Zusammen allein: Anlaufstellen gegen Einsamkeit

11.05.2021
Studium, Freizeit
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Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind: Einsamkeit und Motivationsprobleme belasten viele Studierende. Bestimmte Gruppen, wie queere Menschen, treffen die Maßnahmen besonders hart.

Die Corona-Pandemie hat auch stille, psychische Auswirkungen: Gerade Alleinstehende leiden durch die Kontaktbeschränkungen unter Einsamkeit. Besonders betroffen sind u. a. queere Menschen.

Sich in Gruppen verabreden, feiern oder gemütlich im Restaurant etwas essen gehen sind Aktivitäten, die die aktuelle Corona-Lage nicht mehr zulässt. Die Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie haben nicht nur das Studium stark verändert. Anschluss suchen wird schwieriger, Einsamkeit stellt sich bei vielen allein Wohnenden ein, Schutzräume, beispielweise für junge queere Menschen, brechen weg

Eine Umfrage der Hochschule Mittweida hat u. a. ergeben, dass viele Studierende sich einsam fühlen und schlecht damit zurechtkommen. Das Team der Fakultät Soziale Arbeit hatte 473 Teilnehmende befragt, von denen sich etwa 48 Prozent im digitalen Semester einsam fühlen. Der Studierendenrat Zittau/Görlitz hat darüber hinaus kürzlich etwa 500 Studierende befragt, von denen ebenfalls mehr als jede:r zweite mit Motivationsproblemen zu kämpfen hat.

Angebote der Psychotherapeutischen Beratungsstelle

Auch die Beratungsstellen der JGU Mainz bleiben von einer Umstellung nicht verschont. Sie sind sie aber dennoch weiterhin telefonisch, per Mail oder online erreichbar. So steht die Psychotherapeutische Beratungsstelle (PBS) der JGU Mainz allen Studierenden offen und leistet kostenlose, professionelle Hilfe bei der Bewältigung von jeglichen psychischen Problemen, ob diese im Alltag auftreten oder im Studium (campus-mainz.net berichtete).

Das Team der Psychotherapeutischen Beratungsstelle unterliegt der gesetzlichen Schweigepflicht. Das Angebot beinhaltet kurzfristige Hilfestellungen in akuten Krisensituationen, Beratung und Kurzzeit-Psychotherapie und die Klärung der Problemlage durch gezielte Diagnostik. 

Auch beim Umgang mit Einsamkeit kann sie helfen: Es werden Einzelberatungen, aber auch diverse Kurse digital über BigBlueButton angeboten, wie die Kurse "Soziale Kompetenz stärken", "Vorbeugen und Bewältigen depressiver Verstimmungen", "Emotionsregulation" und "Den Selbstwert stärken". 

Speziell mit Blick auf die Corona-Pandemie wird u. a. der Kurs "Mental gesund trotz Corona" angeboten. Neben Ängsten und Einsamkeit durch die Sicherheitsmaßnahmen werden Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie oder Motivationsprobleme im Studium besprochen. Gefühle der Hilflosigkeit und Überforderung sollen dadurch reduziert und Problemlösungskompetenzen ausgebaut werden. Der Kurseinstieg ist jederzeit möglich, solange Plätze frei sind.

Probleme queerer Menschen in der Corona-Pandemie

Bestimmte Personengruppen sind nicht nur stärker durch das Virus selbst gefährdet, wie chronisch erkrankte Menschen, sondern auch von den Maßnahmen stärker betroffen. Dazu zählt auch die queere Community

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH) beschäftigt sich u. a. mit den Problemen, die lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen und queeren Menschen in der Corona-Krise das Leben erschweren. Die Pandemie würde zum Beispiel den Zugang zu medizinischer Versorgung einschränken. Dadurch würden u. a. Transpersonen, die während oder nach der Geschlechtsangleichung psychologische oder medizinische Hilfe in Anspruch nehmen wollen, "durch das Raster fallen".

Außerdem erschwere der Lockdown der Stiftung zufolge Coming-outs, weil jungen Menschen die Beratungsstellen oder Ansprechpartner:innen fehlen würden und sie im familiären Raum oft Konflikte fürchten müssten. 

Das dritte Problem sei, dass viele Verbände und Institutionen sich nicht mehr finanzieren könnten und dass durch die Schließung von Bars, Clubs etc. "queere Freiräume" bedroht seien, so die Stiftung.

Bar jeder Sicht öffnet Türen online

Auch die Bar jeder Sicht, ein "Zentrum für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Intersexuelle in Mainz und Umgebung" gehört zu einem dieser Freiräume, der aufgrund der Corona-Pandemie zurzeit geschlossen ist. 

Doch neben dem Gastronomiebetrieb bietet die Bar auch Beratungstermine an. Diese können weiterhin per Mail oder über einen Anruf vereinbart werden. Das Team berät dabei ehrenamtlich alle Altersgruppen mit verschiedensten Anliegen. Die Beratungsthemen reichen von Unsicherheit beim Coming-Out über Diskriminierung und Mobbing bis hin zum Kinderwunsch und Regenbogenfamilien.

Neben der Beratung werden auch zahlreiche kostenlose Online-Events angeboten. Für den Mai ist ein buntes Programm zusammengestellt worden. Neben Online-Bargesprächen sollen auch wieder Spieleabende über Zoom stattfinden.

Queer*referat des AStA organisiert Zusammenkünfte

An der JGU selbst organisiert das Queer*referat weiterhin regelmäßig Online-Veranstaltungen. Am 23. April 2021 fand etwa der "Queerfeministische Sektempfang" des Queer- und des AlleFrauen*-Referats über Zoom statt. Im Sommer 2020 hatte das Queer*referat versucht, mit dem Queer*garten einen safe space zu schaffen, um mitunter der Einsamkeit von queeren* Personen entgegenzuwirken.

"Seitdem die Regelungen jedoch strenger wurden, mussten wir auf Online-Veranstaltungen zurückgreifen, bei denen wir jedoch den Eindruck haben, dass die Leute darauf so langsam auch keine Lust mehr haben", erzählt Tobi, Referent*in des Queer*referats. Bis Veranstaltungsreihen wie die "Warm ins Wochenende"-Partys des Referats wieder angeboten werden können, bieten die Referent*innen aber weiterhin digitale Zufluchtsräume an.

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