Thalia kommt nach Mainz: Wie diese Eröffnung die umliegenden Buchhandlungen beeinflusst

01.07.2026
Campus-News, Freizeit
Margareta Etzelsberger

Im Herbst 2026 kommt neben Hugendubel eine weitere große Buchhandelskette nach Mainz. Am Höfchen, wo zuvor Listmann seine Waren anbot, soll Ende des Jahres Thalia einziehen. Während sich viele lesebegeisterte Studierende auf diese Eröffnung freuen, könnte sie für die kleineren, inhabergeführten Buchhandlungen in Mainz eine Herausforderung darstellen. Wir haben einige Buchhandlungen in Mainz kontaktiert und bei ihnen nachgefragt, wie sich die Eröffnung der Thalia-Filiale auf sie auswirken könnte.

Was große Ketten von unabhängigen Buchhandlungen unterscheidet

Buchhandlungen, die Ketten angehören und sich teils über mehrere Stockwerke erstrecken, haben oft ein größeres Angebot und decken somit viele verschiedene Interessengebiete ab. Ob pastellfarbene Romanzen mit Farbschnitt, blutige Thriller oder Lebensratgeber, in einem großen Geschäft werden vermutlich alle fündig. 

Unabhängige Buchhandlungen können sich dafür häufig auf eine Nische spezialisieren. So legt beispielsweise die Kinderbuchhandlung Nimmerland in Mainz-Gonsenheim den Fokus auf Kinder- und Jugendliteratur und bietet seit über 25 Jahren Bücher für Kinder und Jugendliche, Spiele und Autor:innenlesungen an. Zudem wissen viele Menschen nicht, dass sie sämtliche verkäuflichen Bücher auch bei kleineren Buchhandlungen bestellen können, sollten sie diese nicht vor Ort haben. Meistens kann man die Bestellung direkt am nächsten Tag abholen. 

Auch das Einkaufserlebnis unterscheidet sich zwischen großen und kleinen Buchhandlungen. Wer bei einer Kette einkaufen geht, genießt häufig die Anonymität eines großen Geschäfts und kann Bücher kaufen, ohne viel mit anderen Menschen zu interagieren. Kleinere Buchhandlungen haben meist eine persönlichere und gemütliche Atmosphäre. Man sieht häufiger die gleichen Gesichter, lernt manchmal sogar die Inhaber:innen kennen und findet sich schneller zurecht. 

Was hat Thalia in Mainz geplant?

Auf knapp 1.200 m² wird die neue Thalia-Filiale Bücher, Spiele und Spielwaren sowie Geschenk- und Dekoartikel anbieten. Die Einrichtung des Geschäfts soll mit vielen Sitzgelegenheiten dazu einladen, in die Bücher reinzulesen und es sich bequem zu machen. 

„Viele Kundinnen und Kunden in Mainz kaufen heute bereits online bei uns ein, daher waren wir schon seit längerer Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Standort hier in der Landeshauptstadt“, erklärt Angelika Gehrken, Vertriebsdirektorin bei Thalia.

Überzeugen soll die neue Filiale vor allem mit Veranstaltungen und Events wie Lesungen und Signierstunden, Selbstbedienungskassen und einer 24/7 Abholstation.

Was sagen die bestehenden Buchhandlungen dazu?

Mainz ist mit Buchhandlungen bereits ziemlich gut ausgestattet. Neben den beiden Hugendubel-Filialen am Brand und in der Römerpassage existieren viele inhabergeführte Buchhandlungen, die sich auf die unterschiedlichen Stadtteile verteilen. Wir standen mit einigen Buchhandlungen in Kontakt.

Seit fast 30 Jahren leiten Cliff und Nida Kilian die Buchhandlung Shakespeare und So, die zu Fuß nur fünf Minuten von dem neuen Thalia-Standort entfernt ist. Auf 60 m² findet man ein breites literarisches Angebot, sowie Schreibwaren und Grußkarten. Die Buchhandlung bietet einige Sitzgelegenheiten und frischen Kaffee auf Spendenbasis an. Die Kundschaft schätzt hier laut Nida Kilian neben dem Sortiment, das weit über die aktuellen Bestsellerlisten hinausgeht, vor allem die kompetente Beratung und den Enthusiasmus der Mitarbeitenden. 

„Um eine gute Buchhändlerin zu sein, muss man auch wirklich ein Interesse an den Menschen haben“, sagt Nida Kilian, die sich bei der Beratung von Kund:innen stets große Mühe gebe. Dass sich diese Mühe lohnt, merkt man bereits nach wenigen Minuten in Shakespeare und So. Die Kundschaft betritt das Geschäft mit einem breiten Lächeln und wird, wie wir selbst erleben durften, direkt mit Namen begrüßt. Frau Kilian und ihre Kolleg:innen merken sich mit beeindruckender Genauigkeit, wer welche Bücher bestellt hat und welche Neuerscheinungen zusätzlich ihren persönlichen Geschmack treffen könnten. 

„Wir hoffen, dass unsere Kunden uns treu bleiben“, sagt Frau Kilian mit Blick auf die bevorstehende Eröffnung. Dass Kund:innen verstehen, dass sie mit ihrem Kaufverhalten beeinflussen, welche Geschäfte sich über Wasser halten können, sei ihr ebenfalls ein wichtiges Anliegen.

 

Susanne Lux, Gründerin der Kinderbuchhandlung Nimmerland, stand uns ebenfalls für ein paar Fragen zur Verfügung. 

„Wir spüren die Konkurrenz durch die großen Filialisten in der Innenstadt weniger als wahrscheinlich die Kolleg:innen dort. Unsere Kund:innen schätzen die intimere Atmosphäre, die differenzierte, kuratierte Auswahl und unsere kompetente Beratung“, antwortet Frau Lux auf die Frage, wie es der Buchhandlung bisher in Konkurrenz mit anderen Buchhandlungen ging.

Laut ihr passe eine große Buchhandlung aber auch nicht zu allen Kund:innen. 

„Nimmerland ist eben kleiner, freundlicher, persönlicher. Wer eine zugewandte, persönliche Beratung sucht, ist gut beraten, zu uns zu kommen“, sagt Susanne Lux. 

 

Die Filiale Hugendubel am Brand, die sich nur wenige Meter von dem neuen Thalia-Standort befindet, wollte sich zur Thalia-Eröffnung in Mainz und der möglichen Konkurrenz nicht weiter äußern.

Die Frage, inwiefern die bevorstehende Eröffnung die umliegenden Buchhandlungen beeinflussen wird, bleibt derzeit also noch offen.