Praktikolumne | Vegan Leben auf dem Campus

22.05.2015
Essen
fm

„Ich habe Kuchen mitgebracht, bedient euch“, sagt ein Kommilitone in meinem Seminar. „Jawohl Schokoladenkuchen“, freue ich mich direkt. Bis der Kuchen die Reihe macht und an meinem Tisch ankommt, ist mir schon wieder eingefallen: „Mist, ich lebe doch vegan seit drei Wochen“. So musste ich schweren Herzens den leckeren Kuchen ablehnen, während er um mich herum genüsslich verzehrt wird, und ich mir nebenbei noch einen schmatzenden Kommentar anhören muss, wie lecker schokoladisch der Kuchen doch sei.

Vegan, was ist das überhaupt?

Ich wurde vor die Herausforderung gestellt, mich einen Monat lang, ausschließlich vegan auf dem Campus zu ernähren. So grob weiß ich natürlich, was man als Veganerin isst, aber en détail fehlte mir dann doch etwas an Know-How. Also setzte ich mich an einem Sonntagabend, bevor meine große Challenge begann, an meinen Laptop und schaute mir einige vegane Blogs und Beiträge zum Thema veganes Leben an. Und ich muss schon sagen, das sah alles ziemlich schmackhaft aus. Ich muss also auf alle tierischen Produkte verzichten, inklusive Eier und jegliche Milchprodukte, sowie Honig und sogar Zucker, denn beim raffinieren von Zucker kann Tierkohle verwendet werden und ich weiß nicht, inwieweit auf unserem Campus darauf geachtet wird wie der Zucker, den wir hier verzehren, hergestellt wird. Sojaprodukte sind ein guter Ersatz für Tierprodukte, habe ich mir sagen lassen und statt Fleisch gibt es von nun an Tofu. Gerichte wie beispielsweise Nudeln, Reis, Gemüse, Pommes, Chili, Eintopf, Suppen und Salate darf ich essen, allerdings nur wenn für diese Gerichte einzig Pflanzenöle verwendet werden, alles andere wäre dann nicht vegan.

Veganes Leben, kann ich das durchziehen?

Soviel Umstellung, schaffe ich es überhaupt alles zu beachten?  Mein innere Schweinehund beantwortet dies eindeutig mit Nein. Um meine Selbstzweifel zu überwinden, muss ich mich daher auch mental auf ein Leben als Veganerin einstellen. Ich sollte also verstehen warum Menschen sich dazu entschließen vegan zu leben. Ich fragte daher eine Freundin was sie dazu bewegt habe, Veganerin zu werden. Sie sagte, dass sie Veganismus als eine Lebenseinstellung betrachtet: „Ich finde es ethisch nicht tragbar, für meine eigenen Bedürfnisse Tiere zu quälen und zu töten. Vegan bedeutet für mich, diesen Lebensstil der Gesellschaft - so gut es geht - nicht zu unterstützen“. Nach diesem Gespräch entwickelte auch ich einen persönlichen Bezug zum Veganismus und ich konnte mit mehr Empathie an die Challenge herangehen.

Los geht’s!

Motiviert starte ich das vierwöchige Projekt: Vegan Leben auf dem Campus. Der erste Tag fällt auf einen Montag und wie ich mir so den Speiseplan auf der CampusApp anschaue, muss ich nüchtern feststellen, dass es nicht jeden Tag ein veganes Gericht zur Auswahl gibt. An diesem Montag allerdings schon. Mein Magen gab schon Geräusche von sich als ich die Mensa des Georg Forster Gebäudes betrat und mir einen Asian Gemüse Wok bestellte. Ein Gourmetmittagessen hatte ich nicht erwartet, aber etwas mehr Geschmack dann doch. „Du wirst dich schon noch daran gewöhnen“, dachte ich mir. Meine Geschmacksnerven waren allerdings nicht gesättigt, also machte ich mich auf die Suche nach einem leckeren Nachtisch. Fündig bin ich leider nicht geworden. Ich fühlte mich als Veganerin sozialer Diskriminierung ausgesetzt, außer dem Soja-Vanille Getränk und Obst gab es absolut nichts zum Nachtisch.

Veganer Asyl

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, kam ich dann von Tag zu Tag besser damit klar, als Veganerin auf dem Campus zu leben, zwar hat sich die Situation mit dem Nachtisch nicht ganz geändert, aber dennoch bin ich froh mir gleichgesinnte Menschen im Haus Mainusch gefunden zu haben, die ziemlich beliebt zu seinen scheinen, denn bist du mal nach 13 Uhr dort um eines ihrer veganen Gerichte zu kosten, ist schon nichts mehr von übrig. Nach meinem rumgezicke, muss ich fairerweise aber auch gestehen, dass ich die Eistheke auf dem Campus entdeckt habe, die ganz zu meiner Überraschung vegane Eissorten zur Auswahl haben. Ich hatte das Zitroneneis, es wird auf Wasserbasis hergestellt, und war mein absolutes Highlight während meines veganen Campuslebens. An Tagen, an denen es keine veganen Gerichte in den Mensen gab, habe ich veganen Asyl beim Diwan gefunden oder im Haus Mainusch.

Vier Wochen später…

Das Leben als Veganerin ist für mich im wahrsten Sinne des Wortes eine Challenge gewesen. Ich bin eine absolute Fleischliebhaberin und kann auf dem Campus nicht ohne Schokolade überleben, dachte ich, bis ich eines besseren belehrt wurde. Ich kann aus eigener Erfahrung nun sagen, dass Veganer es nicht gerade leicht haben, sich durch den Campusalltag zu bringen. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, dass nicht jeder der Mensa Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiß, was genau ein Veganer ist. Dementsprechend hatte ich einige Male fragende Gesichter vor mir, wenn ich wissen wollte, ob etwas auch vegan ist.

Wenn die Sojamilch alle ist

Ehrlicherweise muss ich an diesem Punkt gestehen, dass ich an einem Samstagmorgen im CafeUnikat einen Latte Macchiatto getrunken habe, da es keine Sojamilch mehr gab. Ich konnte dem Drang nach Kaffee an einem erbarmungslosen Samstagmorgen einfach nicht widerstehen. Vier abenteuerreiche Wochen auf der Suche nach Essbaren haben mich nicht zur Verganerin gemacht- Dennoch war es mir – die meiste Zeit - ein Vergnügen als Veganerin zu leben.

P.S.: Auf Instagram habe ich mein veganes Leben unter folgenden Hashtags dokumentiert: #VeganesLeben #PraktikantenChallenge #Praktikolumne #CampusMainz #CampusMainzRedaktion #JohannesGutenbergUniversität #JGU

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