Der Wunsch, einmal aus seinen vier Wänden zu kommen und etwas Neues kennenzulernen, ist wohl vielen Student:innen bekannt. Und wann geht es leichter als an der Uni? Für mich war schon früh klar, dass ich während meines Studium zumindest einmal ins Ausland wollte. Da ich mich allerdings schon am Ende meines Studiums befand, entschied ich mich doch dafür, ein Praktikum im Ausland zu machen, um in meinem Auslandsaufenthalt gleichzeitig berufliche Erfahrungen zu sammeln. Und während es für Erasmus Programme zahlreiche Möglichkeiten gibt, sich zu informieren, war es mit Auslandspraktika gar nicht so leicht. Durch einen E-Mail Verteiler bin ich bereits während meines Bachelors auf Praktika beim Goethe-Institut aufmerksam geworden. Hatte mich die Ausschreibung schon damals gereizt, informierte ich mich jetzt konkret über verschiedene Möglichkeiten, ein Auslandspraktikum beim Goethe-Institut zu machen. Vor allem für Student:innen, die eine Geisteswissenschaft studieren, ist das eine tolle Möglichkeit. Es gibt in zahlreichen Goethe-Instituten eine Kulturabteilung, die kulturelle Veranstaltungen organisiert und für die Öffentlichkeitsarbeit und Social Media zuständig ist.
Auf den Websiten der verschiedenen Goethe-Instituten kann man sich dann meist mithilfe eines Fragebogens online bewerben. Der Bewerbungsprozess selbst ist zunächst vor allem eins: sehr frustrierend. Kleiner Tipp hier: erwartet nicht zu schnell eine Rückmeldung und bewerbt euch, bei so vielen verschiedenen Instituten wie möglich. Ich habe mich im Mai beworben für meinen Praktikumsplatz beim Goethe-Institut in Barcelona und im Dezember erst eine Rückmeldung erhalten. Es erfordert also viel Durchhaltevermögen, aber es lohnt sich, dranzubleiben.
Nach der Zusage stand ich erstmal vor einer Reihe großer Fragezeichen: Wo wohnen? Wie finanziere ich alles? Wie mache ich das mit dem Studium? Was packe ich für vier Monate im Ausland? Auch hier gibt es wieder einen großen Unterschied zu Erasmus. Während ihr in eurem Erasmus-Semester schon vorher mit anderen Student:innen Kontakte knüpfen könnt und euch auch Dozent:innen helfen können, ist man bei einem Auslandspraktikum erstmal auf sich gestellt. Vor allem die Wohnungsfrage bereitete mir die größten Sorgen. Hier jedoch schon mal eine kleine Entlastung: wer in Mainz auf Wohnungssuche war, hat hier nichts Schlimmeres zu erwarten. Barcelona ist zwar auch wie wohl jede andere europäische Großstadt knapp an Wohnungen, man findet jedoch etwas. Ich hatte zunächst auf “WG-Gesucht.de” geguckt, was sich als eine große Enttäuschung herausstellte. Die Preise für ein Zimmer begannen ungefähr bei 800 € teilweise für 10 qm. Auch war es schwierig, ein Zimmer für einen begrenzten Zeitraum zu erhalten. Ich habe dann spontan auf AirBnB geguckt und dort schnell ein bezahlbares Zimmer gefunden. Auch hier gilt natürlich: Vorsicht vor Scams, und kümmert euch am besten früh drum.
Das nächste Problem: Finanzierung. Die Praktika beim Goethe-Institut sind unbezahlt. Ich hatte mich für ein Erasmus-Stipendium beworben, was ohne Probleme gelang. Macht euch auf einiges an Papierkrams gefasst, vor allem an zahlreiche Mails, die ihr hin- und herschicken müsst. Nachdem ich die Bestätigung für Wohnung und Stipendium bekam, waren die größten Fragen beantwortet.
Meine ersten Tage in Barcelona waren sehr aufregend, aber auch stressig. Von meiner Vermieterin wurde ich direkt zu Beginn mit Essen begrüßt und sie zeigte mir mein Zimmer. Gerade am Anfang war es von der Sprache her nicht ganz leicht, da mein Spanisch noch nicht so gut war und sie kein Englisch konnte, allerdings konnten wir uns mit dem Google Übersetzer schnell helfen. Das Viertel, in dem ich wohnte, war etwas weiter außerhalb, jedoch mit vielen kleinen Treppen, Obstläden und Parkanlagen sehr schön. Und mit der Metro kommt man in Barcelona überall schnell hin: Mit der Jugendkarte, die jeder unter 30 Jahren bekommt, kann man für drei3 Monate überall in Barcelona hinreisen und sogar Städte in der Umgebung besuchen. Bei den öffentlichen Verkehrsmitteln in Barcelona sind die Klischees genau umgekehrt: Von der Pünktlichkeit der Metro in Barcelona, die bis zur Sekunde genau kommt, kann der RMV in Mainz nur träumen. Generell ist Barcelona, obwohl es eine Millionenstadt ist, flächenmäßig nicht so groß wie man anfangs denkt und die meisten Orte sind fußläufig gut erreichbar.
Nicht so traumhaft war dafür gerade in den ersten Tagen das Wetter. Wer denkt, dass in Spanien immer die Sonne scheint und man schon im Frühling an den Strand gehen kann, wird schnell eines Besseren belehrt. Auch in Barcelona kann es im Frühling noch kalt und regnerisch sein, meine Kleidungsauswahl war leider nicht ganz passend. Also, es lohnt sich auch in Spanien warme Kleidung einzupacken. Ansonsten ist Barcelona aber eine wunderschöne Großstadt mit einer Mischung aus engen Gassen, Hochhäusern und dem typischen Mittelmeer-Charme.
Ein weiterer Aspekt meines Auslandsaufenthalts war natürlich auch, neue Kontakte zu knüpfen. Als eher introvertierte Person hatte ich anfangs Respekt davor, allein in eine neue Stadt zu ziehen. Durch meine Wohngemeinschaft mit drei Mitbewohner:innen hatte ich jedoch schnell einen ersten Anschluss, was besonders in den ersten Wochen sehr geholfen hat.
Später lernte ich über das Erasmus-Netzwerk viele weitere Menschen kennen. So wurden in einer WhatsApp-Gruppe regelmäßig Veranstaltungen wie Kennenlern-Treffen, Salsa-Abende, Beachvolleyball oder Partys organisiert, wo man schnell Leute kennenlernt und außerdem etwas erlebt. Generell habe ich die Menschen in Barcelona als sehr offen erlebt. Verständigt habe ich mich meist auf Englisch und Spanisch. Katalanisch, die zweite Amtssprache der Region, sprach ich zwar nicht, doch das war im Alltag kaum ein Hindernis.
Außer Gaudi, beeindruckender Kultur und der Sagrada Familia ist Barcelona noch für eine nicht so schöne Sache bekannt: Diebstahl. Sowohl Einheimische als auch andere Studierende weisen regelmäßig darauf hin, gut auf persönliche Wertgegenstände, insbesondere das Handy, zu achten.
Gleichzeitig sollte man sich davon nicht verunsichern lassen. Meiner Erfahrung nach ist Barcelona in dieser Hinsicht wie viele andere Großstädte. Taschendiebstähle kommen vor, doch man wird nicht an jeder Straßenecke ausgeraubt. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit oft größer, von einer aufmerksamen Person auf unvorsichtiges Verhalten hingewiesen zu werden, als direkt bestohlen zu werden.
Der eigentliche Anlass meines Auslandsaufenthalts begann direkt an meinem ersten Tag in Barcelona: mein Praktikum am Goethe-Institut. Obwohl ich bereits im Ausland gearbeitet hatte, war die Tätigkeit in einer Kulturinstitution eine völlig neue Erfahrung für mich. Ich absolvierte mein Praktikum in der Abteilung Kulturprogramm, die für die Öffentlichkeitsarbeit und die Organisation kultureller Veranstaltungen zuständig war. Bereits in meiner ersten Woche fanden mehrere Veranstaltungen mit der Architektin Anna Heringer statt. Zunächst beobachtete ich die Abläufe, später unterstützte ich selbst bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen.
Zu meinen täglichen Aufgaben gehörten außerdem die Erstellung von Instagram-Beiträgen und die Pflege der Website. Dabei wurde mir bewusst, wie vielfältig der Kulturbegriff tatsächlich ist. Besonders spannend war für mich, dass viele Inhalte meines Studiums plötzlich einen praktischen Bezug bekamen. Veranstaltungen wie die Walter-Benjamin-Woche zeigten, wie theoretische Themen aus den Kulturwissenschaften in aktuellen gesellschaftlichen Debatten aufgegriffen werden.
Durch regelmäßige Team-Meetings erhielt ich zudem Einblicke in die Arbeit des Goethe-Instituts über den Standort Barcelona hinaus. Dabei wurde deutlich, welche organisatorischen und finanziellen Herausforderungen eine weltweit tätige Kulturinstitution bewältigen muss und wie kreative Lösungen gefunden werden, um Projekte trotz begrenzter Ressourcen umzusetzen.
Rückblickend hat mir das Praktikum nicht nur einen tiefen Einblick in die Arbeit einer Kulturinstitution ermöglicht, sondern auch die Chance gegeben, Barcelona aus einer Perspektive kennenzulernen, die weit über die eines touristischen Aufenthalts hinausgeht. Für Studierende, die über ein Auslandspraktikum nachdenken, kann ich die Erfahrung empfehlen. Es ist zwar vor allem einiges an organisatorischer Mühe, aber es lohnt sich!