In Deutschland verlangen aktuell nur wenige Bundesländer eine Zweitstudiengebühr. In Rheinland-Pfalz (RLP) belaufen sich die Kosten derzeit auf 700 Euro pro Semester und Studiengang. Die Gebühr in RLP wurde durch den Landtag im Juni 2025 aufgehoben und tritt ab dem Wintersemester 2025/26 in Kraft.
Laut einer Stellungnahme der Johannes Gutenberg-Universität habe die Universität im Sommersemester 2025 von 480 Studierenden Studiengebühren in Höhe von 700 Euro erhoben. Somit habe sich die Gebühreneinnahme insgesamt auf 336.000 Euro pro Semester belaufen.
Ein Zweitstudium beginnt, wenn du nach deinem ersten Hochschulabschluss ein weiteres Studium auf demselben Abschlussniveau aufnimmst. Das bedeutet: Ein Masterstudium, das auf einem Bachelor aufbaut, zählt nicht als Zweitstudium, sondern als reguläres Aufbaustudium. Wenn du jedoch nach einem Bachelorabschluss erneut ein grundständiges Studium, also einen zweiten Bachelor, beginnst, gilt dies als Zweitstudium. Ebenso ist ein zweiter Masterabschluss nach einem abgeschlossenen Master gebührenpflichtig.
Die Studiengebühr an der JGU beträgt 700 Euro und ist zusätzlich zum regulären Semesterbeitrag zu zahlen. Damit belaufen sich die Gesamtkosten für ein Zweitstudium zum aktuellen Zeitpunkt (SoSe 25) auf über 1.000 Euro pro Semester.
Mit der Verabschiedung des Fünften Landesgesetzes zur Änderung hochschulrechtlicher Vorschriften setzt die Landesregierung RLP die Abschaffung der Zweitstudiengebühren um, die zum Wintersemester 2025/26 wirksam wird. Minister Clemens Hoch betont, dass dies ein klares Signal für mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit sei und niemand mehr aus finanziellen Gründen daran gehindert werden solle, sich neu zu orientieren oder ein weiteres Studium aufzunehmen. Die dadurch entfallenden Einnahmen der Hochschulen werden vom Land kompensiert.
Auch die JGU habe sich in einer Stellungnahme zu den Änderungen des Hochschulgesetzes für die Abschaffung der Zweitstudiengebühr ausgesprochen. Laut der Universität werde die Anzahl der Studierenden, die sich in einen weiteren Studiengang einschreiben, steigen. Als mögliche Gründe nennt die Universität die fachliche Ergänzung oder Vertiefung des ersten Abschlusses, eine berufliche Neuorientierung sowie den erneuten Erwerb des Studierendenstatus mit den damit verbundenen Rechten und Pflichten.
Wie groß das Potenzial tatsächlich ist, zeigt auch unsere Umfrage auf Instagram: Nur vier Prozent der Teilnehmenden gaben an, sich bei einer Gebühr von 700 Euro für ein Zweitstudium interessieren zu würden. Ohne die finanzielle Hürde wären es hingegen 58 Prozent.