Das neue Jahr startet ambitioniert, der Uni-Alltag holt einen jedoch schnell ein. Zumindest fühlt es sich bei mir jedes Jahr so an. Die Sportschuhe stehen wieder ungetragen in der Ecke, der detaillierte Lernplan für den Januar liegt irgendwo zwischen Seminarunterlagen und Vorlesungsnotizen. Mein geplanter gesunder Lifestyle verschwindet spätestens beim dritten Uni-Stressmoment.
Wie viele andere nehme auch ich mir zum Jahreswechsel eine ganze Menge vor: Mehr Sport, mehr Ausgleich, Routinen, die Uni ernst nehmen und rechtzeitig mit dem Lernen anfangen, Freundschaften bewusster pflegen, Geld sparen, weniger scrollen, einfach das perfekte Leben. Der Januar startet motiviert, fast euphorisch. Doch dann holt mich die Realität schneller ein als geplant: Abgaben, Referate, Nebenjob, Verpflichtungen. Plötzlich stehen die vielen Vorsätze, die ich dieses Jahr auf jeden Fall durchziehen wollte, ganz hinten an.
Aus meiner Sicht liegt das Problem vieler Neujahrsvorsätze darin, dass sie oft zu groß, zu allgemein und losgelöst vom Alltag sind. Wenn ich mir vornehme, ab sofort fünfmal die Woche Sport zu machen, früh zu lernen und dabei entspannt zu bleiben, plane ich weniger ein neues Jahr als ein Parallelleben. Dass das selten aufgeht, ist kein Zeichen fehlender Disziplin, sondern unrealistischer Erwartungen.
Ende Januar ertappe ich mich dennoch regelmäßig bei Selbstvorwürfen und hinterfrage meine Motivation. Vielleicht gilt es jedoch eher, die eigenen Ziele einmal zu hinterfragen. Welche Vorsätze passen wirklich zu meinem Alltag und was hilft mir konkret? Ich habe gemerkt, dass es sich lohnt, den Blick weg von perfekten Selbstoptimierungsplänen und hin zu den Möglichkeiten zu richten, die es längst im Alltag Studierender gibt.
Wer sich mehr Bewegung wünscht, muss nicht sofort ein teures Fitness-Abo abschließen. Der Allgemeine Hochschulsport (AHS) der JGU zeigt, wie Sport realistisch in den Studienalltag passt. Kurse für verschiedene Fitnesslevel, feste Zeiten, und die Möglichkeit Neues auszuprobieren, schaffen niedrigschwellige Möglichkeiten. Einige Kurse kann man spontan und flexibel während des Semesters besuchen, ohne sich langfristig zu verpflichten.
Auch mental scheitern Vorhaben selten am fehlenden Willen, sondern an Überforderung. Phasen, in denen alles zu viel wird, kenne ich gut. Zu wissen, dass es mit der Psychotherapeutischen Beratungsstelle (PBS) der Universität ein unterstützendes Angebot gibt, nimmt mir in stressigen Situationen etwas Druck. Neben Kursen oder Einzelberatungen, gibt es auch niedrigschwellige Angebote wie das Online-Portal me@JGU mit Tipps, Infos und Übungen für mehr Gelassenheit im Studium.
Dann ist da noch der Vorsatz, den ich mir vermutlich jedes Jahr aufs Neue mache: Rechtzeitig mit dem Schreiben von Hausarbeiten und dem Lernen anfangen. Bei mir scheitert das weniger an mangelnder Motivation, sondern an Unsicherheit und Aufschieben. Die Angebote der Universitätsbibliothek Mainz können hier helfen. Kurse, Tools und Tipps erleichtern den Einstieg und nehmen Ängste beim wissenschaftlichen Arbeiten. Häufig könnt ihr auch bei eurem Fachbereich wichtige passende Angebote finden, die das Schreiben erleichtern können. Feste Termine mit Kommiliton:innen oder Lerngruppen helfen zusätzlich beim strukturierten Arbeiten.
Vielleicht liegt die realistischste Version von Neujahrsvorsätzen für mich nicht mehr darin, alles auf einmal ändern zu wollen. Vielmehr geht es darum, Unterstützung annehmen zu können und Schritt für Schritt an kleinen Stellschrauben zu drehen. Wenn am Ende weniger Veränderungen übrigbleiben als geplant, dafür aber ein paar Dinge langfristig helfen, ist das kein Scheitern, sondern ein ziemlich guter Start ins Jahr.