Wohnungsnot macht erfinderisch

12.12.2018
Wohnen
yam

Wohin mit den vielen Studierenden?

Aktuelle Zahlen des Deutschen Studentenwerks melden über 2,8 Millionen Studierende, aber immer noch zu wenig Wohnraum. Einige Universitäten und ihre Studierende nehmen ihr Schicksal deshalb selbst in die Hand.

"Ich habe insgesamt 42 Bewerbungen geschrieben, aber nur 13 Wohnungen besichtigt. Viele haben mich kurz nach der Zusage wieder ausgeladen. Keine einzige Bewerbung und kein Casting waren erfolgreich. Es war einfach zu viel Andrang." So erging es der neunzehnjährigen Susi in Mainz, eine von vielen in Deutschland, die ihr Studium ohne ein Dach über dem Kopf begonnen hat.

"Meistens habe ich nicht einmal eine Absage erhalten, sondern einfach nichts mehr gehört. Eine WG hatte mindestens zehn Anwärter. Ein paar Wochen lebte ich bei meiner Schwester in Wiesbaden, aber danach war ich auf meine Freunde angewiesen. Ich wechselte ständig meine Bleibe und musste meinen ganzen Kram immer hin und her schleppen. Das geht natürlich auch auf die Brieftasche, wenn man ständig auswärts essen und sich an fremden Ausgaben beteiligen muss. Es war mehr als nur anstrengend. Ziemlich mies, wenn man in der Vorlesung sitzt und nicht mal weiß, wo man die nächste Nacht verbringen wird. Jetzt, nach sieben Wochen, habe ich durch einen Zufall einen Platz in einem Wohnheim bekommen. Sehr viel länger hätte ich es nicht ausgehalten."

Mithilfe der sogenannten "Unterbringungsquote" misst das Deutsche Studentenwerk jährlich die Anzahl der Studierenden und öffentlich geförderten Wohnheimsplätze, um die aktuelle Wohnlage überprüfen zu können. In Mainz liegt diese Zahl bei 14,5 Prozent, in Berlin beispielsweise nur bei knapp 6 Prozent. Rheinland-Pfalz liegt mit insgesamt knapp 10,4 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt von 9,6 Prozent.

Wo kein Wohnraum ist, sprießen Ideen

"Mieten? Ja wat denn?!" – So warb der AStA der Goethe-Universität für ein neu eröffnetes Indoor-Camp zu Beginn des Wintersemesters 2018/19. Hier konnten neu eingeschriebene Erstis während der Orientierungswoche sieben Tage lang auf dem Campus des Studierendenhauses Bockenheim übernachten. Gebraucht wurde nur eine Isomatte und Schlafsack, um den Rest kümmerte sich der AStA. 90 Kilometer weiter entstand in Heidelberg die Idee des "Collegium Academicum", ein Projekt von 25 engagierten Studierenden, die ein selbstverwaltetes und vor allem bezahlbares Wohnheim bauen möchten. Die Entwürfe sind bereits da, nur 600.000 Euro fehlen noch, um die Idee umsetzen zu können. Das neue Wohnheim wird von der Stadt unterstützt und gefördert, die Arbeiten sollen nächstes Jahr beginnen.

Die etwas andere WG

In Wien findet das Modell einer Mehrgenerationen-WG namens WGE! Anklang, das ältere Menschen an jüngere vermittelt und umgekehrt. Senioren können so ihre große Wohnung teilen und bekommen Unterstützung im Alltag. Gleichzeitig profitieren die Studierenden, denn sie erhalten gegen ihren sozialen Beitrag die Möglichkeit, zu einem bezahlbaren Preis zu wohnen. Darüber hinaus gewinnen beide Seiten durch das familiäre Klima eine besondere Bezugsperson, mit der man gemeinsame Aktivitäten planen und sich austauschen kann. Doch auch hier besteht eine enorme Nachfrage, denn auf zehn interessierte Studierende kommt nur ein interessierter Senior-Wohnpartner.

Langfristige Lösungen?

Die Bundesregierung räumt dem Thema Wohnungsnot im Koalitionsvertrag zwar viel Raum ein, jedoch hat sich bisweilen noch nicht viel getan. Kritische Stimmen bemängeln, dass sich so in naher Zukunft nicht viel an der Wohnungsnot der Studierenden ändern wird.

 

 

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