Brandbrief an die Politik: Schulen und Hochschulen schlagen Alarm

05.06.2026
Campus-News, Studium
Tobias Bührer

Während die CDU und SPD in Mainz über die neue Landesregierung verhandeln, wächst der Druck auf die Politik. Sowohl die LandesAStenKonferenz (LAK) als auch die Landesschüler:innenvertretung (LSV RLP) fordern einen baldigen Kurswechsel an Schulen und Hochschulen.

Marode Campus-Infrastruktur und steigende Kosten

Die Liste der Mängel sei lang: Steigende Preise in den Mensen, explodierende Wohnkosten und Hochschulgebäude, die laut LAK teilweise in einem maroden Zustand sind. Kaputte Gebäude, schlechte Lernbedingungen und instabiles WLAN seien im heutigen 21. Jahrhundert nicht mehr tragbar. Die Studierendenvertreter fordern daher, die Sanierung der Campus-Standorte endlich massiv anzupacken.

Die zentralen Forderungen an die neue Landesregierung

Um den Wissenschaftsstandort Rheinland-Pfalz zu retten, hat die LAK ein Paket an Kernforderungen aufgestellt und einen Brief mit diesen Forderungen an die Politik geschickt. Wenn du die Forderungen der LAK ausführlich lesen möchtest, findest du alle Informationen hier auf deren Website.

Ganz oben auf der Agenda steht die finanzielle Absicherung der Studierendenwerke durch höhere Zuschüsse für Mensen, Wohnheime und Kitas, um die steigenden Personal- und Investitionskosten aufzufangen. 

Zudem fordern die Studierendenvertreter eine spürbare finanzielle Entlastung durch eine Bundesrats-Initiative für ein elternunabhängiges, modernes BAföG, das deutlich schneller ausgezahlt werden soll.

Auch beim Thema Mobilität sieht die LAK einen dringenden Handlungsbedarf und fordert die Weiterentwicklung des aktuellen Deutschlandtickets (regulär 63 € / Monat) zu einem subventionierten 365-Euro-Bildungsticket, von dem neben Studierenden auch Auszubildende und Freiwilligendienstleistende profitieren. 

Abgerundet werden die Forderungen durch den Ausbau von Photovoltaikanlagen auf allen geeigneten Hochschuldächern zur Einhaltung der Klimaziele bis 2030. Dazu soll die Mitbestimmung gestärkt werden, am besten über einen regelmäßigen, direkten Austausch aller Gruppen mit der Leitung des Wissenschaftsministeriums.

Die Budget-Frage: Wo das Geld wirklich liegt

Dem Standard-Argument der Politik, es sei kein Geld für diese Maßnahmen vorhanden, widerspricht die LAK vehement. Angesichts eines aktuellen Hochschuletats von 1,23 Milliarden Euro und milliardenschwerer Sondervermögen dürfe die Bildung nicht länger kaputtgespart werden. Hierbei gehe es um die Zukunft des gesamten Landes. Ohne eine sofortige Kehrtwende drohe eine existenzielle Gefährdung der sozialen Infrastruktur und eine nachhaltige Schwächung des Standorts Rheinland-Pfalz.

Die LAK erwartet von der neuen Landesregierung nun ein mutiges Anpacken, damit die Probleme in der Wissenschaftslandschaft nicht länger ignoriert werden und der Campus für alle bezahlbar bleibt.

Rückendeckung aus den Schulen: „Wer Bildung kürzt, kürzt die Zukunft“

Unterstützung erhalten die Studierenden dabei aus den Schulen des Bundeslandes. Die Landesschüler:innenvertretung Rheinland-Pfalz (LSV RLP) stellte auf ihrer jüngsten 86. Landesschüler:innenkonferenz unter dem Motto „Wer Bildung kürzt, kürzt die Zukunft“ ähnliche Forderungen. 

Die 67 Delegierten forderten nachdrücklich deutlich mehr Investitionen in Gebäude, zeitgemäße Ausstattung und neue Lehrkräfte. Ein zentraler Schwerpunkt der Konferenz lag auch auf der mentalen Gesundheit von Jugendlichen. Deshalb setzte sich die LSV unter anderem gegen unangekündigte Hausaufgabenüberprüfungen sowie gegen allgemeine Social-Media-Verbote für Jugendliche ein und forderte stattdessen den Ausbau einer nachhaltigen Bildung. 

Genau wie an den Universitäten wird auch an den Schulen der Ruf nach politischer Teilhabe laut. „Wir möchten, dass junge Menschen im bildungspolitischen Kontext stärker gehört und in politische Entscheidungen einbezogen werden“, betont LSV-Pressereferentin Isabelle Seltenreich.

Bildung und Wissenschaft: Neue Zuständigkeiten in Rheinland-Pfalz

Angesichts der Koalitionsverhandlungen in Mainz haben die Schulen und Hochschulen damit ein gemeinsames Signal an die neue Landesregierung gesendet. Am Dienstag, dem 12. Mai 2026, wurden die neuen Minister des Landes Rheinland-Pfalz vorgestellt. Darunter auch überraschend die neue Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig aus der bayerischen CSU. Im Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit übernimmt Clemens Hoch die Verantwortung für Hochschulen, Forschung und Gesundheitsversorgung.

Ob der lautstarke Protest tatsächlich Gehör findet, werden erst die kommenden Monate und die ersten Haushaltsdebatten im Landtag zeigen.