Das Leben als “armer Student“ ist ein Klischee, was jeder schon mal gehört hat. Aber wie nah sind Student:innen wirklich an der Armut?
In Deutschland wird die Anzahl der Student:innen, welche von Armutsgefährdung betroffen sind immer höher. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte eine Statistik am 28. August, welche sich auf die verschlechternde Einkommens- und Wohnsituation von Student:innen bezog. Neben der Armutsgefährdung stieg auch die Wohnkostenbelastung der Betroffenen im Vergleich zu 2021.
Die Armut unter allein- und WG-lebenden Student:innen betrifft in 2023 mit mehr als drei von vier Studierenden. Allein der Anteil von Studierenden, die von Wohnkosten überlastet sind, stieg von 56,6% im Jahr 2022 auf 60,5% in 2023. Im Vergleich war nur ein Viertel der Bevölkerung betroffen von der Wohnkostenbelastung.
Für mehr als ein Drittel der allein- oder in WG-lebenden Studierenden ist die Erwerbstätigkeit, die Arbeit, die wichtigste Einkommensquelle.
Niklas Röpke, Vorstand des fzs, der freie zusammenschluss von student*innenschaften, sieht die Notwendigkeit, neben des Studiums zu arbeiten, jedoch kritisch. In der Stellungnahme des fzs sagt dieser, dass das „Vollzeitstudium ein Vollzeitjob“ sei und das BAföG, nach einer ausreichenden Anpassung, die einzig notwendige Einkommensquelle sein solle. Laut Röpke solle die Reformation des BAföG für alle Parteien „ein Kernanliegen der Bildungspolitik ihrer Wahlprogramme“ sein. Bis dahin müsse der Mindestlohn angehoben werden um die Arbeitszeiten von Student:innen senken zu können, damit diese sich vollkommen auf ihr Studium fokussieren können.
Das BAföG wurde dieses Jahr bereits reformiert mit der 29. BAföG-Novelle mit einer Erhöhung der Wohnkostenpauschale von 360 auf 380€ (Campus Mainz berichtete).
BAföG (oder Bundesausbildungsförderungsgesetz) ist ein staatliches Darlehen, welches Student:innen und Auszubildene während ihrer Ausbildung nutzen können, wenn die Eltern sie nicht unterstützen können. Der derzeitige Mindestlohn beträgt 12,41€, mit Beginn des neuen Jahres 12,82€, so die Bundesregierung.
Student:innen ab 18 Jahren, die alleine oder in einer WG mit anderen Student:innen leben, beziehen im Schnitt knapp die Hälfte ihres Einkommens aus Erwerbsarbeit, mehr als ein Viertel aus Unterhaltszahlung und privater Unterstützung, 15% aus BAföG oder Stipendien und knapp 13% aus sonstigem, wie Kindergeld. Dies zeigt, dass die Förderungen des Staates nicht ausreichen, um alleinlebende Studierende ohne Zusatz zu unterstützen. Laut diesen Werten sind mehr als ein Drittel aller Studierenden armutsgefährdet, unabhängig davon, ob sie allein, in einer WG oder noch im Elternhaus leben. Im Vergleich dazu waren ca. 14% der Bevölkerung in Deutschland armutsgefährdet.
Laut einer Pressemitteilung des fzs am 7.10.2024 fand ein Austausch zwischen den Vertreter:innen studentischer Verbände und dem Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) statt.
Dort wurde von der Campusgrün-Bundessprecherin Janna Reif aufgeworfen, dass durch die Armutsgefährdung das studentische Engagement für z.B. Ehrenämter nachlasse, da diese sich das nicht leisten können.
Neben Campusgrün gab es auch noch Kritik von Lisa Heidenrich, ein Mitglied im Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen. Sie sagte, dass der Austausch mit dem Bildungsministerium begrüßt werde, aber daraus auch Konsequenzen folgen müssten. Auch sie sprach die “prekären Arbeitsbedingungen“ an, die Student:innen belasten würden.
Der fzs äußert sich kritisch gegenüber diesen Armutsverhältnissen, in dem Student:innen leben. Neben Röpke, der sich für das BAföG und einen erhöhten Mindestlohn ausspricht, gibt es auch Rahel Schüssler, die Referentin für BAföG und studentisches Wohnen des fzs. Sie meint, dass Student:innen durch die Preissteigerungen besonders stark benachteiligt seien durch ihr geringes Einkommen. Die Armut nehme immer weiter zu ohne eine Reaktion der Bundesregierung und sie fordert, dass staatliche Eingriffe auf dem Wohnungsmarkt notwendig sind.
Gefordert wird ein bundesweiter Mietendeckel und über den Ausbau von Programmen wie “Junges Wohnen“. “Junges Wohnen“ ist ein Programm der Bundesregierung, welches die Schaffung und Modernisierung von Wohnheimplätzen fördert. Das Programm sieht es auch vor, die Wohnungen bezahlbar anzubieten. Durch die Neu- und Umbauten wird sich erhofft, dass dem Mangel von Wohnheimplätzen entgegengekommen werden kann und Student:innen somit finanziell besser unterstützt werden können.