Jüdische Juristinnen und Juristinnen jüdischer Herkunft – Aktuelle Ausstellung im ReWi

22.05.2026
Campus-News, Freizeit
Margareta Etzelsberger

Ihr habt momentan die Chance, etwas über die Geschichte 17 jüdischer Juristinnen zu erfahren. Dazu könnt ihr ganz einfach die Wanderausstellung des Deutschen Juristinnenbundes zum Thema „Jüdische Juristinnen und Juristinnen jüdischer Herkunft im Foyer des Hauses Recht und Wirtschaft (ReWi) kostenfrei besuchen.

Auf den großen Tafeln, die ihr vor dem Eingang der Bereichsbibliothek im ReWi findet, könnt ihr euch die Biografien in eurem eigenen Tempo durchlesen. Es gibt auch eine kostenlose Begleitbroschüre, die ihr euch mitnehmen könnt. Da sich die Ausstellung direkt auf dem Campus befindet, lässt sich ein Besuch gut mit dem Studi-Leben vereinbaren.

 

Zu Gast bei der Ausstellungseröffnung

Am 29. April 2026 wurde die Wanderausstellung des Deutschen Juristinnenbundes zum Thema „Jüdische Juristinnen und Juristinnen jüdischer Herkunft“ eröffnet. Die Eröffnung begann mit der Anrede aller Anwesenden im Dekanatssaal. Die Begrüßung erfolgte unter anderem durch Professor Jan Zopfs, Peter Waldmann, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Jüdischen Kulturgemeinde Mainz, und Sebastian Tooten. Anschließend gab Ruth Antonia Rosenstock vom Deutschen Juristinnenbund eine Einführung in die Ausstellung.

Die 17 jüdischen Frauen, die für diese Ausstellung ausgewählt wurden, stehen laut Rosenstock stellvertretend für eine ganze Generation von Frauen, die sich den Zugang zum juristischen Bereich erkämpfen mussten. Die Ausstellung führt euch fast 100 Jahre in die Vergangenheit zurück, als das Studieren für Frauen keineswegs selbstverständlich war. 

 

Ein kurzer Ausflug in die Vergangenheit – Warum und ab wann durften jüdische Frauen nicht mehr studieren?

Obwohl zwischen 1900 und 1909 allen Frauen das Studium an sämtlichen Fakultäten der deutschen Universitäten erlaubt wurde, erhielten sie erst 1922 das Recht, das zweite juristische Staatsexamen zu absolvieren und somit tatsächlich in juristischen Berufen zu arbeiten. Seitdem Frauen Jura studieren dürfen, war dieses Studium besonders bei jüdischen Frauen sehr beliebt. 1928 machten jüdische Frauen beispielsweise von 771 Jurastudentinnen 16,2 % aus. 

Durch die Machtübernahme 1933 wurden jüdischen Jurist:innen die Berufschancen in diesem Bereich jedoch wieder genommen. Das Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 machte die Erlassung antisemitischer und diskriminierender Gesetze ohne Rücksicht auf die Verfassung möglich. Nur wenige Wochen später, am 7. April 1933, trat das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in Kraft, was dazu führte, dass sämtliche jüdische Personen aus dem Staatsdienst entlassen wurden. 

 

Eindrücke aus der Ausstellung 

Die Wanderausstellung umfasst die Biografien 17 jüdischer Juristinnen mit unterschiedlichen Schicksalen. Der Fokus der Ausstellung liegt auf der Entschlossenheit dieser Frauen, die ihre Ziele trotz Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung erreichen wollten. Ein besonderes Beispiel dafür ist Erna Scheffler. Sie studierte Jura, unter anderem in Breslau, wo sie als einzige Studentin von Kommilitonen und Professoren ignoriert und gemieden wurde, und bestand 1925 das zweite Staatsexamen. 

Von 1933 bis 1945 durfte sie aufgrund des Berufsverbots für jüdische Personen nicht arbeiten und musste sich bis zum Kriegsende bedeckt halten. 1951 wurde sie als erste und damals einzige Frau zur Richterin des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe ernannt und setzte sich bis zu ihrem Lebensende stark für Frauenrechte ein. 

Insgesamt ist die Ausstellung im ReWi interessant, inspirierend, lehrreich und auf jeden Fall einen Besuch wert.