Und was machst du nach dem Bachelor?

16.06.2026
Campus-News, Studium...
Susanne Metzler

Nach dem Bachelor steht für viele Studierende die nächste Entscheidung an: Masterstudium oder nicht. Zwischen Unsicherheit und Gewohnheit wirkt der Master dabei oft weniger wie eine bewusste Entscheidung als vielmehr wie der naheliegende nächste Schritt.

Irgendwann in den letzten Semestern des Bachelors hat sich in meinem Studium langsam die Stimmung verändert. In Gesprächen tauchte plötzlich immer häufiger eine neue Frage auf: Was macht ihr eigentlich nach dem Bachelor?

Mit meinen Kommiliton:innen hat sich das eher schleichend entwickelt. Erst sprach man zwischen den Seminaren noch über Hausarbeiten, Klausuren oder das große Thema Bachelorarbeit. Nach und nach rückten dann aber Masterstudiengänge, Bewerbungsfristen und die große Frage nach der Zukunft stärker in den Vordergrund. Nicht unbedingt, weil alle genau wussten, wohin sie wollen, sondern weil die Frage nach dem Danach immer präsenter wurde.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie selbstverständlich diese Gespräche irgendwann wurden. Fast jede Person hatte zumindest irgendeinen Master im Blick. Manche mit einem klaren Plan, andere eher als Option im Hinterkopf.

Mehr Fragen als Antworten

Zu Beginn meines Publizistik-Studiums hatte ich ziemlich selbstverständlich die Vorstellung, dass man nach dem Bachelor ganz genau weiß, wie es weitergeht. Schließlich beschäftigt man sich über mehrere Jahre intensiv mit einem Fach, absolviert Praktika und schreibt am Ende sogar eine Abschlussarbeit.

Für mich hat sich die Realität dann jedoch ganz anders angefühlt. Mit dem näher rückenden Bachelorabschluss kamen nicht automatisch die erhofften Antworten auf die offenen Fragen. Es kam genau im Gegenteil und neue Unsicherheiten wurden spürbar.

Je näher das Ende des Studiums kam, desto häufiger habe ich mich gefragt, wie es danach eigentlich weitergehen soll. Welcher Beruf soll es denn eigentlich wirklich werden? Möchte ich direkt ins Arbeitsleben starten? Reicht mein Bachelor dafür überhaupt aus?

In vielen Gesprächen hatte ich dabei den Eindruck, dass diese Unsicherheiten nicht nur mich betreffen. Auch bei anderen schien oft noch keine klare Richtung festzustehen, sondern eher ein vorsichtiges Herantasten an das, was danach kommen könnte.

Der Master als nächster Schritt

Vielleicht überrascht es genau deshalb nicht, dass sich der Master für viele wie der naheliegende nächste Schritt anfühlt. Laut aktuellem Zahlenspiegel der Johannes Gutenberg-Universität studierten im Wintersemester 2025/26 rund 7.800 Menschen in weiterführenden Studiengängen; das entspricht mehr als jeder vierten Person an der gesamten Uni. Damit ist das Weiterstudieren nach dem Bachelor an der JGU längst kein Sonderweg mehr. 

Für mich sind diese Zahlen nicht wirklich überraschend, denn der Bachelor wirkt oft weniger wie ein fertiger Abschluss als vielmehr wie eine Grundlage. Gerade in Studiengängen ohne klaren Berufsweg entsteht schnell der Eindruck, noch nicht spezialisiert genug zu sein oder auf dem Arbeitsmarkt noch nicht die Voraussetzungen mitzubringen, die erwartet werden.

Dazu kommt die Unsicherheit darüber, wie der Berufseinstieg überhaupt aussehen soll. Der Master bietet in dieser Situation etwas, das vielen zunächst fehlt: Orientierung. Oder zumindest das Gefühl, sich noch nicht sofort entscheiden zu müssen.

Warum der Abschied schwerfällt

Interessant finde ich rückblickend vor allem eine Sache: Viele Studierende verbringen Jahre damit, sich über Prüfungsphasen, Hausarbeiten oder die Bachelorarbeit zu beschweren. Ich selbst war dabei mindestens genauso laut wie die anderen. Trotzdem entscheiden sich viele dafür, noch einmal mehrere Semester an der Universität zu verbringen.

Vielleicht liegt es daran, dass die Entscheidung für einen Master nicht nur eine akademische ist. Nach mehreren Jahren wird die Universität Teil des Alltags. Man kennt die Wege über den Campus, die Menschen in den Seminaren und die eigenen Routinen zwischen Bibliothek, Mensa und Nebenjob. Das alles hinter sich zu lassen, fühlt sich manchmal nach einer größeren Entscheidung an als die Wahl eines bestimmten Masterstudiengangs.

Der Master bedeutet dann nicht nur weiterzustudieren. Er bedeutet oft auch, noch ein Stück im vertrauten Umfeld zu bleiben.

Die eigentliche Frage

Natürlich gibt es viele gute Gründe für einen Master: Fachliches Interesse, bessere Karrierechancen oder der Wunsch, sich weiter zu spezialisieren.

Trotzdem bleibt bei mir der Eindruck, dass die Entscheidung häufig nicht ganz so frei ist, wie sie zunächst wirkt. Zwischen Unsicherheit, Zukunftsfragen und dem Gefühl, noch nicht angekommen zu sein, erscheint Weiterstudieren oft einfacher als aufzuhören.

Vielleicht sollte die Frage am Ende des Bachelors deshalb nicht nur lauten, welchen Master man machen möchte. Sondern auch, warum es sich für viele inzwischen fast ungewöhnlich anfühlt, nicht weiterzustudieren.