Cybersicherheit an der JGU: Wie gut sind Studierende geschützt?

08.07.2026
Campus-News, Studium
Tobias Bührer

Cyberangriffe auf öffentliche Institutionen wie die Hochschule Mainz sind längst keine Seltenheit mehr und haben drastische Folgen für Studierende und den Uni-Alltag. Doch wie genau ist die JGU auf einen solchen Ernstfall vorbereitet?

Cyberangriff auf die Hochschule Mainz

Der Cyberangriff auf die Hochschule Mainz Ende November 2025 legte zeitweise große Teile des Hochschulbetriebs lahm. Aus Sicherheitsgründen wurden verschiedene IT-Systeme heruntergefahren und abgeschaltet. Dadurch konnten unter anderem die Hochschul-E-Mail, OLAT, das Campus-Management-System oder das WLAN-Netzwerk eduroam vorübergehend nicht genutzt werden.

Auch wenn der normale Lehrbetrieb weiterlief, konnten Studierende über mehrere Wochen nur eingeschränkt auf ihre Lernmaterialien zugreifen. Nach Erkenntnissen der Hochschule verschafften sich die Angreifer über das zentrale Active Directory Zugang zur IT-Infrastruktur und installierten unter anderem einen Keylogger, mit dem Passwörter abgegriffen werden konnten.

Wie ist die JGU digital abgesichert?

Ein solcher Vorfall wirft auch die Frage auf, wie gut die Johannes Gutenberg-Universität Mainz auf derartige Cyberangriffe vorbereitet ist. Nach Angaben der Uni-Pressestelle habe es bisher „Erfolgreiche Angriffe auf zentrale Systeme der IT-Infrastruktur der JGU (…) nicht gegeben.“

Die größte Bedrohung seien nach wie vor Phishing-Angriffe auf einzelne Nutzerkonten. Bei Phishing versuchen Kriminelle zum Beispiel über gefälschte E-Mails oder Webseiten an sensible Daten wie Passwörter oder Bankdaten zu gelangen. Diese hätten sich bislang auf einzelne Accounts beschränkt und keine Auswirkungen auf die übrige IT-Infrastruktur gehabt.

Um das Risiko weiter zu senken, setzt die Universität auf die Einführung sogenannter Passkeys. Passkeys ersetzen dabei klassische Passwörter durch kryptografische Schlüssel. Die Anmeldung erfolgt dann beispielsweise über Face ID, den Fingerabdruck oder die Geräte-PIN. Dadurch gelten sie als deutlich widerstandsfähiger gegen Phishing-Angriffe.

Warum KI zum Problem wird

Neben klassischen Phishing-Versuchen beobachtet die Universität vor allem eine neue Entwicklung: den Einsatz Künstlicher Intelligenz durch Cyberkriminelle.

Wie die JGU erklärt, mache „die Erzeugung von Phishing-Mails mit Unterstützung von KI diese Angriffe noch gefährlicher”, da personalisierte Nachrichten inzwischen automatisiert in immer größerer Zahl erstellt werden könnten. Durch KI-generierte Inhalte wirken Phishing-Mails deutlich überzeugender und sind für Studierende oft schwerer als Fälschungen zu erkennen.

Gerade deshalb sieht die Universität in der Einführung von Passkeys einen wichtigen Schritt zum Schutz der Accounts und der darin gespeicherten Daten.

Wie ist die JGU auf den Ernstfall vorbereitet?

Auch für den Fall eines potenziell-erfolgreichen Cyberangriffs sieht sich die JGU vorbereitet. Nach Angaben der Universität gibt es ein „klar definiertes Team zum IT-Krisenmanagement“, das im Ernstfall die Koordinierung aller notwendigen Maßnahmen übernimmt. Dieses verfüge zudem über Kommunikationskanäle außerhalb der regulären IT-Infrastruktur, sodass Studierende und Mitarbeitende auch dann informiert werden können, wenn die universitätsinternen Systeme ausfallen sollten.

Die Erfahrungen von anderen Hochschulen hätten gezeigt, dass besonders eine funktionierende Kommunikation entscheidend sei, um Betroffene regelmäßig über den aktuellen Stand und die notwendigen Maßnahmen zu informieren.

Was können Studierende selbst machen?

Neben den technischen Schutzmaßnahmen der Universität spielt auch das Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer eine entscheidende Rolle. Da besonders Phishing-Angriffe zu den größten Bedrohungen zählen, sollten Studierende E-Mails mit unerwarteten Anhängen oder Links kritisch hinterfragen und ihre Zugangsdaten niemals über verdächtige Webseiten eingeben.

Unterstützung bietet das Zentrum für Datenverarbeitung (ZDV), das regelmäßig über aktuelle Gefahren und Phishing-Angriffe informiert. Darüber hinaus bietet die Arbeitsgruppe DATA CON des Instituts für Informatik fortlaufend aktualisierte Schulungen zu Datenschutz und IT-Sicherheit an.

Der Cyberangriff auf die Hochschule Mainz hat gezeigt, wie schnell digitale Infrastruktur zum entscheidenden Faktor für den Uni-Alltag werden kann. Deshalb werden technische Schutzmaßnahmen immer wichtiger. Mit Maßnahmen, wie der Einführung von Passkeys soll aber auch das Bewusstsein für digitale Sicherheit gestärkt und das Risiko von erfolgreichen Cyberangriffen weiter reduziert werden.