Hochschulleitungen in Rheinland-Pfalz ziehen Bilanz zum Sommersemester

05.08.2020
Campus-News, Studium
lki

Bücherstapel wie diese wurden zuletzt vermehrt durch digitale Angebote ersetzt. Rheinland-pfälzische Hochschulleitungen und Wissenschaftsminister Wolf loben u.a. diese kurzfristigen Umstellungen der Lehre in ihrer Bilanz zum Sommersemester.

Aufgrund der Corona-Pandemie fand das Sommersemester 2020 an allen rheinland-pfälzischen Hochschulen digital statt. Die Hochschulleitungen und Wissenschaftsminister Wolf ziehen nun gemeinsam Bilanz.

Dieses Sommersemester war für Studierende und Lehrende in Rheinland-Pfalz erstmals völlig virtuell. Veranstaltungen und Prüfungen fanden auf beiden Seiten zum Großteil fernab ihrer Hochschule in den eigenen vier Wänden statt (campus-mainz.net berichtete). Je nach Ausrichtung und Fachrichtung seien zwischen 80 und 100 Prozent der Lehrveranstaltungen digital angeboten worden, hieß es am 28. Juli 2020 bei einem Treffen von Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf (SPD) und den rheinland-pfälzischen Hochschulleitungen im Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur (MWWK). Zusammen blickten sie auf das vergangene Sommersemester zurück und zeigten sich optimistisch mit Blick auf das hybride Wintersemester 2020/21, das aus Online- und Präsenzlehre bestehen soll (campus-mainz.net berichtete).

Sommersemester als "erfolgreicher Kraftakt"

"Corona hat uns alle vor eine große Aufgabe gestellt", resümiert Wissenschaftsminister Prof. Dr. Wolf zu Beginn der Veranstaltung. Rückblickend hätten die rheinland-pfälzischen Hochschulen die Herausforderungen im rein digitalen Sommersemester gemeistert, wobei sowohl Lehrende, Studierende als auch Hochschulverwaltungen einen "erfolgreichen Kraftakt" dazu beigetragen hätten.

Für Prof. Dr. Michael Jäckel, den Vorsitzenden der Landeshochschulpräsidentenkonferenz und Präsidenten der Universität Trier, hat sich die anfängliche Rede von einem sozialen Experiment bewahrheitet. Allen Beteiligten hätten die Einschränkungen viel Ausdauer abverlangt. Besonders die Studierenden hätten ihm zufolge sehr viel Geduld für das "alternativlose" Onlinesemester aufgebracht. Die Erkenntnis, dass das Sommersemester funktioniert habe und lehrreich war, sei wegweisend für das bevorstehende Wintersemester, so Prof. Dr. Jäckel.

JGU auf Begegnung von Lehrenden und Studierenden angewiesen

Darüber hinaus richtet JGU-Präsident Prof. Dr. Krausch in einer Grußbotschaft zum Ende der Vorlesungszeit am 21. Juli 2020 seinen Dank an alle Mitglieder der Mainzer Universität, die dazu beigetragen hätten, den "außergewöhnlichen und sehr arbeitsintensiven Kraftakt" zu bewältigen. Während ihm zufolge der "Forschungsbetrieb teilweise komplett zum Erliegen kam", sei es der Universität gelungen, den Großteil aller Lehrveranstaltungen zu digitalisieren. Die Institution könne stolz auf ihren konstruktiven und flexiblen Umgang mit der Krisensituation sein, heißt es weiter.

Dabei dürfe man aber nicht ungeachtet lassen, dass "der akademische Diskurs der Universität eine Qualität der Begegnung von Lehrenden und Studierenden" benötige, die allerdings nur in Präsenz zu bewerkstelligen sei. Diesen Aspekt kritisierten bereits bundesweit Studierende, Forschende und Lehrende, u.a. in einem offenen Brief "zur Verteidigung der Präsenzlehre" (campus-mainz.net berichtete).

Gemischte Meinungen gibt es von Seiten einzelner Lehrender und Forschender an der JGU, die sich im Rahmen einer campusweiten Recherche zu Forschung und Lehre im Sommersemester geäußert haben: Zum einen würden digitale Anwendungen eine Art "digitales Klassenzimmer" schaffen und das Lehren von zuhause aus erübrige den Weg zum Campus. Zum anderen bedeute die Digitalisierung von Lehrinhalten einen Mehraufwand und besonders schwächere Studierende seien gefährdet, durch den Wegfall der analogen Präsenz und der Anwesenheitsplicht weiter benachteiligt zu werden.

Die akute Umstellung auf digitale Formate hat jedoch v.a. zum Umdenken bewegt: Alternative Prüfungsformate wie Take-Home-Prüfungen mussten geschaffen werden, um Klausuren künftig auch ortsunabhängig durchführen zu können (campus-mainz.net berichtete). Die Bibliotheken waren zwar von Ende März bis Ende April geschlossen, boten dann aber u.a. einen Scan-Service an, sodass bisher nicht-digitalisierte Literatur auf Anfrage zugänglich ist.

Virtuelle Lehre fördert technischen Fortschritt

Für das bevorstehende hybride Wintersemester würden die technischen Voraussetzungen und Formate "ausgerollt", so Prof. Dr. Wolf. Zwar seien diese größtenteils schon vor dem außergewöhnlichen Sommersemester vorhanden gewesen, allerdings "nicht in der Breite". Prof. Dr. Wolf zufolge hätten sich die "vorbereiteten Infrastrukturen und blended-learning Konzepte", die Online- und Präsenzinhalte kombinieren, im Praxistest bewährt, als sie bei der Umstellung auf digitale Lehr- und Lernformate eingesetzt wurde.

So sei laut Statistiken des Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz (VCRP), der Netzwerk- und Serviceeinrichtung aller landesweiten Hochschulen, die Zahl der Nutzer:innen für sein Learning Management System innerhalb weniger Wochen um 5000 Nutzer:innen auf fast 108.000 gestiegen. Darüber hinaus habe sich die Anzahl der Videos auf dessen Server auf mehr als 76.000 verfünffacht, während die Anzahl von Nutzer:innenprofilen um das Dreifache auf rund 40.000 gestiegen sei. Dieser Anstieg hänge v.a. damit zusammen, dass "wir früh die richtigen Weichenstellungen vorgenommen haben", beteuert Prof. Dr. Wolf.

Laut Dr. Konrad Faber, dem Geschäftsführer des VCRP, konnte die bildungstechnologische Infrastruktur im rein digitalen Sommersemester "sogar nachhaltig erweitert" werden. Den Erfolg des Sommersemesters führt er jedoch auf die Kooperation und das Engagement aller Hochschulakteur:innen zurück.

Wintersemester wird "Übergangssemester"

Für Präsenzveranstaltungen im Wintersemester 2020/21 würden bevorzugt Studierende im ersten und zweiten Semester sowie Studierende in der Abschlussphase berücksichtigt, so der Beschluss von Prof. Dr. Wolf und Hochschulleitungen; das gilt auch für die JGU. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ist dies seitens Prof. Dr. Wolf mit dem Ankommen auf dem Campus begründet, das ein entscheidender Faktor für ein erfolgreiches Studium sei. Gerade bei den Studierenden im zweiten Semester, die sonst zum zweiten Mal von dem rein digitalen Semester getroffen würden, könne im Herbst die positive Stimmung kippen, wenn diese zur Erkenntnis gelängen, dass die Welt nicht wie vor Corona sei, gibt Prof. Dr. Susanne Wiessmann, die Präsidentin der Hochschule Mainz, zu bedenken.

An der JGU würden im Wintersemester v.a. praktisch ausgerichtete Veranstaltungen in Laboren, im sportlichen und künstlerischen Bereich sowie der Projektlehre und Angebote für Studienanfänger:innen und angehende Absolvent:innen prioritär behandelt, heißt es auf der Informationsseite der JGU (campus-mainz.net berichtete). Die vorlesungsfreie Zeit würde laut JGU-Präsident Prof. Dr. Krausch nun intensiv dazu genutzt, Lösungen zu entwickeln, um künftig Präsenztermine mit Teilgruppen und digitalen Angeboten zu verknüpfen.

Landesweites Förderprogramm von 5,5 Millionen Euro

Bereits zu Beginn des Sommersemesters hatte die JGU mit dem Sofortprogramm JGU DIALOG (DIstAnt Learning Ohne Grenzen) 1,7 Millionen Euro in die Erweiterung ihrer digitalen Infrastruktur investiert (campus-mainz.net berichtete). Um die digitale Lehre weiter auszubauen, hat das Wissenschaftsministerium nun ein Sofortprogramm in Höhe von 5,5 Millionen Euro geschnürt. Davon stünden den rheinland-pfälzischen Hochschulen fünf Millionen Euro zur Beschaffung digitaler Medien und zur Unterstützung der Lehrenden zur Verfügung. Eine halbe Million Euro würde für zentrale Maßnahmen genutzt, um sowohl Server- und Speicherkapazitäten auszubauen als auch weitere Installationen aufzubauen.

Wissenschaftsminister Prof. Dr. Wolf betont, dass die Corona-Pandemie trotz der bundesweiten Lockerungsbestrebungen noch nicht überwunden ist. Insbesondere Hochschulen wie die JGU mit über 35.000 Mitgliedern stünden aufgrund ihrer Größe in der Verantwortung, auch im Wintersemester dem Grundrecht auf Bildung und auf körperliche Unversehrtheit Rechnung zu tragen. Daher müsse man Prof. Dr. Krausch zufolge auch das Wintersemester "mit aller Vorsicht und mit der notwendigen Disziplin angehen", wofür der Präsident der JGU auf das Verständnis und die Mithilfe aller Universitätsangehörigen hofft.

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