Ein Klassenzimmer in Mainz, ein Township in Südafrika – zwei Welten, die man nicht sofort miteinander in Verbindung bringt. Und doch verbindet beide Orte ein gemeinsames Ziel: Bildung als Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe.
"Masifunde" kommt aus dem isiXhosa (Sprache der Xhosa und eine der elf Amtssprachen in Südafrika) und bedeutet: "Lasst uns lernen". Genau darum geht es auch: Durch Bildungsprojekte in Südafrika sollen junge Menschen dazu befähigt werden, ihr eigenes Leben und ihre Gesellschaft aktiv zu gestalten. Als eine Hochschulgruppe wurde Masifunde 2005 von Studierenden aus dem Rhein-Main-Gebiet gegründet. Inzwischen ist sie ein eingetragener Verein mit Regionalgruppen in ganz Deutschland.
Die Arbeit der Hochschulgruppe in Mainz lässt sich grob in zwei Bereiche gliedern. Zum einen geht es darum, Spenden zu generieren, mit welchen Bildungsprojekte im Walmer Township in Gqeberha (ehemals Port Elizabeth) und anderen südafrikanischen Nachbarorten finanziert werden. Dort werden Schulen ausgebaut, Freizeitprogramme organisiert und Jugendliche gefördert. Zum anderen leistet Masifunde Bildungsarbeit in Deutschland. Mit Workshops in Bildungseinrichtungen, Projekten und internationalem Austausch setzen sich die Mitglieder von Masifunde für ein differenziertes Bild von Südafrika ein und wollen globale Zusammenhänge verständlich machen. Themen wie Diskriminierung, Rassismus, nachhaltige Digitalisierung oder Dekolonisierung von Wissen treffen auf großes Interesse bei den Schulen.
Das neueste Projekt von Masifunde ist das "Glocal Changemaker Network", das Jugendorganisationen aus Südafrika, Deutschland und Palästina zusammenbringt. Ziel ist es, voneinander zu lernen, Bildungsarbeit weiterzuentwickeln und globale Ungleichheiten lokal zu hinterfragen. Über solche Projekte und deren Ergebnisse wird auf der Website ausführlich berichtet.
Für viele Mitglieder beschränkt sich das Engagement aber nicht nur auf Deutschland. Über Masifunde können zum Beispiel Auslandssemester in Südafrika organisiert werden. Mit der Nelson Mandela University in Gqeberha besteht eine enge Partnerschaft. Auch Kosta Karampatzakis, Lehramtsstudent für Englisch, Philosophie und Ethik in Mainz, hat diese Chance genutzt und 2021/22 ein Semester dort verbracht. Seine Eindrücke sind durchweg positiv: "Ich blicke mit großer Freude und etwas Nostalgie zurück – es war eine wunderbare Zeit. Die Uni ist akademisch stark, der Campus wunderschön."
Seit seiner Rückkehr engagiert sich Kosta auch in den Schulworkshops von Masifunde:
"Es gibt ein gutes Gefühl, zu wissen, dass wir der nächsten Generation ein differenzierteres, weniger stigmatisierendes und nicht nur westlich geprägtes Bild von Südafrika vermitteln. Und das Feedback aus den Schulen zeigt, dass das ankommt."
Die Mainzer Hochschulgruppe trifft sich regelmäßig, organisiert Infostände auf dem Campus und informiert über Südafrika als Ziel für Auslandssemester oder Praktika. Wer Mitglied werden will, ist jederzeit willkommen. Masifunde lebt von freiwilligem Engagement und von der Überzeugung, dass Bildung mehr ist als Unterricht: Sie schafft Perspektiven, erweitert Horizonte und baut Brücken.
Übrigens: Während der Corona-Pandemie entstand der Podcast Global Gedacht, mit dem Ziel, durch spannende Interviews neue Perspektiven zu eröffnen und zum Nachdenken anzuregen. In der aktuellen Folge dreht sich alles um Behinderung und Ableismus. Zu Gast ist Thomas Ongolo aus Pretoria, Inklusionsberater und Disability-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Er berichtet, wie die UN-Behindertenrechtskonvention auf dem afrikanischen Kontinent umgesetzt wird und welche Herausforderungen und Fortschritte es dabei gibt.