Dienstagabend, 19 Uhr, im ersten Stock des Georg-Forster-Gebäudes brennt noch Licht. Der Debattierclub der Johannes Gutenberg-Universität trifft sich, wie jeden Dienstagabend, zur wöchentlichen Debatte. Mitmachen kann jeder, ohne Ankündigung oder Anmeldung. Vor dem heutigen Treffen berichtet Konstantin über seine Erfahrungen im Debattierclub und dem Sieg der diesjährigen deutschsprachigen Debattiermeisterschaft (DDM) in Berlin. Der Debattierclub der Johannes Gutenberg-Universität Mainz überzeugte bei der diesjährigen DDM und belegte den ersten Platz. Den Sieg sicherten sich Amelie, Konstantin und Alena.
Konstantin ist 28 Jahre alt und Rechtsreferendar. Mit dem Debattieren hat er bereits in der Schule begonnen und es später an der Universität in Heidelberg weitergeführt. Seit 2023 ist er im Debattierclub der JGU aktiv und war bis zur letzten Saison im Vorstand des Clubs.
Der 28-Jährige erklärt, dass das Debattieren aus dem Britischen komme und eine Parlamentsdebatte simuliere. "Es ist keine Diskussionsrunde im klassischen Sinne. Man erhält einen zugelosten Standpunkt und eine festgelegte Vorbereitungszeit zu einem vorher unbekannten Thema. In einem sportlichen Wettbewerb wird sich dann der Thematik gestellt und der Standpunkt dargelegt. Debattieren ist also das Entgegenhalten von Argumenten. Es geht darum, wer den Standpunkt überzeugender vermitteln kann, losgelöst von den eigenen und privaten Meinungen“, macht Konstantin deutlich.
Der Club trifft sich jeden Dienstag um 19 Uhr, in Raum 01-601 im Georg Forster-Gebäude. Es gäbe keine Voraussetzungen und jeder könne teilnehmen. "Man kann auch erst mal zuschauen kommen, bevor man mitmacht und braucht keine Angst zu haben“, so Konstantin. Es würde einem alles in Ruhe erklärt werden. "Wir versuchen uns in dem, was wir tun zu verbessern, Spaß zu haben und über coole und interessante Themen zu reden.“ Das Debattieren könne Konstantin jedem empfehlen. Sowohl denjenigen, die Lust am Sprechen haben und es einfach mal ausprobieren wollen, als auch den Leuten, die sich nicht unbedingt trauen vor anderen zu sprechen. "Man wird bei uns nicht gezwungen, sondern an die Hand genommen und aktiv unterstützt“, betont Konstantin.
Die wöchentlichen Sitzungen laufen immer ähnlich ab. Zunächst gäbe es eine Abstimmung über das Thema, dann werden zwei Gruppen eingeteilt und jeweils zu Pro oder Contra Seite zugeordnet, erklärt Konstantin. Anschließend werde die Debatte abgehalten. "Danach gibt es Feedback mit Verbesserungsvorschlägen. Es gibt keine Bewertung, sondern konstruktive Hinweise. Im Anschluss gehen wir immer noch zusammen zum Baron“, hebt Konstantin hervor. Dort wird angestoßen, manche essen etwas und alle lassen den Abend gemeinsam ausklingen. Eine schöne Tradition, die der Spaltung vielleicht auch etwas entgegenwirkt, die viele aus öffentlichen und privaten Diskursen kennen.
Da Konstantin Rechtsreferendar ist, scheint der berufliche Kontext, in welchem ihm das Debattieren von Vorteil ist, offensichtlich. "Natürlich ist ein souveränes Auftreten und vor Leuten sprechen zu können wichtig für mich und meinen beruflichen Werdegang, die private Antwort finde ich aber interessanter“, Konstantin ergänzt "Man denkt immer, dass es beim Debattieren darum geht besonders viel zu sagen, aber man hat ja eine begrenzte Redezeit und möchte keinen Quatsch erzählen. Man muss sich also überlegen, was man sagt“, Er fügt hinzu: "Besonders wichtig ist das Zuhören. Was sagt und vor allem, was meint die Person? Nur wenn man das verstanden hat, kann man auch richtig darauf eingehen, dem entgegentreten und vor allem verstehen, was die Person meint und woher sie kommt. Das ist auch privat wichtig, zum Beispiel, wenn man streitet, kann man besser verstehen, was die Person meint.“
Der Debattierclub der JGU hat die diesjährige DDM in Berlin gewonnen. Konstantin bildete zusammen mit Alena und Amelie das Siegerteam. Er erklärt, wie Turniere aufgebaut sind und wie die Vorbereitung für die drei ablief: "Turniere gehen meistens ein Wochenende. Man hat nicht nur eine, sondern mehrere Debatten hintereinander und kriegt direkt im Anschluss Feedback.
"Es ist ein sportlicher Wettstreit und hat irgendwann eine Art Klassentreffen Charakter, wenn man die Leute kennt“, so Konstantin. Über die DDM sagt er, dass sich die drei erst spät dazu entschieden hätten, anzutreten. "Wir sind es locker angegangen, wollten hingehen, Spaß haben und natürlich auch eine gute Leistung erbringen, dann sind wir zum Turnier gefahren und haben gewonnen“, erinnert er sich.
Zu Beginn des neuen Semesters organisiert der Debattierclub immer einen Einstiegsabend, grundsätzlich könne man aber immer dazustoßen und beitreten. "Man kann auch mitmachen, ohne Mitglied zu sein“, ergänzt Konstantin. Alle weiteren Aktionen des Clubs und Infos zu den Treffen findet ihr auf der Instagramseite als auch der Website des Mainzer Debattierclubs.
"Kommt gerne vorbei, es macht total viel Spaß. Bei uns kann man in einem entspannten Setting über coole Themen reden, dabei bisschen etwas lernen und einfach Spaß haben“, betont Konstantin abschließend.