Kennt ihr schon das Ciné Mayence? Der Kinosaal des französischen Kulturzentrums Institut Français bietet regelmäßig kostenlose Vorführungen. Unsere Redakteurin Chloé war für euch bei einer Vorstellung, die in Kooperation mit der Europa-Union e.V. organisiert wurde.
Ich drücke die massive Holztür auf und betrete das schöne Gebäude des Institut Français. Ein paar Stufen weiter und schon bin ich da. Ein Team begrüßt die Gäste mit einem Glas Saft oder Sekt vor dem Film.
Der Film fängt an. Er beginnt mit Luftbildern von der Küste und bekannten Stimmen europäischer Politiker:innen. Im Hintergrund hört man eine spannende, drückende Musik. Freiheit in Gefahr?
Margaux, Aimée und Amaya, drei Französinnen in Biarritz, kämpfen darum Stereotype zu überwinden und einen Platz im Surfsport für Frauen und Queere Menschen zu schaffen. Wir begleiten die drei Frauen bei der Organisation ihres queeren Surffestivals in Südfrankreich.
Rosy lebt in Derry, einer Stadt an der europäischen Grenze Nordirlands, die noch von den blutigen Konflikten der 70er bis 90er Jahre traumatisiert ist. Rosy ist überzeugt: „surfing saved my life“, wenn er über seine Leidenschaft redet, die er mit seinem Sohn zusammen teilt. Seit seiner Jugend träumt er von einer Maschine, die ihm seinen Traumjob, das Bauen von Surfbrettern, ermöglichen könnte. Aber der Brexit und seine ökonomischen Folgen bremsen sein Projekt.
Ganz im Süden Westeuropas, in Tarifa in Spanien, surft Majid. Von der Küste aus kann er Marokko beobachten, wo seine Frau und seine zwei Kinder wohnen. Zwischen der Arbeit und den Surfstunden kämpft er sich durch die Bürokratie. Er wünscht sich, dass seine Familie an seiner Seite wäre. Er surft im gleichen Meer, in dem Menschen regelmäßig ihr Leben verlieren, um Europa zu erreichen.
Nach der Aufführung konnte das Publikum mit dem Co-Regisseur Likas Steinbrecher ins Gespräch kommen. „Sie hatten erstmal keinen Bock“, antwortet der Regisseur auf die Frage, wie die Protagonist:innen reagiert haben, als er und Constantin Gross ihnen von ihrem Filmprojekt erzählten.
Lukas Steinbrecher erklärt, dass anfänglich das Thema Surfen und Europa ihr Fokus war, aber im Laufe das Projekts gesellschaftliche Aspekte wie die Migration in Spanien oder den Brexit in den Vordergrund rückten. „Die Verbindung zwischen dem Sport und verschiedenen europäischen Werten, wie zum Beispiel offenen Grenzen und Inklusion“ fand Lennart, Student an der JGU, „eine sehr schöne Kombination, natürlich auch noch mit den Bildern.“
Die Bilder und die verschiedenen Filmtechniken wurden vom Publikum sehr gelobt. Der Regisseur erzählte, dass das Team eine wasserdichte Kamera, Gleichgewicht auf dem Surfbrett und perfekte Bedingungen brauchten, um die Surfer:innen auf dem Wasser und unter Wasser zu filmen. Er erklärt lachend, wie jedes Mal mehrere Stunden Filmen nötig war, um eine Szene zu drehen, die nach dem Schnitt nur ein paar Sekunden dauert. „Der Film hat mich echt beeindruckt. Wahnsinn, wie viel Arbeit dahintersteckt!“, sagt Antonia aus dem Publikum.
Der mehrsprachige Film, dessen O-Töne ins Deutsche übersetzt waren, hat ein vielfältiges Publikum angelockt. Surfer:innen, wie Alice oder Lennart haben sich vor dem Film bei einem Sektempfang mit Studierenden, älteren Menschen, Sprachinteressierten oder Kinoliebhaber:innen unterhalten. Für Stammgäste oder neue Besucher:innen des Ciné Mayence ist der Ort „voll familiär“, wie Alice es beschreibt. „Europa braucht engagierte Bürger:innen“, schloss Peter Albrecht, der Vorsitzende des Vereins Europa-Union e.V. in Mainz, die Veranstaltung ab.