Zwiebel-Nett auf der Ostsee

26.05.2014
Essen, Mensablog
daniel

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Bonusbild zum Runterkommen!

Aber zuviel runterkommen ist jetzt auch doof und deshalb endet dieser Blog mit diesem schönen Bild der saphirblauen Ostsee...

Mensablog (26.05.2014): Geschichten aus'm Paulaner Garten... ne, ganz sicher nicht! Ich war nämlich mit einem alten Segelschiff auf der Ostsee unterwegs und habe nebenbei das Klima gerettet, ja... ganz allein!

Aye Aye. Als Norddeutscher ist die See Teil von mir und ich bin Teil der See. Wie schon in den letzten Semesterferien habe ich mich an, über und wieder zurück gewagt über die große raue See vor den Toren von Norddeutschland. Mit der Zuversicht und dem Drang, den Wellen ein für alle Mal ein Schnippchen zu schlagen, stachen wir am 22. April übermütig mit starkem Ostwind in See. Landratten gab es viele an Bord, doch das Ziel war klar: Eine Woche Klimaschutz extrem!!1!

[1] Wir waren 12 Besatzungsmitglieder, 3 Crewmitglieder und 1 Skipper. Gemeinsam hatten wir uns geschworen, unseren ökologischen Fußabdruck während des siebentägigen Törns so weit wie möglich zu verkleinern. Schon beim Einkauf unserer Lebensmittel achtete die Backschaft darauf Bio-Lebensmittel zu kaufen sowie präferiert saisonale und regionale Produkte auszuwählen. Das dies bei den meisten Lebensmitteln im Supermarkt schwierig ist, führte leider dazu, dass wir uns nicht zu hundert Prozent an unsere Vorgaben halten konnten. Auf die salzige Kaergarden Butter konnten wir selbst in Anbetracht der salzigen Ostsee nicht verzichten.

[2] Unser Schoner, die Zuversicht, in einem Hafen auf der Insel AEro (stellt euch das Ganze auf Dänisch vor. Das „A“ kuschelt da ganz eng mit dem „E“). Wir waren im Auftrag des Projektes KlimaSail unterwegs, das schon seit mehreren Jahren erfolgreich in See sticht und sich das Thema Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben hat.

[3] Der kleine Infoblock (Keine Sorge, schlimmer wird’s nimmer): Der traditionelle Marstalschoner „Zuversicht“  ist über 100 Jahre alt und stammt noch aus einer Zeit, als diese Schiffe ganz natürlich als Segelschiffe für Handel und Arbeit auf dem Meer bestimmt waren. Dieser Schiffstyp kommt sogar direkt von der Insel AEro, auf der noch heute Schiffe gebaut werden.

[4] Ein veganer Burger ist selbst in einer normalen Studentenküche schon ein abenteuerliches Unterfangen, auf hoher See aber, bei einer bis zu 20 Grad Krängung des Schiffs, ein abenteuerliches Ding der seefahrerischen Unmöglichkeit. Trotzdem schaffte es die eingeteilte Backschaft, uns tatsächlich am Abend einen „funktionierenden“ Burger zu servieren. Gereicht wurde dazu ein kristallklares Wasser ohne Kohlensäure.

[5] Wir versuchten jedoch nicht nur einfach weniger zu „fressen“, sondern haben uns auch mit der Klimagerechtigkeit auf der ganzen Welt beschäftigt. Mit dem Weltverteilungsspiel analysierten wir z.B. den globalen ökologischen Fußabdruck und die Verteilung von Nahrung und Energie zwischen den Kontinenten. Visuell überzeugend hat sich dieses Bild in mein Gehirn eingebrannt.

[6] Ich weiß gar nicht, ob ich es traurig oder Ok finden soll, aber in das Schiffslogbuch, was jedes der Besatzungsmitglieder führte, stehen bei mir als einzige Ereignisse des Tages nur das Frühstück, das Mittagessen und das Abendessen (die anderen Tage sehen ähnlich aus). Zum Glück gab es Haferflocken, Grießpudding und am Abend Veggie Bolognese, und wenn das keine Erlebnisse für den Gaumen sind, dann weiß ich es auch nicht.

[7] Links sieht man die Zutaten: Reiswaffeln, Zwiebeln und Tomatenmark + Gewürze. Rechts dann das Ergebnis im Vordergrund, sogenanntes Zwiebel-Nett. Ich glaube ja, dass genau diese Versuche der vegetarischen Community, Fleischgerichte mit ihren Mitteln nachzuahmen, zu einem Akzeptanzverlust bei dem fleischfressenden Teil der Bevölkerung führt, die durch diese Herangehensweise natürlich erwartet, dass solch ein imitiertes Fleischgericht auch in Konsistenz, Aussehen und Geschmack mit dem Vorbild identisch ist. Einfach ausgedrückt, ich glaube, dieser Imitationsdrang führt zu nichts anderem als zu einer Ablehnung der vegetarischen Esskultur in der breiten Bevölkerung. Die vegetarische und vegane Community muss sich auf ihre eigenen Stärken konzentrieren und eigene, unabhängige und individuelle Gerichte erfinden, die zeigen, dass diese  gut schmecken, auch wenn sie nicht nach „Fleisch“ schmecken. BOAH, das musste jetzt mal raus!!!

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