AHS kündigt Parkour-Kurs: Was steckt dahinter?

30.04.2026
Campus-News, Freizeit
Lili Rudert

Der Allgemeine Hochschulsport (AHS) hat den Parkour-Kurs für das Sommersemester 2026 gekündigt. Bei den Parkour-Läufer:innen und der Kursleitung stößt das auf Unverständnis. Wir haben den AHS gefragt, warum die Entscheidung getroffen wurde.

Die Nachricht sei für Parkour-Trainer Jakob Brenn und die Parkour-Läufer:innen im März plötzlich gekommen: Ihr Kurs wurde für das Sommersemester 2026 gekündigt. Trotz Bemühungen, den Kurs weiterzuführen, ist die Entscheidung endgültig. Der Vorsitzende des Allgemeinen Hochschulsports (AHS) Patrick Hegen erläuterte uns, wie es dazu kam.

Teilnehmende stellen sich der Kündigung entgegen

Nach der Mitteilung über die Kündigung setzten sich Teilnehmende für den Erhalt des AHS-Kurses ein. Zuerst wurde der Kontakt mit dem AHS aufgenommen, doch die Studierenden entschieden sich nach ergebnislosen Verhandlungen, den Fall zu veröffentlichen und riefen eine Petition für den Erhalt des Kurses ins Leben.

Gründe für die Kündigung

Der Landesrechnungshof prüft die Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes, er kontrolliert also, wie Steuergelder vom Land ausgegeben werden. 

Da die AHS-Sportkurse unter anderem durch Steuergelder finanziert werden, gelten die Vorgaben auch für den Parkour-Kurs. Der Landesrechnungshof erachtete den Kurs nach seinen Vorgaben als unwirtschaftlich, so Hegen. Denn die festgelegte Zahl von durchschnittlich zehn Personen im Kurs sei bei Stichproben im Wintersemester 2025/26 regelmäßig unterschritten worden: „Da zählten wir zu Beginn des Kurses drei Leute und gegen Mitte des Semesters sechs. Da waren wir deutlich unter diesen vom Landesrechnungshof geforderten Personen.“ Der Kurs konnte folglich nicht für das nächste Semester verlängert werden.

Jakob Brenn geht allerdings davon aus, dass die Stichproben zu den falschen Zeitpunkten durchgeführt wurden. Beispielsweise, wenn viele Teilnehmende krank oder in der Klausurenphase gewesen seien.

Hegen allerdings zweifelt daran: Hallenwarte hätten nämlich immer wieder ein ähnlich leeres Bild in der Halle wahrgenommen. Als Vergleich nannte er einige Kurse, die durchgängig viel stärker besucht seien: „Bei Calisthenics sind 60 bis 100 Personen im Semester im Kurs und der läuft ja parallel zu Parkour in der Halle unten. Die Intention des Landesrechnungshofs ist nachvollziehbar, dass er Steuergelder für gut ausgelastete Kurse bereitstellt. Und wenn das eben nicht der Fall ist, dann muss man nachsteuern.“

Fehlende Kommunikation

Ein weiterer Grund zeigte sich in der fehlenden Kommunikation seitens der Kursleitung über die Zweiteilung des Parkour-Kurses: Als Jakob Brenn den Kurs vor zwei Semestern übernommen hatte, teilte er ihn in einen Hallenkurs und einen Kurs im Freien. Dies habe er dem AHS aber nicht mitgeteilt, räumte er selbst ein, denn im Honorarvertrag stehe nicht fest, dass der Kurs an einen Ort gebunden sei. Das falsche Bild einer geringen Teilnehmendenzahl könnte also auch deshalb entstanden sein.

Hegen bestätigte, dass er von der Zweiteilung des Kurses erst im E-Mail-Verlauf vergangenen März erfahren habe. Grundsätzlich müssen Kurse auch an dem Ort stattfinden, der im Kursprogramm auf der Webseite eingetragen sei, auch aus Versicherungsgründen, sagte er.

Gemeinschaft und mehr Selbstbewusstsein durch Parkour-Training

Beim letzten Kurstermin, der am 13. April stattfand, haben wir uns unter den Teilnehmenden umgehört. Stella, die vor drei Jahren über den Uni-Kurs in Parkour eingestiegen ist, habe in dieser Zeit ihr Selbstbewusstsein enorm stärken können und beschrieb ihre Zuversicht, Ängste und Herausforderungen im Alltag endlich meistern zu können: „Ohne den Parkour-Kurs wäre ich nicht, wer ich heute bin.“ So wie Stella geht es vielen anderen Teilnehmenden, die am letzten Termin vorbeigeschaut haben. Viele von ihnen hätten hier auch Freunde gefunden.

Vom Calisthenics-Kurs nebenan seien immer wieder Interessenten zum Parkour-Kurs übergelaufen, sagte Jakob Brenn. So wie Benji, der vor einem Jahr zum Parkour gestoßen ist und beim Uni-Kurs seine ersten Saltos gelernt habe. Es kamen auch Neulinge, die sich für Parkour interessierten und zeigten sich enttäuscht, dass der Kurs für das Sommersemester abgesagt wurde. 

Unverständnis über die Kündigung bei den Teilnehmenden

Viele Teilnehmende zeigten kaum Verständnis für die Entscheidung und Begründungen des AHS. Besonders für die Parkour-Szene in Mainz und Umgebung werde es wohl schwieriger werden, weil keiner mehr den Start durch den Uni-Kurs finden könne. 

Eine hohe Anzahl an Teilnehmenden sei vielleicht auch nicht das Ziel des Kurses, meint Teilnehmer Moritz. Da die Halle nur begrenzten Platz biete, würde es bei dem dynamischen Training schnell zu voll werden. Besonders für Anfänger:innen sei die Halle aber ein besserer Ort als draußen, um die Grundlagen von Parkour zu lernen.

Wie geht es mit dem Parkour-Kurs weiter?

Im Sommersemester wird der Kurs also nicht wieder ins Programm aufgenommen. Allerdings stehe der AHS einer Wiederaufnahme eines Parkour-Kurses im Wintersemester 2026/27 nicht grundsätzlich entgegen, so Hegen. “Der AHS ist ja daran interessiert, dass unser Kursprogramm möglichst vielfältig ist. Nur müssen wir immer auch die geltenden Regelungen für den universitären Sportbetrieb einhalten.”

Weil das AHS-Kursprogramm variabel und dynamisch sei, könne aus der Vergangenheit heraus nicht immer der Anspruch gelten, dieses Kursprogramm dauerhaft fortsetzen zu können. Nun komme erst das Sommersemester, in dem die Sportart Parkour auch unabhängig vom AHS-Kursprogramm draußen betrieben werden könne. Die Hallenzeiten würden wieder interessant werden, wenn es im Freien wieder kälter und dunkler werde.
Die Parkour-Leitung stünde laut eigenen Aussagen mit dem AHS für einen Gesprächstermin über die Wiederaufnahme des Kurses in das Programm im Austausch. Auch der AStA werde in einem persönlichen Gespräch mit dem AHS als Mediator eintreten. 

Für Jakob Brenn und die anderen Teilnehmer:innen geht das Training im Sommersemester also erstmal im Freien und ohne die Beteiligung des AHS weiter. Die Gruppe hat dafür einen Instagram-Account.