Katharina Dahm studierte zunächst an der JGU Jura im Bachelor und Arbeitsrecht im Master. Als Professorin hat sie ebenfalls das Amt als Gleichberechtigungsbeauftragte an Hochschulen der Rheinland-Pfalz besetzt. Sie erklärt im Interview, warum die Partnerwahl entscheidend für eine erfolgreiche Karriere ist, wie sie mit Studierenden in Kontakt treten will und welche Werte sie vertritt.
Eine Vision klingt so weitreichend und sehr strategisch. Ganz ehrlich liegt der Fokus zunächst erstmal auf dem Inneren. Wir müssen die Prozesse in der Hochschule verbessern und auch unsere originären Aufgaben noch besser erfüllen – vom Prozess der Einschreibung bis hin zur Akkreditierung von Studiengängen und zur Zeugniserstellung.
Darüber hinaus sind mir noch drei Dinge wichtig: Zum einen die starke regionale Verankerung, auch gerne über die urbanen Zentren hinaus, die Interdisziplinarität und die Fortsetzung der Internationalisierung. Ganz grundsätzlich gilt für mich, dass wir uns nicht verzetteln. Also lieber weniger Schwerpunkte und die dann dafür konsequent umsetzen.
Vor allen Dingen der gelungene Umzug – aus vier Standorten werden zwei. Das heißt, wir werden mit knapp 6.000 Studierenden an einem Ort sein, mit nagelneuen Räumen und ganz modernen Laboren und Werkstätten. Die Chance, dass wir alle auf einem Campus sind, um interdisziplinär zusammenzuarbeiten und von den verschiedenen Kulturen der unterschiedlichen Fächer zu profitieren und uns da besser kennenzulernen, soll genutzt werden. Der spontane, ungeplante, analoge Austausch vor Ort, sowohl im Kollegium, als auch bei den Studierenden.
Ich meine verstanden zu haben, dass sich viele Personen im ländlichen Raum abgehängt und nicht verstanden fühlen. Orte wie Kirch oder Idar-Oberstein sind ländlich sehr schön, aber den Menschen fehlt teilweise der Bezug zu den Entscheidungen, die in der Landeshauptstadt getroffen werden. Ausstellungen, Kooperationen und Unternehmen, mit denen man zusammenarbeitet, nicht nur immer diese Big Player in Mainz und Umgebung, sondern eben auch vielleicht mal eine kleinere Firma. Ich bin selber auch ein Landkind.
Mir geht es darum, dass mir Studierende selbst sagen, was sie brauchen und wie ich helfen kann. Mit mir kann man jeden Mittwoch um 12:15 Uhr spazieren gehen, quasi in meiner Mittagspause, also ohne Anmeldung. Ich bin da immer am Empfang an der Hochschule und jeder, der mitlaufen will, der kann mitgehen. Das andere, was ich plane sind “Townhall-Meetings“, damit ich leicht ansprechbar bin. Ich würde auch ab nächsten Jahr versuchen, in der Lehre zu bleiben, damit ich einfach den Kontakt zu Studierenden behalte.
Universitäten generell haben einen Fokus auf Forschung und Wissenschaft, das haben wir als Hochschule auch, aber bei uns hat der Transfer nochmal eine ganz andere Tiefe. Die enge Verbindung von Lehre, Forschung und Transfer in die Unternehmen, sind gesellschaftlich relevant. Wir haben über 500 Kooperationspartner, mit denen wire kooperieren. Das heißt, unsere Studierenden sind keine Theoretiker, sondern sie können direkt anpacken und das ist natürlich von Vorteil auf dem Arbeitsmarkt.
Ehrlicherweise ist die KI eine der Herausforderungen. Ich glaube, dass neben den fachlichen Kompetenzen, ich nenne es mal die “Future Skills“, immer wichtiger werden. Teamfähigkeit, Transfer- und Kommunikationskompetenz und die Fähigkeit, mit neuen Technologien umzugehen. Das bedeutet aber auch, dass ich eben weiß, wie KI funktioniert, und dass ich sie einschätzen kann.
Ich muss sagen, was für mich ganz prägend war, war eine Doktormutter und Habilitationsmutter, die immer klar gemacht hat, dass es keine gläserne Decke für Frauen gibt. Also hatte ich eine Mentorin und ein Vorbild. Für mich war es immer selbstverständlich, dass wenn man etwas möchte, dass man das erreichen kann – weil ich das von ihr so vorgelebt bekommen habe.
Eine Familie, die mich immer unterstützt und mich nie unter Druck gesetzt hat. Ich bin die erste in unserer Familie, die erste Generation, die Abitur gemacht hat. Also ich bin wirklich ein Arbeiterkind und deshalb gab es in meiner Familie keinen Habitus an einem akademischen Werdegang.
Ich habe lange in der Kommunalpolitik als Gleichberechtigungsbeauftragte Erfahrungen gesammelt. Da habe ich auch einen Workshop belegt “Mehr Frauen in der Kommunalpolitik“, weil es mich gestört hat, dass Gemeinderäte meistens nicht weiblich und eher alt sind. Da habe ich gedacht, okay, nur meckern ist nicht, dann muss man auch was machen und dann habe ich mich da engagiert.
Das Problem ist, dass wir ja seit Jahren Frauenförderung mit relativ großem Aufwand betreiben,wir aber keine Daten haben, ob das wirklich was hilft. Frauenförderung funktioniert nach dem Gießkannenprinzip. Man müsste im Prinzip zwei Frauen haben, die parallel aufgestellt sind. Eine fördert man, eine nicht. Das geht aber einfach nicht. Ich fürchte nur, wenn wir all diese Frauenförderungen nicht hätten, dass die Zahlen noch schlechter wären. Ich glaube schon, dass wir da auf einem guten Weg sind, aber da ist noch massig Luft nach oben.
Und wenn mich manchmal junge Menschen fragen, was denn so das karrierefördernde ist, dann kann ich nur sagen, Augen auf bei der Partnerwahl. Das hört sich blöd an, aber wenn man da jemanden hat, der einem auch in schwierigen Zeiten den Rücken freihält und einen immer unterstützt, dann ist das natürlich phänomenal.
Ich bin mir gar nicht so sicher, ob alle auf dem Schirm haben, was wir alles anbieten. Also würde ich sagen, sich anzustrengen. Man muss dranbleiben, die Chancen nutzen, die man hat und bei allem auch noch Spaß haben. Auch den zwischenmenschlichen Austausch dürfen wir nicht verlernen.