Am Sonntag, 22. März steht die nächste Landtagswahl in Rheinland-Pfalz an. Deswegen fand am Freitag, 06. Februar 2026 um 19:30 Uhr, eine Podiumsdiskussion im RW1 statt. Diese war organisiert von den Students for Future Mainz und den Scientists for Future Mainz. Dabei lag der Fokus der Fragen auf den Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel.
Moderiert wurde die Diskussion von Urban Weber (Physiker an der F.H. in Bingen) und Cornelia Frings (Politikwissenschaftlerin an der JGU). Dabei wurden den Parteimitgliedern Fragen gestellt zu Themen wie Biodiversität, Mobilität, erneuerbare Energien, Klimawandelanpassung und Wassersicherheit. Die Diskussionsteilnehmer:innen hatten jeweils acht Minuten Redezeit während der gesamten Diskussion.
Mit einer Klage selbst eingeladen habe sich die AfD noch einige Stunden vorher, berichtete Ulrich Hansen, Journalist und Mitglied der Scientists for Future Mainz zu Beginn der Podiumsdiskussion. Bereits am Tag zuvor hatte die Partei sich erfolgreich bei einer Podiumsdiskussion eingeklagt, die von der Fachschaft Politikwissenschaft organisiert wurde. Das Verwaltungsgericht Mainz gab dort in einem Eilverfahren der AfD Recht, da der Gleichheitsgrundsatz gelte. Das führte dazu, dass die Organisatoren sich dazu entschieden die Podiumsdiskussion am Tag selbst noch abzusagen.
Die Students for Future Mainz und die Scientistis for Future Mainz entschieden sich dazu, ihre Podiumsdiskussion trotz Änderungen der Teilnehmer:innen stattfinden zu lassen. „Uns war es wichtig, dass diese Veranstaltung stattfindet, weil das Thema Klima im Landtagswahlkampf gerne vermieden wird“, so Hansen.
Hansen begann die Podiumsdiskussion mit einem wissenschaftlichen Impulsvortrag. Dabei betonte er, dass „wenn man sich mit Klima beschäftigt, man sich auch mit Energie und Politik beschäftigen muss“. Er verwies auch auf den Klimarisikoindex des Instituts der deutschen Wirtschaft und der ERGO Versicherung. Dieser schätzt ein, wie stark deutsche Städte und Gemeinden vom Klimawandel betroffen sein werden. Dabei werden unter anderem Sturm, Starkregen und Hitzestress berücksichtigt. Er zeige, so Hansen, dass viele Orte in Rheinland-Pfalz bereits jetzt und bis 2050 ein insgesamt hohes Risiko haben. Unter anderem gehe eine hohe Gefährdung von den vielen Flüssen und steigenden Temperaturen aus.
Doch wie dem entgegenwirken? Hansen berichtete von Lösungen wie zum Beispiel der Energiewende: das heißt, Stromerzeugung und Energieverbrauch ohne CO2-Ausstoß erreichen. Dafür brauche man unterschiedlichste Maßnahmen. Dazu zählen Windräder und Photvoltaik-Anlagen. Auch die Industrie müsse sich umstellen.
Zu Beginn wurden die Vertreter:innen der Parteien gefragt, ob sie es für realistisch halten, dass Rheinland-Pfalz bis 2040 klimaneutral wird. Insgesamt hatten fünf der sechs Parteivertreter:innen ähnliche Vorstellungen, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten. Als wichtigste Maßnahmen sahen Markus Wolf (CDU), Florian Maier (SPD), Katrin Eder (Grüne), Stefan Thoma(FDP) und Rebecca Ruppert (Linke) die Energie- und Verkehrswende. Auch der Schutz von Wäldern und Veränderungen im Bauwesen wurden häufig genannt. Das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2040 hielten Ruppert (Linke) und Maier (SPD) für realistisch. Wolf (CDU) rechnet damit das Ziel bis 2045 zu erreichen. Jürgen Wiedenhöfer war für die AfD anwesend. Er sprach davon, dass das Ziel Klimaneutralität mit aktuell ergriffenen Maßnahmen nicht zu erreichen sei. Er halte es für wichtig, Kernenergie wieder zu fördern. Einige Aussagen Wiedenhöfers (AFD) riefen in der Zuhörerschaft ungläubige Lacher hervor und führten zu Zwischenrufen. Maier (SPD) nutzte mehrfach einen Teil seiner Redezeit, um Aussagen der AfD richtig zu stellen.
Welche konkreten Maßnahmen sollten eingesetzt werden? Maiers (SPD) Ziel ist es für jede Region entsprechend passende Lösungen zu finden. Wolf (CDU) betonte, wie wichtig es sei, auch im öffentlichen Bereich (z.B. bei Polizeistationen und Universitäten) als Vorbild für Klimaneutralität voranzugehen. Eder (Grüne) möchte die Finanzierung bestimmter Projekte durch einen Zukunftsfond ermöglichen. Sie hob hervor, welche Schritte zur Energie- und Verkehrswende gerade bereits gegangen werden.
Große Unterschiede gab es bei der Vorstellung, wie genau die Maßnahmen umgesetzt werden sollten. So setzte Thoma (FDP) vor allem auf Freiwilligkeit und sah eine der größten Herausforderungen darin, die Menschen davon zu überzeugen, die Maßnahmen freiwillig umzusetzen. Würde man das nicht erreichen, erreiche man auch das Ziel der Klimaneutralität nicht. Ruppert (Linke) hingegen setzte auf Vorgaben und die Ermöglichung der Finanzierung durch eine Vermögenssteuer. Wichtig sei ihr auch darauf zu achten, dass ökologische Maßnahmen das Zusammenleben verbessern sollen.
Im Anschluss der Veranstaltung sagt Emily (28): „Ich war positiv überrascht, weil ich gewisse CDU- und SPD-Positionen besser fand als ich ursprünglich gedacht hätte.“ Sie habe spontan von einer Freundin von der Podiumsdiskussion erfahren und sei dann mitgekommen um „ein bisschen die Vorurteile zu den Parteien zu fact-checken. „Ich finde es wichtig, sich auch andere Positionen anzuhören“, sagte sie.
Auch Iris Betz (54) empfand die Veranstaltung als informativ: „Ich fand es interessant zu sehen, wie ähnlich sich die Parteien, außer der AFD, waren und wie wenig sich die in den einzelnen Parteiprogrammen widerspiegeln.“
Gleichzeitig zeigten sich einige Zuhörer:innen enttäuscht darüber, dass es keinen Faktencheck gab. Johannes Betz (58): „Es gab keine Prüfung der Informationen, außer aufmerksame Stimmen aus dem Publikum.“ So habe die AfD „20 bis 30 Jahre alte Argumente von sich gegeben, vor so einem Publikum.“ Beispielsweise argumentierte Wiedenhöfer (AfD), dass Windräder die Biodiversität erheblich zerstören würden. Das führte zu Unruhe unter den Zuhörer:innen. Das hätte unabhängig und live korrigiert werden sollen.
Die Moderator:innen griffen die Frage nach einem Faktencheck während der Veranstaltung auf und erklärten, dass für einen Faktencheck Personen unterschiedlichster Fachbereiche im Hintergrund arbeiten müssten und sie das wegen der ehrenamtlichen Organisation nicht leisten könnten.
Auch Mitglieder von Fridays for Future Rheinland-Pfalz waren anwesend. Sie überreichten am Ende den Vertreter:innen der Parteien ein Dokument mit Forderungen an die neue Landesregierung, die in den letzten Wochen mit den Ortsgruppen erarbeitet wurden. Im Gespräch berichteten viele Zuhörer:innen unserer Redaktion, dass sie sich insgesamt wünschen, dass das Thema Klimaschutz wieder mehr Beachtung findet. „Ich würde mir wünschen, dass die nächste Landesregierung so konstruktiv zusammenarbeitet, auch überparteilich, wie es hier heute auf die Art auch gezeigt wurde“, sagte Johannes Betz (58).
Viktoria (20) hat den Wunsch, dass vor allem die erneuerbaren Energien ausgebaut werden, da die fossilen Energien irgendwann mal leer seien. „Ich finde nur, es wurde alles sehr spät gestartet. Aber wie man so schön sagt, besser spät als nie.“