Hannah ist 26 Jahre alt und hat im März 2022 ihr Studium erfolgreich absolviert. Zurzeit arbeitet sie als Postzustellerin bei der Deutschen Post, denn einen Job in der Medienbranche konnte sie trotz mehrjähriger Praxiserfahrung nicht ergattern. Nach ihrem Studium zog sie nach Köln und arbeitete für verschiedene Medienproduktionen. Doch als sie zurück in das Rhein-Main-Gebiet zog, bekam sie nur Absagen. Auch von ihrer Zeit in Köln berichtet die Absolventin von “nur sehr kurzen Verträgen“, die eine gewisse Zukunftsangst in ihr auslösten.
Die Akademiker:innen-Arbeitslosenzahl hat sich in den letzten Jahren erhöht. Im Jahr 2025 wurde laut der Bundesagentur für Arbeit ein Höchststand mit 335.000 arbeitslosen Akademiker:innen erreicht. Es handelt sich um eine Zunahme von 46.000 im Vergleich zum Vorjahr. Jedoch waren 59 % der Absolvent:innen in 2025 kürzer als ein halbes Jahr arbeitslos gemeldet. Zudem sind bei der Gesamtarbeitslosenquote von 6,3 % anders Qualifizierte zunehmend mehr betroffen als Akademiker:innen.
Bestimmte Studiengänge schneiden bezüglich der Erwerbstätigkeit besser ab als andere. Die Bundesagentur für Arbeit konnte auch hier Unterschiede nachweisen: Die Berufe mit der geringsten Arbeitslosenquote sind in der Verwaltung, der Lehre und im Sozialwesen. Studiengänge der Rechtswissenschaften, der Medizin und der Pharmazie weisen genauso geringe Arbeitslosenquoten auf. Die höchste Quote tragen die Naturwissenschaften mit 9,6 %, gefolgt von Mediengestaltung/Marketing/Werbung mit 8,5 % und Gesellschaftswissenschaften mit 6,6 %.
Die Kulturanthropologie liegt bei einer Arbeitslosenquote von 4,3 %. Für Hannah ist die Quote der Kulturanthropologie-Absolvent:innen nicht nachvollziehbar, da es sich um einen "sehr breit gefächerten Studiengang“ handle. Sie fügt jedoch hinzu: "Vielleicht ist das gerade das Problem, dass man sich nicht auf einen Bereich wirklich spezialisieren kann“.
Hannah erzählt von ihrem Eindruck der Prekarität in der Medien- und Journalismusbranche. Die finanzielle Unsicherheit und der Druck der Branche sind einflussreiche Faktoren, die die Absolventin nennt.
Ihr Karrierewunsch war es mal in einer Redaktion zu arbeiten, doch auf Bewerbungen für kleinere Stellen, wie z. B. als Redaktionsassistentin, wurde sie abgelehnt. Zu Bewerbungsgesprächen wird sie ebenfalls nicht eingeladen, obwohl sie die nötige Praxiserfahrung mitbringt.
Die Pressestelle der JGU antwortet der Redaktion auf Anfrage: “Entsprechend ist Berufsbefähigung ein Pflichtkriterium in der Akkreditierung, Qualitätssicherung und Studiengangentwicklung an der JGU – in der Kulturanthropologie […] und ebenso in allen anderen Studienfächern.“
Genauer gesagt fordere die Landesverordnung zur Studienakkreditierung die Prüfung der Studiengänge gemäß einer qualifizierten Erwerbstätigkeit durch das Studium.
Die Studiengänge würden aber nicht nur gesetzlich formal akkreditiert, sondern auch mittels empirischer Daten und qualitativer Interviews mit Studierenden, Fachvertreter:innen und Vertreter:innen aus der Praxis.
Um Studierende bei ihrem Berufsweg zu unterstützen, bietet die JGU den Career Service sowie den International Career Service Rhein-Main an. Ihre Angebote bestehen aus individueller Beratung bzw. Coaching und Veranstaltungen, in Form von Karriereevents, Workshops etc.
Sie verweisen ebenfalls auf die Agentur für Arbeit Mainz, die bereits drei Monate vor dem Abschluss des Studiums bei der Arbeitssuche unterstützen.
Dennoch hat Absolventin Hannah kaum etwas von den Angeboten der JGU mitbekommen: “Der Name Career Service sagt mir etwas, aber so richtig beschäftigt habe ich mich damit nicht.“
Die Arbeit bei der Deutschen Post finanziert zwar Hannahs Lebensunterhalt, das soll aber nicht für immer so bleiben. Trotz den Enttäuschungen im Niederschlag ihrer vorherigen Bewerbungen, versucht sie es weiter, eine Arbeit in der Medien-, Kultur- oder Öffentlichkeitsarbeit zu finden.
Für zukünftige Absolvent:innen der JGU gilt: Eine Beratung oder ein Coaching seitens des Career Service kann unterstützend sein, denn die Universität bemüht sich, die Studiengänge an den Arbeitsmarkt und ihre Anforderungen anzupassen.