Unterstützung über Nothilfefonds auch im September möglich

22.08.2020
Campus-News, Studium
jsc

Wer wegen der Corona-Pandemie auch im September finanzielle Schwierigkeiten hat, kann weiterhin Mittel aus dem Nothilfefonds beantragen, der zuvor von Juni bis August angedacht war. Die Bewilligungskriterien und Fördersummen bleiben unverändert.

Studierende in coronabedingter Geldnot können auch im September 2020 noch Überbrückungshilfen beantragen. Dass die Bewilligungskriterien unverändert bleiben, stößt jedoch auch auf Kritik.

Wer wegen der Corona-Pandemie in finanzielle Not geraten ist, konnte bisher für die Monate Juni, Juli und August Zuschüsse aus einem bundesweiten Nothilfefonds beantragen, die nicht zurückgezahlt werden mussten. Diese Möglichkeit soll es laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) nun auch für den September 2020 geben. Der Antrag kann online beim BMBF gestellt werden.

Der Nothilfefonds über insgesamt 100 Millionen Euro wurde im Juni 2020 gemeinsam vom BMBF und dem Deutschen Studentenwerk (DSW) etabliert. Laut BMBF konnten seitdem 100.000 Anträge auf Mittel aus diesem Nothilfefonds bewilligt werden, wobei Studierende bisher durchschnittlich mit 425 Euro unterstützt wurden (Stand: 19. August 2020). Das Deutsche Studentenwerk sprach derweil am 24. Juli 2020 von 53.000 angenommenen und 40.000 abgelehnten Anträgen.

Hilfsleistungen weiterhin abhängig vom Kontostand

Wie viel Geld Studierende über den Nothilfefonds erhalten können, hängt auch im September weiterhin von ihrem Kontostand am Tag der Antragsstellung ab (campus-mainz.net berichtete): Wer etwa weniger als 100 Euro auf dem Konto hat, wird weiterhin mit 500 Euro gefördert. Bei einem Kontostand von 200 Euro steuert der Bund nach wie vor 300 Euro bei. Ein Kontostand knapp unter 500 Euro berechtigt auch fortan noch zu Hilfen in Höhe von 100 Euro. Wer aber mehr als 500 Euro Erspartes vorweisen kann, erhält nach wie vor keine Mittel aus dem Nothilfefonds.

Außerdem ist für die Bewilligung nach wie vor entscheidend, ob Studierende durch die Pandemie in eine Notlage geraten sind, indem sie ihren Job verloren haben, oder ob die Notlage schon vorher bestanden hat (campus-mainz.net berichtete). Denn nur wer nachweisen kann, dass die Notlage auf die Pandemie zurückzuführen ist, wird für die Überbrückungshilfe berücksichtigt. 

Studierendenvertretungen bemängeln Anpassungen

Der freie zusammenschluss von studentInnenschaften e.V. (fzs) kritisiert die fehlende Anpassung der Förderbeträge und -bedingungen. Außerdem würde es gerade für diejenigen problematisch, die im Wintersemester erst anfangen zu studieren und wegen der Corona-Pandemie keinen Job finden können. Da sie keinen Job verlieren, werden diese Studierenden auch keinen Anspruch auf die Überbrückungshilfe haben.

Außerdem fürchtet der fzs, dass die Studierenden, deren Anträge abgelehnt werden, zu Schulden und Studienabbrüchen gezwungen seien. Er fordert daher "eine grundlegende Überarbeitung des Konzepts Überbrückungshilfe statt kurzzeitiger Verlängerungen, die noch dazu erst am Monatsende angekündigt werden."

Alternative Finanzierungshilfen bleiben bestehen

Neben der Verlängerung dieser Überbrückungshilfe, die am 20. August bekanntgegeben wurde, stellt der Bund seit April Studierenden Hartz-IV-Leistungen als Kredit zur Verfügung (campus-mainz.net berichtete) und hat die BAföG-Modalitäten teilweise angepasst (campus-mainz.net berichtete).

Außerdem setzt das BMBF weiterhin als "größtes Sicherungsnetz" auf die Studienkredite der KfW. Diese stehen seit 2006 Studierenden in finanzieller Not mit einer monatlichen Maximalförderung von 650 Euro zur Verfügung. Sie wurden im Juni 2020 aber auch für ausländische Studierende geöffnet. Zudem wurde ihr Gesamtbudget auf eine Milliarde Euro aufgestockt und ihre Zinsen werden bis zum 31. März 2021 vom Bund übernommen (campus-mainz.net berichtete).

Diesen Studienkredit haben laut BMBF bis Mitte August rund 10.000 deutsche und mehr als 15.000 ausländische Studierende beantragt. Der fzs sieht diese Zahlen kritisch – vom "größten Sicherungsnetz" könne nicht die Rede sein. Sebastian Zachrau, Vorstandsmitglied des fzs, sieht die Bundesregierung in der Pflicht, ihre bisherige Praxis zu ändern. Denn auch mit Blick auf den Studienkredit befürchtet Zachrau eine langfristige Verschuldung der Betroffenen: "Hier werden die Lebenspläne von vielen tausend Menschen sehenden Auges zerstört."

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