Wie die Corona-Pandemie die studentische Arbeitssituation verändert

22.06.2020
Arbeit
jsc & lbl

Mit der Corona-Pandemie leeren sich die Geldbeutel vieler Studierender, denn sie führt zum umfassenden Stellenabbau. Fünf Studierende erzählen nun von ihrer Situation und ihren Hoffnungen.

Corona prägt die Arbeitsverhältnisse vieler Studierender: Teilweise haben sie ihre Jobs verloren oder weniger zu tun und dadurch weniger Geld. Doch zur Überbrückung gibt es auch Unterstützung.

Am 22. März 2020 wurden bundesweit viele Aspekte des öffentlichen Lebens, darunter auch Gastronomie- und Veranstaltungsangebote, ausgesetzt oder eingeschränkt, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Auch wenn viele Geschäfte und Gastronomiebetriebe zurzeit wieder unter Auflagen öffnen dürfen (Stand: 22.06.2020), wurden die Belegschaften in den betroffenen Betrieben unterschiedlich hart von den finanziellen Einbußen getroffen. Im Rahmen einer campusweiten Recherche haben sich nun fünf anonyme Studierende dazu bereiterklärt, individuelle Einblicke in ihre Arbeitssituation während des wirtschaftlichen Lockdowns zu geben.

Meistens geringfügige Beschäftigungen 

Um Arbeit und Studium unter einen Hut zu bekommen, bietet sich eine Erwerbstätigkeit auf Minijob- bzw. 450-Euro-Basis an. Die Studierenden, die sich an der Recherche beteiligt haben, gehen in diesem Rahmen überwiegend "klassischen Studierendenjobs" nach: Sie arbeiten als Servicekraft, Hiwi, Nachhilfe, bei der Fahrgasterhebung, hinter der Theke oder werden unregelmäßig auf verschiedenen Messen eingesetzt. Manche gehen auch zwei Jobs nach.

Neben der Finanzierung des Studiums dient der Verdienst häufig dazu, finanziell unabhängig(er) zu sein, sich ein Sozialleben zu ermöglichen oder die Eltern zu entlasten. Die Motivation, sich etwas dazuzuverdienen, ist dabei nicht daran gekoppelt, ob man BAföG-berechtigt ist oder nicht.

Rücklagen sind unterschiedlich verteilt

Auf das Einkommen sind die Studierenden, die von ihrer Arbeitssituation erzählen, in unterschiedlichem Grad angewiesen: Schon vor den Folgen von Corona für den Arbeitsmarkt konnten sich einige auf die Hilfe ihrer Familie verlassen, beispielsweise, indem die Eltern die Mietkosten teilweise oder ganz übernommen haben. Auch in Zeiten von Corona hilft die Familie häufig noch aus. Allerdings ist das für manche auch an Bedingungen geknüpft: "Abgemacht ist eigentlich Regelstudienzeit, da meine Mutter nur ein sehr geringes Einkommen hat (derzeit musste sie auch schließen) und mein Vater uns allein versorgt."

Kündigungen und Verschiebungen

Wer ohne diese finanziellen Polster auskommen muss, ist auf die Jobs angewiesen, die nun wegbrechen und damit auch die eigenen Rücklagen belasten, gerade wenn keine neue feste Stelle in Sicht ist. Von den sieben Jobs, die sie zusammengerechnet vor der Coronakrise hatten, sind vier gekündigt worden. Der Wegfall bedeutet für alle eine ernstzunehmende Einschränkung.

Auch für Studierende, deren Eltern zu viel verdienen, um BAföG beantragen zu können, ist es eine Umstellung, auf den Nebenverdienst zu verzichten. Besonders bei Studierenden liegt eine Entlassung nahe, weil sie kein Kurzarbeitergeld erhalten dürfen, was Existenzängste fördern und den Studienabbruch nahelegen könne. Für manche geht es nach der Kündigung ums Ganze: "Dann ist wirklich die Frage, von was ich dann lebe."

Im Veranstaltungsbereich habe man zu Beginn noch gehofft, dass mit Abstandsregelungen und Desinfektionsmitteln für die Mitarbeiter:innen alles wie gewohnt stattfinden könne. Schnell wurde dann jedoch der gesamte Betrieb eingestellt und den Mitarbeiter:innen vorerst pro forma gekündigt. Da es sich um einen kulturgeförderten Betrieb handle, sei es möglich gewesen, noch das für März geplante Gehalt an alle auszuzahlen. Die Werkstudenten hätten außerdem unbezahlten Urlaub beantragen können, so eine:r der Studierenden. Falls man darauf angewiesen sei, solle dadurch ermöglicht werden, Hilfe beim Arbeitsamt zu beantragen.

Verschiedene Anlaufstellen für finanzielle Hilfe

Einige der Studierenden, die von ihrer Arbeitssituation während der Corona-Pandemie erzählen, haben Anspruch auf BAföG-Darlehen, weil ihre Eltern zu wenig verdienen, um sie zu unterstützen. Dass die Universitätslehre nun online stattfindet, Vorlesungszeiten verschoben, Regelstudienzeiten überschritten und Auslandsaufenthalte gestrichen werden, hat nach einem Beschluss des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) jedoch keine negativen Auswirkungen auf die Ansprüche der BAföG-Bezieher:innen (campus-mainz.net berichtete). Wer vor der Corona-Pandemie nicht BAföG-berechtigt war, aber wessen Eltern nun weniger verdienen, kann einen Aktualisierungsantrag beim BMBF stellen.

Wer jedoch nach wie vor nicht BAföG-berechtigt ist, kann in der derzeitigen finanziellen Notlage Hartz-IV-Leistungen als Darlehen in Anspruch nehmen (campus-mainz berichtete). Außerdem gibt es die Studienkredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bis April 2020 vorübergehend als zinslose Darlehen und darüber hinaus auch die Möglichkeit für finanzielle Unterstützung über den Nothilfefonds des Deutschen Studentenwerks, der vom BMBF aufgestockt wird (campus-mainz.net berichtete).

Darüber hinaus hat der Arbeitsbereich für Soziales des AStA der JGU Mainz schon vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie einen studentischen Nothilfefonds für Studierende der JGU ins Leben gerufen, der ihnen finanziell unter die Arme greifen kann (campus-mainz.net berichtete).

Die Tücken des Homeoffice

Für die Studierenden, denen der Arbeitgeber nicht kündigen musste, gab es trotzdem Veränderungen, um den neuen Vorschriften zu entsprechen. Dort, wo es möglich war, wurde ins Homeoffice verlagert, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. Positiv sei einerseits, dass die Anfahrtswege zur Arbeit wegfallen würden, wodurch mehr Freizeit zur Verfügung stehe. Andererseits laufe die Kommunikation nun hauptsächlich digital über Chat und E-Mail: "Das klappt ganz gut, wenn man sich kurz austauschen und absprechen muss, aber weniger gut, wenn man mal eine Frage hat, die längerer Erklärung bedarf."

Doch nicht nur die Kommunikation mit den Kolleg:innen, auch die Arbeit selbst wird oft ins Netz verlagert. Die angepassten Dienstleistungen stoßen jedoch zum Teil auf ein verringertes Interesse und organisatorische Hürden. So sei die Online-Nachhilfe nur von einem der ursprünglich neun Schüler angenommen worden. Viele der Eltern wollen die Stunden lieber einlösen, wenn der Präsenzunterricht im Institut wieder möglich sei: "In diesem Umfang, in dem sich das nun abzeichnet, ist das aber gar nicht zu machen - so viele Lehrer haben wir gar nicht."

Psychische Gesundheit in Zeiten sozialer Isolation

Bei der Bewältigung von Stress, wie er etwa in solchen Überforderungssituationen auftritt, hat die Psychotherapeutische Beratungsstelle (PBS) der JGU Mainz bereits eigene Angebote etabliert. Nun weitet sie ihre Hilfsleistungen aus: Sie berät jetzt auch diejenigen, die unter den verringerten sozialen Kontakten und den neuen Anforderungen im Studium durch die Corona-Pandemie psychisch leiden. Dabei empfiehlt sie u.a. soziale Netzwerke und Videokonferenzen, um die Kommunikation aufrechtzuerhalten.

Denn wo der Kontakt zu den Kolleg:innen, Kund:innen und Kommiliton:innen in Zeiten von Social Distancing und Homeoffice einbricht, ist das Risiko der sozialen Isolation höher. Es trifft vor allen Dingen diejenigen, die schon vor der Pandemie beispielsweise mit Depressionen zu kämpfen hatten, was auch von Studierenden beobachtet wird: "Struktur im Alltag und die Möglichkeit zu sozialen Kontakten ist für sie besonders wichtig und das ist gerade im Wanken oder bricht komplett weg."

Langfristige Pläne vorerst verschoben

Nicht nur die Beziehung zu den Kolleg:innen leidet durch die Folgen der Corona-Pandemie auf die Arbeitswelt – gemeinsame WG-Pläne fallen den schwierigen Arbeitssituationen teilweise ebenfalls zum Opfer: "Auch die Wohnungssuche liegt auf Eis, da die Freundin, mit der ich eine Wohnung gesucht habe, jobtechnisch in einer sehr ähnlichen Situation ist. Zudem ist ihr Vater in Kurzarbeit." Zwar sei ein Umzug aus dem Wohnheim zu den Eltern in diesem Fall prinzipiell möglich, "da ich keinen Nachmieter habe und dann noch Miete zahlen müsste", lohne sich dies jedoch finanziell nicht.

Von den Folgen der Corona-Krise sind nicht nur Studierende mit festen Stellen betroffen. Bei der Suche nach Pflichtpraktika machen sich die Auswirkungen ebenfalls bemerkbar: "Sämtliche Bewerbungsgespräche im April wurden nämlich auch abgesagt und mögliche Praktikumsplätze auf nächstes Jahr verschoben. Corona betrifft also nicht nur unsere Nebenjobs, sondern auch Praktikumsstellen."

Verhaltene Hoffnung

Beim Blick in die Zukunft sind viele der Studierenden, die sich an der Recherche beteiligt haben, zwar langfristig optimistisch, momentan aber eher vorsichtig. Besonders in der Veranstaltungsbranche herrscht Unsicherheit darüber, wann dort wieder Aufträge und Events erlaubt sein werden, für die Personal gebraucht wird. Zwei Studierende, die in der Veranstaltungsbranche tätig waren, berichten von verhaltenen Zusicherungen an die Belegschaft: "Falls der Betrieb wieder fortgeführt wird, sind wir die ersten, die wieder angesprochen werden, allerdings – so wie ich das der letzten Mail entnommen habe – ist man sich noch nicht sicher, ob man alle wieder wird übernehmen können."

Auch über die Veranstaltungsbranche hinaus gibt es solche ersten Lichtblicke, die allerdings ebenso mit Vorsicht zu genießen sind: "Mir wurde gesagt, dass man den ehemaligen Mitarbeitern ein erneutes Angebot schickt, wenn sich die Krise gelegt hat. Ob das stimmt und man die alten Konditionen hat, das steht in den Sternen."

Weitreichende Folgen für Forschung, Lehre und Nebenjobs

Im Rahmen der Recherche berichten noch weitere Studierende davon, wie die Corona-Pandemie ihr Studium verändert. Darüber hinaus erzählen Dozierende und Forschende als Teil des Rechercheprojekts von ihren Erfahrungen mit dem digitalen Semester.

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