein. Einen Satz, den ich aus der Psychotherapie mitgenommen habe, ist: „Ich bin so viel mehr als nur Studentin.“
Im Studiengang Psychologie herrscht ein hoher Notendruck. Es wäre natürlich schöner, wenn es diesen nicht gäbe, indem man sich zum Beispiel nicht neu für den Master bewerben müsste, sondern es wie im Medizinstudium ein zusammenhängendes Studium wäre. Ich finde es gibt schon sehr viele Angebote, die einem bei psychischen Problemen im Studium helfen, z. B. PBS-Kurse, die meiner Meinung nach aber leider noch zu wenig in Anspruch genommen werden.
Ich glaube es wäre auch wichtig, dass sich Studierende frühzeitig Hilfe in Form von präventiven Angeboten und Informationen suchen. Hätte ich früher mehr auf mich geachtet, wäre es vielleicht gar nicht erst zum Ausbruch der psychischen Störung gekommen.
Vielen Dank an Katharina* für das Interview!
Wie ist die psychische Störung von der Katharina* berichtet, definiert? Das erfahrt ihr im folgenden Abschnitt.
Was ist eine (rezidivierende) Depression?
Eine depressive Störung (Major Depression) zeigt sich, laut dem Diagnostischen und statistischen Manual psychischer Störungen (DSM-5), durch niedergeschlagene Stimmung und/oder Interessen- und Freudlosigkeit. Diese Symptome treten über mindestens zwei Wochen auf. Zusätzlich liegen weitere Symptome vor, wie z. B. Antriebsmangel, Konzentrationsschwierigkeiten, körperliche Unruhe, Schuldgefühle, Suizidgedanken, Schlafstörungen und veränderter Appetit. Rezidivierende bedeutet, dass bisher mindestens zwei Episoden im Verlauf des Lebens vorlagen.
Psychische Störungen sind zwischen Personen nicht gleich. Das bedeutet, dass z. B. auch die Ausprägung der Depression von Person zu Person unterschiedlich ist. Diese Unterschiede zeigen sich unter anderem in der Symptomkonstellation und -intensität.
Hilfsangebote – Hier kannst du Unterstützung finden
Wenn du das Gefühl hast, schnell Hilfe für dich oder andere zu benötigen und mit jemandem darüber sprechen möchtest, kannst du dich an die Telefonseelsorge unter der Nummer 0800 1110111 wenden. Dir geht es nicht gut und du suchst nach einer psychologischen Beratung oder Kursen z. B. zu Emotionsregulation oder Prüfungsangst? Dann kann dir die Psychotherapeutische Beratungsstelle (PBS) der JGU weiterhelfen.
Auf der Suche nach einem Therapieplatz kann der Patientenservice unter der Nummer 116 117 helfen.
*Name geändert
Hier findet ihr den 1. Teil der Reihe.