Der erste Fun Fact bezieht sich streng genommen nicht auf die JGU, sondern auf ihren Vorgänger, die alte Mainzer Universität. Diese wurde nämlich bereits 1477 vom damaligen Erzbischof gegründet, nur neun Jahre nach dem Tod des Namensgebers der Nachfolgeuniversität – Johannes Gutenberg – und stolze 15 Jahre, bevor Christoph Columbus Amerika entdeckte. Als die JGU 1946 durch französische Besatzungsmächte eröffnet wurde, war explizit von einer Wiedereröffnung die Rede; unsere Wurzeln bis ins Spätmittelalter bestehen also bis heute.
Ende des Krieges bedeutet Anfang des Wiederaufbaus: Nach der Wiedereröffnung 1946 lag das Campusgelände vielerorts in Trümmern. Neben einigen deutschen Kriegsgefangenen, die für ihre Arbeit mit Freiheit bezahlt wurden, lag es allerdings auch an den ersten Studierenden, Spaten und Schubkarre in die Hand zu nehmen und beim Wiederaufbau der Gebäude anzupacken. Wer nicht helfen wollte, musste mit einer Aberkennung seiner Studienleistung rechnen.
Doch nicht nur an Arbeitskräften mangelte es in früher Universitätsgeschichte; auch das Geld war knapp. Als Bezahlung kam es daher des Öfteren vor, dass die französischen Besatzer Kognak zur Verfügung stellten, damit Baumaterialien gekauft werden konnten. Auch, als es darum ging, eine Amtskette für den damaligen Rektor zu beschaffen, war Kreativität gefragt. Letztendlich wurde das Silber für die Kette mit 24 Flaschen Wein bezahlt.
Zugegeben, „Digitalisierung“ mag in den 50er-Jahren noch etwas hochgegriffen sein. Doch schon damals bemühte sich die Universität eifrig, auf dem technologisch neusten Stand zu bleiben und mit dem Zahn der Zeit zu gehen; unter anderem besaß die Universität nämlich sogenannte „Dimafone“. Mit diesen Diktiergeräten konnten beispielsweise Reden aufgenommen werden. Solche Aufzeichnungen – zum Beispiel von der Fünfjahresfeier 1951 – finden sich noch heute auf der Universitätswebsite und geben spannende Einblicke in eine andere Zeit.
Wir machen einen Zeitsprung in das Jahr 1969. Die vom AStA in Auftrag gegebene Studentenzeitschrift „nobis“ (Eigenbezeichnung als „Älteste Studentenzeitschrift Deutschlands“) veranstaltete am Anfang des Jahres einen feierlichen Presseball, der jedoch schon bald Schauplatz des wohl obszönsten Skandals der Universitätsgeschichte werden sollte. Berichten zufolge soll sich eine junge Frau inmitten der ungeschützten Öffentlichkeit plötzlich entblößt und mit einem ebenfalls unbekleideten Mann hemmungslos Geschlechtsverkehr initiiert haben. Reaktionen waren nicht nur allgemeine Verblüffung, sondern auch Ermittlungen durch die Kriminalpolizei. Nicht einmal drei Monate später stellte die „nobis“ ihre Arbeit ein, nachdem der AStA den Vertrag gekündigt hatte; neben „anstößlicher Gestaltung“ wurde jedoch auch auf finanzielle Gründe verwiesen.
Zum Schluss nochmal ein wahrer Anlass für Anerkennung der Mainzer Forschung: Wer bei Weltraum und Marsmissionen nur an US-Forschung denkt, liegt nämlich falsch. Als die NASA 2003 die beiden Rover „Spirit“ und „Opportunity“ auf den Mars schickte, waren mit einem Mössbauer- und einem Alpha-Röntgen-Spektrometer auch Bauteile auf dem unserem Nachbarplaneten, die am Mainzer Institut für Anorganische und Analytische Chemie sowie am Max-Planck-Institut entwickelt worden waren. Obwohl die Rover nur für einige Monate auf dem Mars ausgelegt waren, blieb Spirit noch bis 2018, also über 14 Jahre funktionstüchtig.
Hier findet ihr die Quellen zum Artikel und weitere Informationen zu den einzelnen Fun Facts:
https://www.ub.uni-mainz.de/de/wunder-von-mainz/story
https://www.ub.uni-mainz.de/de/magazin/aktenzeichen-jgu-ungeloest
https://presse.uni-mainz.de/mainzer-technik-auf-dem-mars-5-jahrestag-der-rover-landung/
https://science.nasa.gov/mission/mars-exploration-rovers-spirit-and-opportunity/