Nachdem ich die letzten Semesterferien hauptsächlich in der Bibliothek verbracht habe, ist mir aufgefallen, wie sehr sich der Campus mit Beginn des Semesters verändert hat.
Auf dem Weg zur Uni waren die Busse bis vor Kurzem noch leer, manchmal war es morgens fast unheimlich leise. Richtung Bib habe ich kaum jemanden getroffen, den ich aus Seminaren oder den letzten Semestern kannte. Um acht Uhr stand oft noch niemand vor dem GFG und wartete darauf, dass die Türen aufgehen. Ich war für einen Moment einfach für mich.
In der Bib waren häufig sogar mittags unzählige Plätze frei. Morgens saß ich oft eine ganze Weile komplett allein mit meinem Laptop dort. Kein Tippen um mich herum, kein Flüstern, nur ich an meinem Platz.
Die Mensa war an manchen Tagen so leer, dass ich mir die Plätze eher mit Mitarbeitenden der Uni geteilt habe als mit anderen Studierenden.
Und dann begann das Wintersemester. Obwohl das jetzt schon ein paar Wochen her ist, fühlt es sich für mich immer noch an, als hätte jemand plötzlich einen Schalter umgelegt.
Nur mit Glück schaffe ich es, mich in die vollen Busse oder Bahnen zu quetschen. Andere Studierende machen sich hektisch auf den Weg in Seminare, Vorlesungen oder wollen sich direkt den besten Platz im GFG sichern. In der Bib bin ich froh, einen guten Platz zu finden und höre wie um mich herum wieder getuschelt, getippt und gewuselt wird.
Mittags in der Mensa ist die Schlange manchmal so lang, dass es sich zwischen Seminaren kaum lohnt, sich überhaupt anzustellen. Doch nicht nur in der Mensa ist es so, in fast jeder Ecke erwartet mich ein kleines oder großes Getümmel. Egal ob vor den Toiletten, in den Gängen oder auf dem Weg zu Vorlesungen. Der Campus, der vor ein paar Wochen noch so still war, ist jetzt komplett im Trubel.
Wenn ich ehrlich bin, ist es aber genau das, was ich so schön am Campus finde. Ich treffe endlich wieder meine Kommiliton:innen, verbringe Zeit mit tollen Gesprächen in der Mensa und fühle mich zwischen all den Menschen wohl.
Auf einmal hängen wieder überall aktuelle Plakate, es wird Glühwein verkauft oder Werbung für Veranstaltungen gemacht. An jeder Ecke wird wieder geredet, gelacht.
Ich habe in dieser Zeit so deutlich gespürt, wie sehr der Campus von seinen Studierenden lebt. Ohne uns wäre er nur eine Fläche mit Gebäuden. Mit uns wird er zu einem Ort, an dem man sich begegnet, an dem man zusammen durch die Höhen und Tiefen des Studiums geht, an dem man das Studi-Leben wirklich spürt.
Manchmal, wenn ich in der langen Mensa Schlange anstehe, wünsche ich mir trotzdem kurz die Ruhe zurück, aber nur für einen kleinen Moment. Eigentlich merke ich nämlich, dass der Campus genau so sein soll: Voll, laut und lebendig.