Wie realistisch ist die Regelstudienzeit wirklich?

10.11.2024
Studium
Mara Maier

Wie viele Studierende schließen an der Johannes Gutenberg-Universität in der Regelstudienzeit ab? Wie realistisch ist es, diese einzuhalten? Und wie könnt ihr mit dem verbundenen Druck umgehen? Mit diesen Fragen haben wir die JGU-Pressestelle und euch Studierende konfrontiert.

Im Gespräch mit der JGU-Pressestelle: Zahlen und Fakten

Campus Mainz: Wie lange ist die durchschnittliche Studiendauer im Vergleich zur durchschnittlichen Regelstudienzeit an der JGU?

Die JGU-Pressestelle erklärt, dass [d]ie Regelstudienzeit für Bachelorstudiengänge […] in der Regel sechs Semester, für Masterstudiengänge vier Semester [beträgt]. Die durchschnittliche Studiendauer für Bachelorstudiengänge an der JGU liegt bei etwa acht Semestern, für Masterstudiengänge bei etwa sechs Semestern.

Campus Mainz: Wie realistisch ist es, die empfohlene Regelstudienzeit einzuhalten? 

Durch (Re)Akkreditierungen und die Einhaltung des Hochschulgesetzes wird sichergestellt, dass ein Vollzeitstudium in der empfohlenen Zeit abgelegt werden könne. Dabei würden Veranstaltungen wie Prüfungen so gestaltet, dass es zu möglichst wenigen zeitlichen Überschneidungen und sich negativ auswirkendem Prüfungsstress kommt.

Somit stuft die Pressestelle die Regelstudienzeit als realistisch ein. Jedoch sagt sie auch, dass es ich um eine Empfehlung handelt.

Campus Mainz: Wie lange darf man an der JGU studieren? 

Studierende könnten so lange studieren, wie sie wollen. Restriktionen gibt es nur insofern, als dass Abschlussarbeiten in Bachelor- und Masterstudiengängen in der Regel nach Ablauf der doppelten Regelstudienzeit erstmals angemeldet werden müssen.“, erläutert uns die Pressestelle.

Unsere Fragen, eure Antworten: Wieso könnt ihr nicht eure Regelstudienzeit einhalten?

Diese Frage haben wir euch auf Instagram und in der Mainz Campus Forum WhatsApp Gruppe gestellt. Der häufigste Grund, weswegen ihr die Regelstudienzeit nicht einhalten könnt, ist eurer Meinung nach nicht auf persönliche Gründe zurückzuführen. Laut der Abstimmung liegt dies an dem Studienbetrieb selbst. Aufgrund zu weniger Plätze in den Kursen, sich gleichzeitig überschneidenden Veranstaltungen und Wiederholungsklausuren, welche nur im Wintersemester angeboten werden, seien Studierende gezwungen, Inhalte nachzuholen.

Dicht darauf folgten Gründe wie ein Auslandssemester und Nebenjobs. Beeinträchtigungen, chronische und akute Erkrankungen, familiäre Herausforderungen, Schwangerschaften sowie Praktika wurden von den Studierenden gleichermaßen häufig als Faktoren genannt, weshalb die Regelstudienzeit nicht eingehalten werden kann.

Was sind dabei Gefahren wie Chancen? 

Eine weitere Frage war nach euren persönlichen Vor- sowie Nachteilen bei der Nicht-Einhaltung der Regelstudienzeit. Die Ergebnisse zeigen, dass ihr euch vor allem Sorgen um die finanzielle Situation macht. Je länger wir studieren, desto mehr Studiengebühren werden langfristig gezahlt. Mit dem Älterwerden fallen zusätzlich Zuschüsse wie das Kindergeld weg. Mit zunehmender Studiendauer können wir jedoch mehr arbeiten und die Geldsorgen damit reduzieren bis lösen.

Ein weiteres wichtiges Thema für euch, war das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Der Druck liegt auf den BAföG-Beziehenden, welche für die Einhaltung der Regelstudienzeit plädieren, da die finanzielle Hilfe ansonsten wegfällt. Des Weiteren habt ihr den verzögerten Berufseinstieg als Nachteil eingestuft, der zu negativeren Auswirkungen auf die Karrierechance oder das Gehalt führt.

Sich mehr Zeit für das Studium zu nehmen, indem ihr mehrere Praktika macht, bringt aber auch wiederum mehr Vorteile für die Arbeitswelt. Zu den größten Vorteilen eines längeren Studiums zählte für euch, weniger Stress und Druck zu erleben und die Sorge um das Einhalten der Regelstudienzeit hinter euch zu lassen. Aber auch Freiraum für die persönliche Entwicklung zu genießen und um eure individuellen Interessen zu vertiefen, war ein ausschlaggebendes Argument.

Aus welchen Gründen wurde die Regelstudienzeit ursprünglich festgelegt?

Das Studium gibt uns keinen festen Stundenplan mehr vor. So wie wir die Freiheit haben, unser Semester selbst zu planen, eröffnet sich uns auch die Möglichkeit, unseren Werdegang eigenständig zu gestalten. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass der Studienverlaufsplan laut Pressestelle lediglich eine Empfehlung darstellt und die Regelstudienzeit nicht festgelegt wurde, um zeitlichen Druck zu erzeugen.

“Ursprünglich wurde die Regelstudienzeit aus juristischen Gründen eingeführt: Stellte eine Universität einen Studiengang ein, kam es zu Klagen von Studenten, die ihren Abschluss auf diese Weise nicht machen konnten. Dank der Regelstudienzeit wissen alle, die ein Studium beginnen, dass sie es innerhalb der vorgegebenen Semesterzahl auf jeden Fall beenden können“, so ein Artikel vom Studierendenportal Unicum.

Selbstzweifel Adé: “Ich bin kein Faulenzer und Versager, weil ich mich um mich selbst kümmere.“

Wie oben beschrieben, wird in der Regel an der JGU zwei Semester länger studiert, die Urlaubssemester für ein Praktikum werden hierbei nicht mitgezählt. Länger studieren ist also kein Einzelfall, der dich als Faulenzer:in abstempelt.                                                      

Solange du dein Studium erfolgreich abschließt und dabei nützliche Fähigkeiten erwirbst, wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Job finden. Statt für Semesterzahlen interessiert sich dein Arbeitsgeber für deine Erfahrungen, Sprachkenntnisse und Qualifikationen. Tipp: Mache deine verlängerte Studienzeit zu deinem Vorteil! Keiner kann so gut wie du selbst deine Studienzeit erklären. Gründe wie die Bewältigung finanzieller oder familiärer Hürden, Praktika oder ein Auslandssemester, symbolisieren deine Organisations- und Anpassungsfähigkeit und Ehrgeiz!

Ein Studium ist viel mehr als nur der Erwerb fachlicher Kompetenzen: Es ist die Zeit, um sich auf persönlicher wie sozialer Ebene weiterzuentwickeln und sich zu fragen: Was möchte ich eigentlich von meinem Leben?