Geklautes und vergessenes Mensa-Geschirr – Was ändert sich jetzt?

31.01.2026
Campus-News, Studium...
Lili Rudert

In nur kurzer Zeit verlor das Studierendenwerk ein großes Inventar seines Geschirrs und startete einen Rückruf, was viele Diskussionen auslöste. Wie kam das zustande und welche Maßnahmen sind geplant? Wir waren beim „Meet the Gastro“-Treff und haben Fragen gestellt.

Das Studierendenwerk Mainz stellte zuletzt einen extremen Geschirrschwund fest, sodass es sich gezwungen fühlte, darauf aufmerksam zu machen. Am 14. Januar 2026 veröffentlichte es dazu einen Beitrag auf seinem Instagram-Account, was innerhalb von einer Woche große Wellen schlug: Deutschlandweit gab es Medienberichte über den Geschirrklau in den Mainzer Mensen vom SWR bis zum Spiegel. Was genau ist das Problem und welche Lösungen plant das Studierendenwerk?

94 Prozent fehlen – Geschirrschwund im Übermaß

Ein Geschirrschwund von circa drei Prozent pro Jahr seien normal, sagte Sebastian Stüber, Leiter der Hochschulgastronomie in Mainz bei der „Meet The Gastro“-Veranstaltung am 21. Januar. Darin eingefasst sei auch Geschirr, das zu Bruch ginge. Doch zuletzt habe der Schwund solche Ausmaße angenommen, dass das Studierendenwerk sich gezwungen gesehen habe, das Problem öffentlich anzusprechen. Eine große mediale Aufmerksamkeit habe das Studierendenwerk nicht erreichen wollen – es hätte nur sein Geschirr wiederhaben wollen.

Zwar würden in allen Mensen und Cafés des Studierendenwerk Mainz Geschirr verschwinden, allerdings habe besonders in der Mensa Bambus der Geschirrschwund Überhand gewonnen. Von den im Jahr 2025 angeschafften 1.590 Pommesschalen seien nur noch 100 in der Mensa, ein Verlust von fast 94 Prozent. Innerhalb von nur vier Wochen seien von 500 Kuchentellern 450 abhandengekommen, ein Schwund von 90 Prozent. Ein enormer Unterschied zu den üblichen drei Prozent in einem Jahr.

Ein Wäschekorb voll Geschirr

Die stellvertretende Leiterin der Hochschulgastronomie Petra Weitzel erzählte davon, wie vor ein paar Jahren eine Studierende nach ihrem Studienabschluss mit einem Wäschekorb voll Geschirr in eine Mensa gekommen sei und dieses dort abgeben wollte. Weitzel zeigte sich fassungslos über die „Selbstverständlichkeit“ der Frau, dieses Geschirr mitgenommen und erst Jahre später wieder zurückgebracht zu haben und dafür Dankbarkeit erwartete. Sie erzählte außerdem, dass aus dem alten Gebäude gegenüber vom Philosophicum über 500 Stück Geschirr herausgeholt wurden – Jahre nach seiner Schließung. „Das ist nicht die Realität, wie wir mit Geschirr von anderen umgehen. Bringt es einfach zurück“, sagten Stüber und Weitzel.

Zwar werde das Geschirr von Studierenden in WGs und Fachschaftsräume mitgenommen, doch es werde ebenfalls in Büros, Teeküchen und Besprechungsräumen von Mitarbeitenden der JGU gelagert. Besonders im MINT-Gebäude hinter der Zentralmensa türmt sich Geschirr auf den Spinden in den Fluren. Ein vorheriger Aufruf in Form von Schildern habe dort seitens Studierender nur die Reaktion einer „Meme-Wand“ erwirkt.

Vorschläge sind nicht alle umsetzbar – Pfandsystem und Pappteller

Bei Diskussionen auf Instagram und der „Meet The Gastro“-Veranstaltung wurden verschiedene Lösungen vorgeschlagen, die das Studierendenwerk aber in Teilen ablehnt.
So sei ein Pfandsystem für Teller und Schalen nicht möglich, da dies zu langen Warteschlangen führen würde. Auch zusätzliche Kassen und weiteres Personal wäre erforderlich, was teuer und nicht praktikabel sei. Zusätzliche Mitarbeitende, die auf dem Campus herumgehen und das Geschirr einsammeln, würde ebenfalls nur unnötige Kosten verursachen.
Auch der Vorschlag, Papierteller und -tüten wieder einzuführen oder kostenlos zu machen, lehnt das Studierendenwerk ab. Dies widerspreche der Nachhaltigkeitsstrategie, wobei das Studierendenwerk „im wahrsten Sinne des Wortes Müll einkaufen“ würde. Bei der Veranstaltung erklärte Stüber überspitzt, dass im letzten Jahr damit insgesamt über 40.000 Euro innerhalb von zwanzig Sekunden weggeworfen worden seien: Viele Kund:innen hätten sich eine Tüte genommen, sie aber direkt nach dem Kauf weggeworfen oder sich direkt mit der Tüte in die Mensa gesetzt und sie wie einen Teller genutzt. Das habe das Studierendenwerk nicht eingesehen und sei auf Teller und Mehrweg-Geschirr umgestiegen.

Welche konkreten Lösungen werden ausprobiert?

„Wir setzen auf Vertrauen und Eigenverantwortung. Wer es schafft, einen Teller mitzunehmen, schafft es auch, ihn zurückzubringen“, erklärte Stüber in einer Pressemitteilung des Studierendenwerks. Dieses zeige sich immer offen für Lösungsvorschläge. Es bat um Ideen auf Instagram und bei der „Meet The Gastro“-Sitzung. Dabei kam es gemeinsam mit den Teilnehmenden zu dem Entschluss, stärker auf bereits existierende Angebote zu setzen und neue Maßnahmen zu testen: Mehrwegdosen vom Studierendenwerk und von Zuhause mitgebracht Dosen sollen stärker gefördert werden. So können ab sofort auch die Mehrwegdosen des Studierendenwerks an den Selbstbezahl-Kassen gekauft werden statt wie früher nur an den Kassen mit Mitarbeitenden.

Auch auf die Rückgabestellen nach der Schließung von Mensen und Cafés wurde aufmerksam gemacht und neue wurden eingeführt: Im ReWi-Gebäude kann bis zur Schließung um 22 Uhr schon seit dem Umbau der ReWi-Mensa Geschirr zurückgegeben werden. In der Mensa Bambus wird nun getestet, wie der Geschirrwagen vor der Mensa angenommen wird. Auch bei dem „Café ins Grüne“ im Philosophicum wurde eine Ablage eingerichtet, auf der das Geschirr gelagert werden kann. Für die Zentralmensa habe das Studierendenwerk allerdings noch keine Lösung gefunden und suche gemeinsam mit seinen Kund:innen nach Ideen.
Auch verdeutlicht das Studierendenwerk, dass das Geschirr überall zurückgegeben werden kann: Das grüne Geschirr aus der Mensa Bambus kann so bspw. auch bei der ReWi-Mensa zurückgegeben werden, wo es normalerweise nur blaues Geschirr gibt.

Höhere Preise verhindern durch Kooperation

Außerdem werde eine Geschirr-Zurück-Aktion jedes Semester eingerichtet, bei der sich das Studierendenwerk erhofft, das gesammelte Geschirr aus Büros und Fachschaftsräumen zurückzubekommen. Um außerdem finanziell schwächere Studierende zu unterstützen, werde das Studierendenwerk insbesondere zu Beginn jedes Semesters Taschen mit der nötigen Geschirrausstattung günstig für circa 10 bis 15 Euro anbieten.

Für das Studierendenwerk gebe es nur wenige Stellschrauben, um die Preise so weit unten zu halten wie möglich. Hier liege besonders das Geschirr im Fokus, weil das Abhandenkommen unnötige Kosten verursache, das wieder an der Studierendenschaft hängen bleiben würde. Genau das versuche das Studierendenwerk zu verhindern und erhofft sich, dass das Geschirr durch den Aufruf seinen Weg zurück in die Mensen findet.
Bereits jetzt habe es eine Wirkung festgestellt: Die Lösungsvorschläge wurden positiv aufgenommen und auch altes Geschirr aus verschiedenen Orten werde zum Teil zurückgebracht. „Wenn alle mithelfen, können wir Ressourcen, Kosten und die Umwelt schonen – ganz ohne neue Systeme oder Preiserhöhungen“, macht Alexandra Diestel-Feddersen, Geschäftsführerin des Studierendenwerks Mainz, deutlich.

Studierendenschaft soll sich für günstige Preise einsetzen

Das Studierendenwerk bekomme die Vorgaben vom Land Rheinland-Pfalz und müsse diese einhalten. Am Preis des Mensaessens sei daher nicht viel zu machen, besonders weil das Land seit Jahren die finanzielle Unterstützung der Studierendenwerke nicht an die Inflation anpasse. Momentan seien dies 1,8 Millionen Euro pro Jahr. Stüber machte klar, dass er sich für die Kund:innen der Hochschulgastronomie mehr von den Studierenden selbst wünscht. „Ihr als Studierende solltet an die Sache ran“, sagte er. Wenn die Preise als zu hoch wahrgenommen würden, sollen sich die Studierenden zusammentun und eine Petition an das Land und Ministerien schreiben: „Die schiere Studierendenzahl wird einfach nicht genutzt.“