Queere Anlaufstellen stehen häufig vor strukturellen und finanziellen Herausforderungen, dennoch sind sie für viele Menschen wichtige Orte. Das zeigt sich auch in Mainz: Einrichtungen wie die Bar jeder Sicht machen immer wieder darauf aufmerksam, dass ihre Arbeit auf Unterstützung angewiesen ist. Gleichzeitig erfüllen sie zentrale Funktionen als Treffpunkte, Beratungsstellen und kulturelle Räume für queere Menschen.
Der LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt erklärt den Begriff und die Bedeutung in seinem Glossar knapp und verständlich. Queer wird häufig als Sammelbegriff für lesbische, schwule, bisexuelle sowie trans- und intergeschlechtliche Menschen verwendet.
Zugleich dient der Begriff oft als Selbstbezeichnung für Personen, die ihre Identität jenseits traditioneller Kategorien wie Mann und Frau oder heterosexuell verorten. Darüber hinaus kann queer auch eine Einstellung beschreiben, die Zweigeschlechtlichkeit oder Heteronormativität kritisch hinterfragt.
Auf dem Campus der JGU Mainz gibt es mehrere Angebote, die speziell queere Studierende ansprechen. Sie bieten Begegnungsräume, Beratungsangebote sowie Veranstaltungen.
Das autonome Queer*referat im AStA der Universität Mainz ist die zentrale Anlaufstelle für alle queeren Studierenden. Das Referat organisiert Beratungs- und Kulturangebote auf dem Campus und steht aktiv gegen Diskriminierung ein.
Das Veranstaltungsprogramm umfasst wissenschaftliche und gesellschaftliche Vorträge und Debatten zu LGBT*IAQ-Themen. Außerdem organisiert das Referat regelmäßige Events, bei denen Studierende miteinander in Kontakt kommen können. Dazu gehören unter anderem Filmscreenings, Live-Podcasts sowie Partys und Veranstaltungen wie Queer ins Wochenende im Kulturcafé. Aktuelle Infos zu den Veranstaltungen findet ihr auf der Instagram Seite des Queer*referats.
Eine weitere wichtige Anlaufstelle ist das autonome AlleFLINTA*-Referat (AFR), das die studentische Vertretung aller Frauen, Lesbisch-, Inter-, Nicht-binärer-, Trans-, Agender-, *-Studierender bildet. Es setzt sich für die Belange von Studierenden ein, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität Diskriminierung erfahren, und vertritt (queer)feministische Interessen in der Hochschulpolitik sowie gegenüber der Universitätsverwaltung.
Das AFR informiert über Beratungsstellen, unterstützt neue Studierende beim Ankommen in Mainz und organisiert Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurse. Außerdem organisiert das Referat Veranstaltungsreihen mit Vorträgen, Workshops und Kundgebungen.
Ein weiterer Teil der Arbeit des AFR ist die Feministische Bibliothek Mainz. Sie dient als feministisches Wissensarchiv, Safer Space und Freiraum für Personen, die strukturelle Diskriminierung erfahren. Das studentisch verwaltete Projekt befindet sich im Philosophicum auf dem Campus. Mehr Infos hierzu findet ihr in unserem Artikel über die Feministische Bibliothek.
Auch außerhalb des Campus gibt es in Mainz zahlreiche Orte für queere Studierende und Menschen, die auf der Suche nach Beratung, Kultur oder Gemeinschaft sind.
Eine zentrale Rolle nimmt hier die Bar jeder Sicht ein. Sie ist Kultur-, Kommunikations- und Beratungszentrum zugleich und richtet sich an Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Intergeschlechtliche und Queere in Mainz und Umgebung sowie an alle Unterstützenden. Neben einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm dient die Bar jeder Sicht als Treffpunkt für unterschiedliche Gruppen und Vereine. Zudem bietet sie vertrauliche Beratung rund um sexuelle und geschlechtliche Identität sowie zum Coming-out.
Einen weiteren festen Ort in der Mainzer Altstadt hat das Chapeau Mainz, das sich selbst als offene Szene-Kneipe versteht. Hier finden Partys und Kneipenabende statt, gleichzeitig bietet die Bar Raum für Gespräche und Austausch.
Neben solchen festen Einrichtungen gibt es in Mainz auch regelmäßige, offene Möglichkeiten, sich mit anderen queeren Menschen zu treffen. Der Takeover Friday lädt in der Regel jeden dritten Freitag im Monat zu einem gemütlichen Kneipenabend in wechselnden Lokalen ein.
Ähnlich niedrigschwellig ist das Queerstübchen, das queere Menschen und Unterstützer:innen jeden zweiten Mittwoch im Monat zu gemeinsamen Abenden mit Getränken, Spielen und wechselnden Aktionen im Bierstübchen einlädt.
Auch kulturelle Begegnungsformate gehören zur queeren Infrastruktur der Stadt. In der Kulturei an der Zitadelle Mainz findet mit Queer & Quirlig eine regelmäßige After-Work-Reihe statt, die sich an alle Interessierten richtet und einen Ort für entspanntes Beisammensein bietet.
Politisch, kulturell und gemeinschaftlich engagiert ist zudem der Verein Schwuguntia e.V., der seit 1993 queeres Leben in Mainz und der Region sichtbar macht. Der Verein organisiert Freizeitangebote, Veranstaltungen und politische Aktionen und ist unter anderem für die Organisation des CSD Mainz-Sommerschwüle verantwortlich.
Eine weitere offene Community bietet die Gruppe Kwiere FLINTAs Mainz. Die Gruppe richtet sich an FLINTA*-Personen und organisiert regelmäßige Treffen und gemeinsame Aktivitäten für Menschen, die Lust haben gemeinsam Zeit zu verbringen.
Einen allgemeinen Überblick über queere Veranstaltungen, Beratungsstellen, Initiativen und Angebote in Mainz und Rheinland-Pfalz bietet das Netzwerk QueerNet Rheinland-Pfalz e.V. Die Plattform bündelt Informationen zu Gruppen, Institutionen und Events und ist besonders für neu zugezogene Studierende eine hilfreiche Orientierung.