Mediale Sichtbarkeit von Frauen im Sport und Sportjournalismus

21.05.2025
Frauen, Campus-News...
Giulia Maria Schynawa

Frauen im Sport bleiben medial oft unsichtbar. Während eines Vortrags beleuchtet Journalistin Mara Pfeiffer, wie Mechanismen medialer Sichtbarkeit funktionieren und wie man dies ändern kann.

 

Trotz sportlicher Höchstleistungen sind Frauen im Sport und im Sportjournalismus nach wie vor unterrepräsentiert. Welche Rolle spielen soziale Medien und neue Plattformen? Wie prägen historische Lücken in der Sportberichterstattung die Wahrnehmung bis heute? Welche strukturellen Herausforderungen spielen im Sportjournalismus eine Rolle? Über all dies und noch mehr sprach Mara Pfeiffer, Journalistin und Autorin, in einem Impulsvortrag zur medialen Sichtbarkeit von Frauen im Sport. 

Am 29. April 2025 hielt Pfeiffer einen Online-Vortrag zum Thema „Mediale Sichtbarkeit von Frauen im Sport und Sportjournalismus“. Im Anschluss gab es Raum für Diskussionen und Fragen. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Stabsstelle Gleichstellung und Diversität der JGU.

Die deutsche Journalistin, Autorin und Podcasterin Pfeiffer fokussiert sich auf die Themen Fußball, Gesellschaft und Feminismus. Bekannt ist sie unter dem Pseudonym „Wortpiratin“. Zu ihren Interessengebieten zählt nach Angaben der Veranstalterin außerdem Geschlechtergerechtigkeit im Sport.

Die Referentin eröffnete den Vortrag mit einer Vorstellungsrunde, inklusive der Möglichkeit, über den eigenen Sport zu berichten und Gedanken zur medialen Sichtbarkeit zu äußern. Der Vortrag bot Raum für persönliche Fragen oder Interessen und wurde zudem interaktiv gestaltet, unter anderem durch Fragen an das Publikum.

So wurden die Zuschauer:innen nach einer Schätzung der prozentualen Sichtbarkeit von Frauen in der Berichterstattung gefragt. Die Antworten lagen bei circa 15 bis 30 Prozent. Die Realität sehe jedoch anders aus. Pfeiffer erklärt, dass sich lediglich 10 bis 12 Prozent der Berichterstattung im Sport auf Frauen bezieht.

Mögliche Ursachen für die geringe mediale Sichtbarkeit von Frauen

Zu den Fehlerquellen für diese Statistik gehören laut Pfeiffer sowohl die Vereine als auch die Medien. So würden die jeweiligen Sportvereine eine eigene Social Media-Präsenz, z.B. einen neuen Instagram-Account, für ihre Frauenmannschaft erstellen, diese aber nicht auf dem bereits aktiven Kanal der Männer bewerben.

Erklärung hierfür sei der Wunsch, einen Safe Space für Frauen zu errichten, da auf den großen Kanälen anders mit Frauen umgegangen werde. Pfeiffer kritisiert diesen Grund jedoch, da sie der Meinung ist, dass es negative Kommentare ebenso auf den Frauenkanälen gebe. Diese erhielten jedoch deutlich weniger Aufmerksamkeit, da sie meist eine geringere Reichweite hätten. Laut ihr können Frauenspiele oder Turniere mehr Aufmerksamkeit erhalten, wenn sie auch auf reichweitenstarken Kanälen beworben werden würden.

Nach Pfeiffers Aussage tragen auch die Medien eine große Rolle zur medialen Sichtbarkeit von Frauen im Sport bei. Pfeiffer kritisiert den Glauben der etablierten Medien, dass Sport vor allem Männer interessiert und, dass sich vorrangig Frauen für Frauensport interessieren. Sie hebt hervor: „Kleine Mädchen sehen nicht, was sie eigentlich auch alles tun können. Medien prägen, ob wir glauben, dass wir im Sport auch eine Rolle spielen können. Dies gilt auch für den Behindertensport. Letztendlich geht es um Geschlechterrollen, die dort manifestiert werden“.

Der Einfluss von Bildern und Sprache

Auch die Art und Weise, wie etwas präsentiert werde, habe einen Einfluss auf die mediale Sichtbarkeit von Frauen. Pfeiffer erklärt, dass es drei Möglichkeiten der Bildberichterstattung gibt:

  1. Im aktiven sportlichen Kontext (z.B. beim Aufschlag, oder an der Ziellinie)
  2. Fotos mit sportlichem Kontext (z.B. beim Sitzen auf dem Rasen oder in der Nähe einer Sportanlage)
  3. Fotos ohne Sportkontext (z.B. im privaten Umfeld)

Sie zeigt auf, dass Männer vor allem durch die erste Kategorie dargestellt werden, während Frauen durch die Brille der dritten Kategorie präsentiert werden und dabei ihre Rolle als Mutter oder Partnerin in den Vordergrund gerückt wird. Pfeiffer vertritt dabei eine klare Meinung: „Dies sollte nicht im Fokus stehen!“. Sie ergänzt: „Es findet eine Trivialisierung durch die Auswahl der Bilder statt.“

Historische Einflüsse auf die geringe Sichtbarkeit heute

Pfeiffer erklärt, dass der Sport als Männerdomäne auch geschichtliche Komponenten enthält. Frauensport sei durch verschiedene Verbotsphasen geprägt worden. Obwohl auch Frauen schon früh angefangen hätten, Sport zu treiben, sei versucht worden, dies durch Männer zu unterdrücken.

Sie ergänzt, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Frauen zwischen 1955 und 1970 verboten hat, innerhalb des Vereins Fußball zu spielen. So habe es lange Zeit keine Plätze und keine Vereine gegeben. Der Sport sei somit über 15 Jahre für Frauen kleingehalten worden. Die Referentin erklärt: „Frauensport ist an vielen Stellen aktiv behindert worden“.

Mögliche Lösungen des Problems

Zum Ende des Vortrags spricht Pfeiffer auch über Lösungswege, um Frauen im Sport sichtbarer zu machen. Social Media und die Möglichkeit der Selbstdarstellung spielen für Pfeiffer dabei eine wichtige Rolle. Hierbei könnten sich Frauen eine eigene Präsenz im Internet aufbauen.

Die Freiheit bleibe jedoch trügerisch, weil sie weiterhin keine umfassende Kontrolle über die Inhalte hätten, da daraus Schlagzeilen produziert werden könnten.

Zu den weiteren möglichen Aspekten gehörten bessere Förderungssysteme für alternative Medienprodukte und auch ein Anerkennen der Verantwortung von Journalist:innen für dieses Problem. Sie appelliert dabei an diese, sich für das Thema einzusetzen und daran zu arbeiten, die Situation zu verbessern.

Ein Appell für weitere Impulse zur Gleichstellung

Der Vortrag von Pfeiffer hat gezeigt, wie tief die strukturelle Unsichtbarkeit von Frauen im Sport und Sportjournalismus verankert ist.

Falls ihr euch für weitere spannende Impulsvorträge und Diskussionen rund um Gleichstellung und Diversität interessiert, lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf die Angebote der Stabsstelle Gleichstellung und Diversität.