Vergangen Februar erübrigte sich auf der Frauentoilette im ReWi I (Haus Recht und Wirtschaft) ein Zwischenfall. Ein 55-jähriger Mann verschaffte sich unbefugt Zutritt und filmte heimlich eine Studentin in der Toilettenkabine über und unter den Trennwänden. Durch eine aufmerksame Zeugin konnte der Täter kurze Zeit später noch auf dem Campus festgenommen werden.
Ein ähnlicher Fall geschah bereits vor zwei Jahren in einer Bibliothek auf dem Campus. Auf Anfrage erklärt die Universität, was sie dagegen präventiv für Studierende unternimmt, wie diese sich selbst schützen und an wen sie sich im akuten Fall wenden können.
Die JGU verurteilt den Vorfall vergangenen Februar aufs Schärfste. In ihrer Senatsrichtlinie zum Schutz vor sexualisierter Belästigung erklärt die Universität ihre Standpunkte und Vorgehensmaßnahmen bei solchen Strafbeständen. Darin ist aufgeführt, dass die JGU strikte und konsequente Ahndung derartiger Fehlverhalten verfolge, was für eine:n Täter:in straf- und arbeitsrechtliche Sanktionen bis hin zu Exmatrikulationen zur Folge haben könnte.
Um vor solchen Taten zu schützen, setze die Universität auf „Prävention durch Aufklärung“. Flächendeckende Notfallaufkleber in Toiletten weisen auf Ansprechpartner:innen sowie Notrufnummern hin und auf den Campusbildschirmen werden Beratungs- und Unterstützungstellen angezeigt. Daneben schaffe der Podcast „Hinschauen!“ in Kooperation mit dem Frauen*notruf Mainz e.V. Sensibilisierung. Im Hinblick auf Architektur werde geprüft, wie bei Umbaumaßnahmen in alten Gebäuden und in Neubauten deckenhohe Wände umgesetzt werden können.
Auch wenn die JGU Maßnahmen ergreife, das Risiko solcher Taten auf ein Minimum zu reduzieren, könne sie eine vollständige Verhinderung von sexualisierter Gewalt nicht garantieren.
Neben den genannten Präventionsmaßnahmen gebe es auch regelmäßige Campusbegehungen, um potenziell gefährliche Orte zu identifizieren und diese sicherer zu gestalten. Die Maßnahmen hätten sich bislang insbesondere auf das Außengelände konzentriert. Leuchtmittel seien ausgetauscht und Büsche zurückgeschnitten worden. Auch die Hausmeister:innen der Universität seien bezüglich des neuesten Vorfalls sensibilisiert worden, Auffälligkeiten während regelmäßiger Kontrollgänge außerhalb der Betriebszeiten aufzudecken.
Die Universität rät dazu, Vorsicht walten zu lassen. Studierende sollen auf ungewöhnliche Löcher, Spiegelverkleidungen, Kabel oder kleine Geräte in der Toilette achten. Diese können insbesondere in Ecken, hinter Spiegeln oder in Deckenleuchten auffallen.
Wenn möglich, sollen Studierende ausschließlich Kabinen benutzen, deren Nachbarkabinen nicht besetzt sind und auf ungewöhnliche Geräusche achten. Zusätzlich empfiehlt die JGU, Toilettenräumlichkeiten nach Möglichkeit gemeinsam aufzusuchen.
Bei Verdachtsfällen soll sofort die Polizei kontaktiert werden (Notruf 110). Auch der JGU-interne Sicherheitsdienst kann angerufen (06131 39-25888) oder sich an die Stabsstelle Gleichstellung und Diversität gewandt werden (gleichstellungsbuero@uni-mainz.de).
In akuten Fällen soll auf die Situation aufmerksam gemacht werden, z.B. durch Hilfe rufen: „Ich werde gerade auf der Toilette gefilmt!“ Falls möglich, sollen sich Studierende sofort in Sicherheit bringen, die Polizei kontaktieren (Notruf 110) und die wichtigsten Informationen durchgeben: Ort, an dem man sich befindet, Situation schildern und eine möglichst detaillierte Täterbeschreibung abgeben. Wichtige Fragen an einen selbst sind: „Wo bin ich?“ und „Was ist passiert?“
Sind Studierende Zeug:innen, empfiehlt die JGU, zu helfen und Aufmerksamkeit herzustellen, solange sie sich selbst nicht gefährden. Es sei dahingegen nicht zu empfehlen, gegen eine:n Täter:in körperlich tätig zu werden.
Betroffene und Zeug:innen können sich jederzeit vertrauensvoll an folgende Anlaufstellen wenden. Diese bieten vertrauliche und auf Wunsch anonyme Beratung und erste Unterstützung an, unabhängig davon, ob letztlich rechtliche Schritte verfolgt werden.
Stabsstelle Gleichstellung und Diversität der JGU
E-Mail: gleichstellungbuero@uni-mainz.de
Telefon: 06131 39-22988
Ansprechpersonen: Maria Lau & Stefanie Schmidberger
Frauen*notruf Mainz e.V. (unabhängige Beratungsstelle zum Thema sexualisierte Gewalt)
E-Mail: info@frauennotruf-mainz.de
Telefon: 06131 - 22 12 13
Onlineberatung: https://www.onlineberatung-frauennotruf-mainz.de/
Ansprechpersonen: Anette Diehl & Sabine Wollstädter
Webseite: https://www.frauennotruf-mainz.de/
Männer*beratung (auch für TIN*-Personen: Trans*, Inter*, Nichtbinär*)
E-Mail: maenner-tin@frauennotruf-mainz.de
Telefon: 06131 1433233
Onlineberatung: https://www.onlineberatung-frauennotruf-mainz.de/
Webseite: https://www.maennerberatung-tin-mainz.de/
In der Senatsrichtlinie der JGU sind außerdem weitere Anlaufstellen unter Punkt 2 „Ansprechstellen bei sexueller Belästigung“ aufgeführt.