Rezension Hänsel und Gretel in Wiesbaden: Lohnen sich die kostenfreien Tickets?

01.02.2026
Campus-News, Freizeit
Mallak Ismail

Dank der Kooperation der JGU und dem Staatstheater Wiesbaden, können sich Studierende drei Tage vor Aufführung kostenfreie Tickets abholen. Das Musikstück „Hänsel und Gretel“ bot mir die perfekte Möglichkeit, dieses Sonderangebot auszutesten. Hier berichte ich von meinen Erfahrungen.

Worum geht’s im Stück? – Kurze Inhaltsangabe

Das Stück beginnt mit Hänsel und Gretel, die fröhlich und unbeschwert im Haus spielen. Dabei verursachen sie eine große Unordnung, zu der die Mutter erschöpft Nachhause kommt. Schnell wird deutlich, dass die Familie in ärmlichen Verhältnissen lebt, denn der Bruch eines Topfes sorgt für einen mentalen Zusammenbruch der Mutter, auch die Abwesenheit von Lebensmitteln scheint sie zu besorgen. Schließlich schickt sie ihre Kinder in den Wald, um Erdbeeren zu pflücken. Der Korb der Kinder ist nun voll, doch der Inhalt verschwindet und sie verirren sich in der Nacht.

Der Sandmann erscheint und sorgt dafür, dass Hänsel und Gretel einschlafen. Als sie aufwachen, entdecken sie ein Lebkuchenhaus. Sie entscheiden sich dazu, das Haus zu betreten und die Leiter hinunterzuklettern. Unten erwartet sie die Hexe. Die Eltern haben schon längst begriffen, dass ihre Kinder vermutlich von der Hexe gefangen genommen wurden und machen sich auf die Suche. Trotzdem schaffen es die Kinder alleine, die Hexe in den Ofen zu werfen und zu entkommen.

Das Bühnenbild und das Orchester  

Die Inszenierung des Gebrüder Grimm Märchens ist wie erhofft traditionell und klassisch geblieben, wie ich sie aus meiner Kindheit kenne.

Das Bühnenbild war mit das beeindruckendste am ganzen Abend. Zu Beginn halten sich die Szenen in einem einstöckigen Haus, das voller Detail auf der Bühne stand. Doch die Transformation vom Haus zum Wald und vom Wald zum Inneren des Lebkuchenhauses war mehr als beeindruckend. Kurzzeitlich hatte ich das Gefühl, einen Bildschirm vor mir zu haben, der das Schattenspiel auf den hohen Bäumen inszeniert. Die gestalterische Bühnentrennung des Lebkuchenhaus-Äußeres und dessen Inneres habe ich bisher noch nie so gesehen. Die Details waren nicht zu übersehen.

Ein weiteres Highlight war der musikalische Einstieg, der einen auf perfekte Weise in das Märchen einleitete. Es klang wie aus einem Disney-Film.

Umso schöner die Musik war, desto schlechter hat man leider die Schauspieler:innen verstanden. Die Untertitel, die sich über der Bühne befinden, sind dabei eine nützliche Hilfestellung. Die Sprache des Gesangs wurde altertümlich gehalten, weswegen ich mich konzentrieren musste, um den Inhalt zu verstehen. Durch die simple Handlung des Märchens war dies aber nicht allzu schlimm. Zeilen, wie “Müde bin ich, müde zum Sterben!“ oder “Schau, schau, schau – wie schlau!“ sind mir besonders im Kopf geblieben und zeigen hiermit auch die gelungene Dramaturgie des Ganzen.

Die Schauspieler:innen

Ohne Ausnahme haben alle Schauspieler:innen eine wundervolle Leistung erbracht und dem Publikum den Abend bereichert. Der Opera-Gesang der diversen Schauspieler:innen war mehr als angenehm zu hören, vor allem der Kinderchor hat Gänsehaut bei mir ausgelöst. Ein Mikrofon wäre nicht verkehrt fürs Verständnis gewesen, aber das bleibt mein einziger Kritikpunkt.

Lohnen sich die Tickets für das Wiesbadener Staatstheater?

Das Theater ist durch sein klassisches Design, extrem eindrucksvoll und atmosphärisch. Ein Besuch ist allein deswegen zu empfehlen. Zudem habe ich für zwei Sitzplätze in der sechsten Reihe, 118 Euros gespart und einen kulturell bereicherten Abend verbringen dürfen. Lohnen tut es sich auf jeden Fall!