Was wird aus Erasmus+ nach dem Brexit?

27.08.2018
Internationales, Studium
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Die Europaflagge vor dem Mainzer Dom im Rahmen der "Pulse of Europe"-Demonstrationen 2017

Seit 2016 steht fest: Großbritannien wird die EU verlassen und damit auch das Austauschprogramm Erasmus+. Wie geht es mit dem Programm nach dem Brexit weiter?

Am 12. Juni 2018 versammelte sich eine Delegation von 25 von insgesamt 50 Studierenden der University of Glasgow im Musikraum der Crucenia Realschule Plus in Bad Kreuznach. In Kooperation mit der JGU ermöglicht ihnen das Projekt Global Citizens sich in der Schule sozial zu engagieren und an der Uni Deutsch zu lernen.

Dr. Markus Häfner, Leiter der Abteilung Internationales der JGU, lobte die "beeindruckende Arbeit" der Beteiligten und betonte die Bereitschaft der Universität, auch weiterhin an solchen Internationalen Sommer-Programmen teilzunehmen. Prof. Dr. Sigrid Rieuwerts vom Department of English and Linguistics der JGU organisiert Global Citizens sowie GET across borders, das Lehramtsstudenten ermöglicht, nach Schottland zu gehen. Sie spricht im Zusammenhang mit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union von einer Krise für ihre Projekte.

Wie ist der aktuelle Stand?

Dass es in Zukunft vermehrt auf solche Einzelprojekte ankommen wird, ist allen Beteiligten bewusst. Denn seitdem Premierministerin Theresa May am 29. März 2017 Artikel 50 ausgelöst hat, ist die Zukunft des Erasmus+ Programms ungewiss. Zwar bestätigen beide Seiten ein Interesse daran, den akademischen Austausch fortzusetzen, aber es wird schwierig sein, den Erasmus+ Vertrag eins zu eins zu ersetzen.

Denn genau zwei Jahre nach der Auslösung des Artikels 50, also im März 2019, tritt Großbritannien offiziell aus der EU aus. Die Übergangsperiode bis 2020 (dem Ende des aktuellen Etats) ist zwar prinzipiell vereinbart, wird aber nur Realität, wenn die EU und Großbritannien bis Oktober 2018 ein umfassendes Abkommen ausgehandelt haben. Dieses muss dann noch von allen übrigen 27 EU-Staaten ratifiziert werden, weshalb eine realistische Chance besteht, dass es zu einem No-Deal-Szenario kommt.

Interesse an der Weiterführung von Erasmus+

Die National Agency for Erasmus+ ist in dem Vereinigten Königreich für die Verteilung der Erasmus-Stipendien zuständig. In einem Statement vom Dezember 2017 bestätigt sie, dass man sich verpflichtet fühle "wie geplant bis 2020 volles Mitglied des Programms zu bleiben". Sollte es jedoch zu einem „No-Deal-Szenario“ kommen, ist selbst die Weiterführung bis 2020 in Gefahr.

Für diesen Fall hat die britische Regierung eine Garantie ausgesprochen, dass alle Studierenden, die sich erfolgreich für Erasmus+ bewerben, während Großbritannien noch EU-Mitglied ist, auch nach dem Austritt noch teilnehmen können. Wie dies praktisch umgesetzt werden kann, scheint jedoch noch nicht festzustehen, da die Verträge in diesem Fall nichtig werden.

Auch in dem vor kurzem veröffentlichten "Weißbuch", in dem die britische Regierung ihre Pläne für den Brexit darlegt, fehlen praktische Ansätze in Bezug auf Erasmus+. Jedoch wird auch hier noch einmal bekräftigt, dass man auch über 2020 hinaus jungen Menschen eine Chance auf kulturellen Austausch geben wolle und bestrebt sei, an einem zukünftigen Projekt teilzunehmen. Welches das sein wird, bleibt jedoch offen.

Studie zeigt Stimmung an europäischen Unis

Diese Unsicherheit gegenüber der Zukunft von Erasmus+ spiegelt sich auch in der Stimmung an europäischen Universitäten wieder, wie eine Studie des Centre for Global Higher Education vom Februar 2018 zeigt. Ziel war es, die Meinung von Professorinnen und Professoren sowie Führungspersönlichkeiten diverser Universitäten in Europa einzufangen.

Die Hauptbedenken der Befragten aus Deutschland gelten auch hier Erasmus+ und den Versuchen, attraktive Alternativen für Studierende aber auch Mitarbeiter zu schaffen. Deutlich weniger besorgt zeigten sich die Befragten um Forschungskooperationen.

Chancen für Studis

Eine mögliche Alternative für Studierende ist ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), der auch für Auslandsaufenthalte in nicht-EU-Ländern Ressourcen zur Verfügung stellt. Jedoch steht man auch hier vor neuen Herausforderungen, obwohl man „in Großbritannien ein über Jahrzehnte ausgebautes Netzwerk an Kontakten und Strukturen“ besitze, so DAAD-Präsidentin Prof. Margret Wintermantel zum Brexit.

Es gibt nun also immer noch nur sehr wenige Antworten, wenn man sich fragt, wie es nach dem Brexit mit Erasmus+ weitergeht. Studierende, die mit Erasmus+ nach Großbritannien gehen möchten, müssen hoffen, dass das "No-Deal-Szenario" nicht eintritt, um sich die Chance zumindest bis 2020 zu erhalten.

Neben den europäischen Universitäten und Organisationen wie dem DAAD, arbeiten auch kleinere Projekte, wie das zuvor erwähnte Global Citizens oder auch GET across borders, jetzt schon von der JGU aus daran, den akademischen Austausch mit Großbritannien auch zukünftig aufrecht zu erhalten.

Die Studis aus Glasgow wünschen sich natürlich ebenfalls eine Weiterführung des Programms, um auch künftigen Generationen von Studierenden zu ermöglichen, "Weltbürger" zu werden. Es steht jedoch ebenfalls fest, dass europäische Universitäten einen wichtigen Partner verlieren könnten und Erasmus+ nach dem Brexit nicht eins zu eins ersetzbar sein wird.

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