Zukunft der Kita Weltentdecker steht auf der Kippe

12.11.2019
Campus-News
jsc

Der Weg zur Kita Weltentdecker bleibt ausgeschildert, auch wenn angesichts der ungewissen finanziellen Lage derzeit keine Neulinge angenommen werden.

Weil das Gebäude der Kita den Brandschutzanforderungen nicht mehr entspricht, soll nun ein Neubau her. Doch das Geld dafür ist an langfristige Zusagen geknüpft, die weder Universitätsleitung noch Studierendenwerk geben wollen.

Weil sie die Brandschutzanforderungen nicht mehr erfüllt, eine Sanierung zu teuer ist und langfristige Zusagen für einen Neubau noch verhandelt werden, ist die Zukunft der Kita Weltentdecker ungewiss.

Wer auf der Suche nach einem Betreuungsplatz für sein Kind an der JGU Mainz ist, wird womöglich über diesen Satz auf der Homepage der Kita Weltentdecker stolpern: "Leider ist der Kita-Betrieb in unserem derzeitigen Gebäude nur noch bis 2022 möglich. Wir arbeiten an einer langfristigen Zukunftsperspektive für die Kita, können aber vorerst bei den Weltentdeckern keine Kinder neu eingewöhnen." Diese Situation ergibt sich daraus, dass die Kindertagesstätte nicht mehr den Brandschutzanforderungen entspricht, ihre Sanierung allerdings laut dem Gutachten mehrerer Sachverständiger als zu teuer eingeschätzt wird und daher nur ein Neubau in Frage kommt, um die Betreuungseinrichtung zu erhalten.

Vage Intentionen, aber keine konkreten Zusagen

Über diesen Neubau und temporäre Ersatzcontainer während der Bauphase verhandeln zurzeit das Studierendenwerk, die Universität, die Stadt Mainz und das Land Rheinland-Pfalz. Man zeigt sich mittlerweile am Weiterbetrieb der Einrichtung interessiert und kann diesen auch bis 2022 zusichern, wenn bis dahin kleinere Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Vom Studierendenwerk heißt es, man arbeite "an der bestmöglichen Lösung für Kinder, Eltern und das Team" und stehe in einem "ständigen Austausch" mit den Eltern. *Dies sei seit Bekanntwerden der Mängel der Fall.

Das Studierendenwerk, das die Trägerschaft für die Kita 2012 von einem insolventen Verein übernommen hatte, sei bei der Finanzierung des Bauvorhabens aber auf eine teilweise Kostenübernahme durch die Stadt oder das Land angewiesen, so der Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Marketing des Studierendenwerks Thomas Kohn-Ade. *Insgesamt müsse das Bauvorhaben jedoch vollständig durch das Land, die Stadt oder einen Dritten finanziert werden. Dies sei notwendig, da es dem Studierendenwerk "gesetzlich nicht erlaubt ist, Dienstleistungen anzubieten, die über den unmittelbaren Bedarf der Studierenden hinausgehen, wenn diese zu Belastungen der Sozialbeiträge, also der Studierenden, führen könnten." Dennoch zeigt sich das Studierendenwerk zuversichtlich, dass die Baumaßnahmen nicht die Semesterbeiträge belasten würden.

Das Land Rheinland-Pfalz knüpft diese Kostenübernahme für den Neubau jedoch an die Zusage des Studierendenwerks, die Kindertagesstätte bis 2042 zu betreiben. Zudem soll die Universitätsleitung garantieren, die Betreuungsplätze für den Nachwuchs des Universitätspersonals in diesem Zeitraum mitzufinanzieren. Allerdings sind weder das Studierendenwerk noch die Universitätsleitung zu solchen langfristigen Zusagen bereit. *Kohn-Ade erläutert: "Hierfür bedarf es aber aufgrund hochschul- und haushaltsrechtlicher Vorgaben einer gesicherten Finanzierung des Betriebes. Letztere wäre u.a. darüber zu realisieren, dass die Kooperationspartner JGU, Hochschule Mainz und Max-Planck-Institute entsprechend langfristige Verträge schließen. Die JGU und die Max-Planck-Institute möchten eine derart langfristige Verpflichtung nicht eingehen."

Unterstützung durch andere Campus-Kitas

Laut AZ sollten die Kinder, die aktuell in der Kita Weltentdecker betreut werden, als Reaktion auf den kritischen Zustand des Gebäudes zunächst im Laufe des Jahres auf die anderen beiden Kindertagesstätten auf dem Campus verteilt werden. *Inzwischen erklärt Kohn-Ade: "Alle Kinder bei den Weltentdeckern behalten ihre Kitaplätze und alle Betreuungsverträge werden auch dort erfüllt."

Die Kindertagesstätte Campulino wird seit 2011 und die Kita Sprösslinge erst seit dem Jahr 2017 betrieben. Der Eigentümer der beiden Einrichtungen, der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB), übernimmt sämtliche potenziell anfallenden Baukosten. Demgegenüber sucht das Studierendenwerk als Betreiber¹ der Kita Weltentdecker nach wie vor vehement nach geeigneten Geldgebern für einen Neubau.

Doch nicht nur in der finanziellen Verantwortungsstruktur unterscheiden sich die drei Kitas auf dem Campus. Das fünfzehnköpfige¹ Team der von der Schließung bedrohten Kita Weltentdecker verfolgt ein anderes Betreuungskonzept als den situativen Ansatz und das Berliner Eingewöhnungskonzept in der Kita Campulino: Zusätzlich zu den auch in der Kita Sprösslinge üblichen Montessoripraktiken setzt die Kita Weltentdecker auf das pädagogische Konzept von Emmi Pikert. So ist das Betreuungsangebot für Studierende und Mitarbeiter:innen der JGU mit dem aktuellen Eingewöhnungsstopp auch inhaltlich verkleinert.

Sinkender Betreuungsbedarf, sinkende Weiterbetriebschancen?

Auf Kritik stößt u. a. der Eingewöhnungsstopp, den das Studierendenwerk für die Kita verhängt hat. Dadurch werden zwar die Kinder, die bereits dort betreut werden, weiterhin versorgt, allerdings werden keine Neuzugänge mehr aufgenommen. Damit wurde auch die Möglichkeit gestrichen, die Kita zu besichtigen, bis die Finanzierungsfrage im Rahmen der Verhandlungen geklärt sind. So können in der Kita zwar potenziell 77 Kinder betreut werden, derzeit wird sie allerdings nur von 51 Kindern besucht. Da das Studierendenwerk 2020 mit elf und 2021 mit 18 Einschulungen rechnet, dürfte sich diese Zahl der Betreuungsbedürftigen auf 22 reduzieren. Hieraus stelle sich auch für die Bretzenheimer Ortsvorsteherin Claudia Siebner, die sich über die Zukunft der Kita besorgt zeigt, die Frage, ob der Betrieb sich überhaupt so lange lohne.

Das Studierendenwerk begründet den Eingewöhnungsstopp wiederum damit, nur dauerhaft gesicherte Betreuungsplätze vergeben zu wollen, was im Falle der Kita Weltentdecker nicht garantiert werden könne. Allerdings dementiert das Studierendenwerk, dass sich die Maßnahme selbst auf die Chancen des Weiterbetreibens der Kita auswirke, da eine Finanzierung des Neubaus durch Landesmittel nur an den langfristigen Bedarf sowie die langfristige Finanzierung, nicht jedoch an die aktuelle Auslastung der Kita geknüpft sei. Wie hoch oder niedrig der Bedarf ausfällt, sei abhängig von der Warteliste und anderen universitären Faktoren wie etwa der Zahl der Studierenden. Allerdings spielt bei den Berechnungen mit Blick auf benötigte Betreuungsplätze auch die Bedarfsplanung der Stadt eine Rolle. Diese rechnet zwar mit zunächst stagnierenden, jedoch ab 2022 mit steigenden Zahlen betreuungsbedürftiger Kinder.

Den betroffenen Eltern bereitet weiterhin Sorge, dass bereits zwei Erzieherinnen die Einrichtung verlassen haben. So befürchtet der Elternbeirat, dass die Chancen auf Weiterbetrieb bei weniger Personal weiter sinken, was wiederum mehr Personal dazu bewegen könnte, den Posten zu räumen. Laut Studierendenwerk hängen die nun frei gewordenen Stellen allerdings nicht mit dem Eingewöhnungsstopp zusammen. Grund dafür seien eine Kündigung innerhalb der Probezeit und ein Wegzug.

Genutztes und ungenutztes Potenzial der Elterneinbindung

Der Mainzer Sozialdezernent Eckart Lensch sieht die zudem von den betroffenen Eltern erhoffte Übernahme der Kita in städtische Trägerschaft und die damit einhergehende finanzielle Hilfe lediglich als letzten Ausweg, da er eine Konzentration der Trägerorganisationen verhindern möchte. Ein Notfallplan sei zudem noch nicht nötig, da der Betrieb der Kita bis 2022 gesichert sei.

Die Eltern der betroffenen Kinder wurden laut dem Autonomen Elternreferat des AStA am 3. Mai 2019 vor Ort über die zunächst geplante Schließung der Einrichtung informiert. Das AStA-Referat selbst habe allerdings lediglich davon erfahren, da ein Kind einer Referentin auch betroffen sei. Während der nicht-öffentlichen Verhandlungen zur Finanzierungs- und Trägersuche sei das Autonome Elternreferat zwar nicht aktiv einbezogen, aber "über die Neuigkeiten bzw. über die geplanten Schritte informiert" worden.

Der Elternausschuss der Kita wollte sich ursprünglich zur ungewissen Situation äußern, entschied sich dann jedoch, während der laufenden Verhandlungen ebenfalls keinen Kommentar diesbezüglich abzugeben.

Das Autonome Elternreferat des AStA wünscht sich in diesem Zusammenhang "mehr Transparenz in der Vorgehensweise und Einbindung bei Beschlüssen" der Entscheidungsträger, die über die Finanzierung des Neubaus verhandeln. Der Neubau der Kita Weltentdecker soll nach dem Wunsch des Autonomen Elternreferats weiterhin das Potenzial haben, alle betroffenen Kinder zu betreuen und so deren Eltern dabei helfen, ihrem Studium uneingeschränkt nachzugehen. Ob und wenn ja, wann die dafür nötigen Gelder bereitgestellt werden, bleibt allerdings Gegenstand der Verhandlungen hinter verschlossenen Türen.

 

Anm. d. Red. [02.12.2019]: Mit * gekennzeichnete Sätze wurden zur Aktualisierung nachträglich ergänzt.

¹An dieser Stelle war zunächst fälschlicherweise von "Eigentümer" und von einem "zwanzigköpfigen Team" die Rede.

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