TVStud-Initiativen fordern Tarifverträge für studentische Hilfskräfte

27.06.2021
Campus-News, Arbeit
hm

Am 5. April startete die bundesweite TVStud-Kampagne mit dem Ziel, bessere Arbeitsbedingungen für studentische Hilfskräfte zu schaffen.

Die bundesweite Kampagne "TVStud" will bessere Arbeitsbedingungen für studentische Hilfskräfte schaffen und setzt dafür u.a. auf eine Petition. Auch der AStA der JGU Mainz unterstützt die Initiative.

"Tarifverträge für Studenten", kurz "TVStud", sind lokale und vernetzte Basisinitiativen, die sich für bessere Arbeitsbedingungen studentischer Hilfskräfte einsetzen. Zu ihnen gehört auch die neu gegründete Initiative in Mainz. Sie verfolgt zusammen mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Johannes Gutenberg-Universität das Ziel, die Arbeitsbedingungen durch Tarifverträge zu verbessern.

Grund für die Kampagne sind die bevorstehenden Tarifverhandlungen der Länder, die im Herbst 2021 stattfinden. Wissenschaftliche Hilfskräfte gibt es an jeder Universität und in jedem Fachbereich, jedoch sind diese nicht Teil der Verhandlungen der Länder, da sie ohne Tarifvertrag nicht an ihre Stelle gebunden sind. 

"Wir sind ja nur eine Hilfskraft."

So ergeht es auch Miriam. Seit knapp einem Jahr ist sie nun als wissenschaftliche Hilfskraft tätig. Vor allem in solchen Stichzeiten wie zu Semesterbeginn und in ähnlichen wichtigen Wochen wie der Prüfungsanmeldephase wird es für sie stressig: "Ich arbeite mehr als vereinbart", berichtet sie über solche Phasen. In diesen Wochen könne sich die vorgegebenen fünf Stunden im Extremfall mehr als vervierfachen. 

Zu Miriams Aufgaben gehört beispielsweise, Moodle-Gruppen zu erstellen, die Teams zu betreuen und Aufgaben auf die Plattform zu stellen. Grundsätzlich gefällt der Mainzer Studentin die Arbeit, sie würde sie auch weiterempfehlen. Jedoch kritisiert sie die fehlende Würdigung und wünscht sich eine größere Aufklärung darüber, wie wichtig die Arbeit der wissenschaftlichen Hilfskräfte für die Universität ist: Sie wünscht sich "eine offene Kommunikation und Klarheit" zwischen den Studienbüros und den Hiwis, damit beide Seiten mehr darüber wissen, wie viel zu tun ist und sich einander am besten unterstützen können.

Nach nun einem Jahr als Hilfskraft hat Miriam die Erfahrung gemacht, dass solchen Stellen, besonders in Zeiten von Corona, eine große Bedeutung zukomme: "Ich glaube, dass vieles in der Uni nicht mehr so laufen würde, wenn die Hiwis auf einmal aufhören würden zu arbeiten. Ich glaube nicht, dass das System dann so weiterlaufen würde."

Diese Schlüsselrolle sieht sie allerdings auch kritisch: "Wir sollten eigentlich nicht systemrelevant sein, sondern in irgendeiner Weise in unterstützender Form da sein. Wir sind ja nur eine Hilfskraft." Dennoch beklagt sie, dass für Hiwis wichtige Regelungen wie Löhne, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsgeld oder eine Mindestvertragslaufzeit oft nur unzureichend in den Verträgen festgelegt seien. 

Petition plädiert für Tarifverträge

Genau and dieser Stelle setzt die aktuelle Kampagne der TVStud-Initiativen an: Konkret gefordert werden existenzsichernde Löhne, jährliche Lohnerhöhungen, eine bessere Planbarkeit durch eine Mindestvertragslaufzeit, die Einhaltung von Mindeststandards wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Urlaubsanspruch und ein Mitspracherecht für Hilfskräfte. Auch eine Anbindung an die Lohnsteigerung des Tarifvertrags der Länder und die demokratische Teilhabe in Personalräten sind Teile der Forderungen. In Berlin wurden diese Forderungen bereits vor Jahren umgesetzt. Hier sind die Hiwis mit Hilfe eines Tarifvertrages an ihre Arbeitsstelle gebunden.

Derzeit (Stand: 27. Juni 2021) wurde die Petition für Tarifverträge bereits etwa 4500-mal unterzeichnet. Zu den Unterstützer:innen zählen Studierende, Professor:innen, aber auch Parteien, Gewerkschaften und Einzelpersonen. Für Joscha Bär, der an der JGU studiert und dem AStA sowie der Mainzer TVStud-Initiative angehört, sei die Kampagne mit diesen ersten Schritten, wie der Vernetzung der verschiedenen Gruppen und der Petition, auf einem guten Weg: "Die Arbeitgeber:innen kennen unsere Forderungen, sie wissen Bescheid, könne es sich aber leisten, uns Hiwis zu ignorieren." Wie Miriam ist auch er überzeugt davon, dass Hiwis ein entscheidendes Zahnrad im Unigetriebe sind und diese Position stärker gewürdigt werden soll: "Wenn man sich zusammenschließt und Macht ausdrückt, können wir nicht mehr ignoriert werden, denn ohne die Hiwis läuft die Uni nicht."

Der nächste Schritt sei es, mehr Aufmerksamkeit und Reichweite zu gewinnen, erklärt Joscha Bär. Jede Hilfskraft solle wissen, dass ein Recht auf bessere Arbeitsbedingungen bestehe und sie sich an die Gruppen bei TVStud wenden könne, um dieses einzufordern. Hierzu informiert die Gruppe regelmäßig über Telegram; auch regelmäßige Treffen über BigBlueButton sind Teil der Mobilisierungsstrategie.

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