Sprachen werden erst durch ihr Sprechen lebendig. Das Sprachcafé schafft genau dafür einen Ort mitten auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität. Jeden Mittwochabend von 18 bis 20 Uhr findet im ReWi 1 das Sprachcafé statt. Organisiert wird es von den Mitarbeiterinnen des Freizeit- und Veranstaltungsteams des Studierendenwerk Mainz: Das sind Eva Boes, Leiterin der Abteilung Freizeit und Veranstaltungen, die Werkstudierenden Cata und Jana sowie Léonie aus dem Dijon-Programm.
Egal ob Studierende oder Nicht-Studierende aus Mainz, der Region oder dem Ausland kommen, ob jung oder alt: Beim Sprachcafé sind viele Gruppen vertreten. Sie wollen das Sprechen ihrer Lieblingssprachen besser erlernen – oder anderen dabei helfen – und währenddessen anderen Menschen und unterschiedlichen Kulturen begegnen.
Am Abend des 05. Novembers sind neben vielen deutschen und internationalen Studierenden auch Nicht-Studierende dabei gewesen, wie beispielsweise Eltern aus Ingelheim, die ihre Tochter zum Sprachcafé begleitet haben. Sie hat Japanisch lernen wollen und es hat den Anschein gemacht, dass sie nach dem Abend sehr zufrieden nach Hause gegangen ist.
Jede:r kann das Sprachcafé kostenlos und ohne Voranmeldung besuchen. Einen Sprachkurs ersetzt es allerdings nicht. Daher ist ein gewisses Sprachniveau (A2-B1) Voraussetzung für das Mitmachen.
Da es keine Voranmeldung braucht, ist das Teilnehmen ganz einfach. Neue Teilnehmende werden an einem Tisch in der Nähe des Eingangs in Empfang genommen. Dort schreiben sie sich ein aufklebbares Namensschild.
Dann kann es auch schon losgehen: Im gesamten Erdgeschoss des ReWi sind Tische von den Teilnehmenden belegt. Die Karte am Empfangsbereich zeigt auf, wo die jeweiligen Sprachtische für den Abend aufgebaut sind. Die (neuen) Teilnehmenden suchen sich aus, welche Sprache sie sprechen möchten und setzen sich an den entsprechenden Tisch. Dabei sind sie aber nicht gezwungen zu bleiben. Jede:r kann sich jederzeit für den Abend verabschieden oder mehrfach die Sprache wechseln.
Besonders die bequemen Stühle im hinteren Teil der ReWi-Mensa sind beliebt und meistens voll besetzt. Am 05. November waren diese von den Sprachen Chinesisch, Englisch, Griechisch, Japanisch, Koreanisch, Latein, Russisch und Ukrainisch belegt.
Das Sprachcafé wird von ehrenamtlichen Moderator:innen begleitet. Weil sie nicht immer mittwochabends Zeit finden, einen Sprachtisch zu begleiten, können nicht jede Woche die gleichen Sprachen angeboten werden.
Jana erklärte jedoch, dass die „Stammtische“ der Sprachen Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch, Russisch und Spanisch immer vertreten seien.
Am 05. November wurden beispielsweise zusätzlich Arabisch, Latein, Persisch und Ukrainisch angeboten. Ein Teilnehmer fragte beim Empfangsbereich nach dem Ukrainisch-Tisch und freute sich sehr: „Letzte Woche gab es ihn leider nicht.“ Um darüber informiert zu werden, welche Sprachen am Abend angeboten werden, gibt es WhatsApp-Gruppen und einen E-Mail-Newsletter.
Das Studierendenwerk-Team zeigt sich außerdem offen für weitere Sprachen. Das erfordert allerdings Moderator:innen, die eine neue Sprache regelmäßig begleiten.
Vor allem für internationale Studierende bietet das Sprachcafé eine gute Möglichkeit, sich in ihrer Muttersprache zu verständigen. Cata, die aus Kolumbien kommt, ist froh, sich mit anderen Personen in ihrer Muttersprache unterhalten zu können. Am Spanisch-Tisch fühle sie sich wie zuhause. Sie liebe es, Teilnehmenden aus nicht-spanischsprechenden Ländern etwas über ihre Sprache beizubringen. „So kann ich auch einen Teil meiner Kultur weitergeben, was sehr erfüllend ist.“
Angelina, die aus Russland kommt und Moderatorin des Russisch-Tischs ist, beschreibt das Sprachcafé als ihren ersten „Safe Space“ in Deutschland. Hier konnte sie sich das erste Mal mit anderen internationalen Studierenden, anderen Kulturen und Sprachen verbunden fühlen. Diese Verbundenheit bedeute viel für sie: „Ich bin hier nicht allein“. Dadurch fühlte sie sich in dem Prozess, sich an ein neues Land anzupassen, oder ihrer Intention, ihr Bildungslevel und Wissen zu verbessern, nicht allein. Auch sei sie nicht allein gewesen in ihrem Eifer, andere Menschen und ihre Erfahrungen zu verstehen. „All diese Gefühle wurden durch das Sprachcafé bereitgestellt – Selbstbewusstsein, Entschlossenheit, Mut und ein simpler Sinn von menschlicher Verbundenheit.“
Neben einem Stück Heimatgefühl und dem Gefühl der Verbundenheit sind gerade die Deutsch-Tische aus einem anderen Grund hilfreich. Oft haben Personen mit ausländischer Herkunft Schwierigkeiten, das Deutschsprechen schnell und unkompliziert zu lernen. Das Sprachcafé bietet dafür Deutsch-Tische auf verschiedenen Sprachniveaus an, um sie dabei zu unterstützen. Am 05. November gab es insgesamt drei Tische, an denen Studierende aus aller Welt zusammensaßen: Deutschland, Frankreich, Indien, Iran, Marokko, Russland, aus Teilen Südamerikas und Syrien.
Statt ursprünglich 10 Teilnehmenden habe das Sprachcafé mittlerweile bis zu 200 pro Mittwochabend. Aufgrund dieser hohen Teilnehmendenzahl hat sich das Studierendenwerk gezwungen gesehen, sein Angebot von den Mensa-Tischen auf die Tische in dem gesamten ReWi-Erdgeschossbereich auszuweiten. Das führte am 05. November zu Kritik von den Teilnehmenden am Spanischtisch: „Wir würden gerne wieder in den gemütlichen Bereich [der ReWi Mensa] zurück.“ Das Team des Studierendenwerks weiß von dem Problem und suche nach einer Lösung.
Wenn das Sprachcafé außerdem stark besucht ist, haben Teilnehmende davon berichtet, dass sie Schwierigkeiten hätten, sich gegenseitig zu verstehen.
In erster Linie, um mit anderen auf verschiedenen (Fremd-)Sprachen zu kommunizieren. Jan, der im ersten Semester ist und am 05. November das erste Mal beim Sprachcafé war, erzählte beim Spanischtisch, dass er dieses Semester keine Zeit für einen Sprachkurs gehabt hätte: „Also ist das hier eine ganz cozy Möglichkeit mit Leuten ins Gespräch zu kommen, Sprachfertigkeiten zu trainieren und dranzubleiben einfach.“
Egal, welches Sprachniveau jemand habe und Fehler mache, keiner werde an den Sprachtischen verurteilt. Stattdessen seien die Teilnehmenden hilfsbereit und offen. Generell hätten die Menschen beim Sprachcafé eine sehr globale Einstellung, meinte Cata.
Die Möglichkeit, ungezwungen mit Menschen mit verschiedenem Hintergrund in Kontakt zu kommen und auch Freunde zu finden, sei ein großer Vorteil, erzählten viele Teilnehmende. Cata bestätigt das: „Alle anderen Länder sind um einen herum und das macht diese ganze Community so groß und so besonders.“