„Tu Na Me Nsa!“

28.06.2014
Public Viewing, Campus-News...
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Frontsänger "Fish" animiert zum Call & Response.

Gute Stimmung trotz bedenklicher Wolken.

Die Bühne ist nicht genug!

Zur finanziellen Unterstützung der Ghana Bigshots standen sowohl Shirts zum Verkauf...

... als auch die neue CD.

WM-Pause perfekt genutzt: die „Ghana Bigshots“ sorgen für Partystimmung auf der Public-Viewing-Wiese an der Muschel.

Statt schwarz-rot-goldenem Fußballgedränge stand am Freitagabend auf dem Campus der Uni Mainz eine afrikanische Musikgruppe im Mittelpunkt. Die Ghana Bigshots überzeugten mit einer melodisch wie rhythmisch starken Live-Performance rund um Frontsänger „Fish“ (Mark Millas), der die Grenze zwischen Publikum und Band verschwimmen ließ. Obwohl das Wetter nicht ganz mitspielte und der einsetzende Regen das Konzert nach knapp zwei Stunden vorzeitig beendete, zeigte das Publikums nicht nur bei einem der zahlreichen Call-and-Response-Gesänge mit einem weit hörbaren „I like it very much!“, wie gut der Auftritt gefiel.

Im Interview sprachen wir mit Frontsänger, Bandleader und Multi-Instrumentalist „Fish“ über die Europatour seiner Band und afrikanische Musikstile.

Willkommen in Deutschland! In Ghana seid ihr schon sehr bekannt, jetzt macht ihr eine Europatournee. Wo wart ihr schon und wohin geht es als nächstes?

Fish: Am 12. Juni sind wir in Ghana abgeflogen. Dann ging es nach Bayreuth und Berlin, jetzt sind wir in Mainz und als nächstes spielen wir bei der Grube Messel nahe Darmstadt. Der Höhepunkt ist dann das Afrikafestival Hertme in den Niederlanden Anfang Juli. Es sind unsere ersten Auftritte außerhalb Afrikas.

Die Ghana Bigshots sind ja eine recht große Band. Wie habt ihr euch alle kennengelernt?

Fish: Das war 2008. Wir kommen alle von der University of Ghana in Legon. Manche studieren noch, aber viele haben mittlerweile ihren künstlerischen Abschluss oder machen noch einen Master. Ich bin einer der Gründer der Band und habe am Anfang nach Leuten gesucht, die einfach leidenschaftlich Musik machen. Mittlerweile sind wir 13 Leute.

Was war bei der Gründung dein Ziel für die neue Musikgruppe?

Fish: Eigentlich kamen wir zusammen, um an einer Reality-Show im ghanaischen Fernsehen teilzunehmen, einem Bandwettbewerb. Dadurch wurden wir bekannt und haben einen fünfjährigen Entwicklungsplan gemacht.

Ist der Plan soweit aufgegangen oder gab es viele Probleme?

Fish: Wir haben zuletzt einmal unseren Bandnamen geändert. Am Anfang haben wir uns lange Zeit „Bigshot“ genannt. Es gibt aber schon eine amerikanische Band, die „Big Shot“ heißt, deshalb haben wir uns 2013 umbenannt, um Verwirrungen bei den neuen Fans zu vermeiden und unser Land, unsere Wurzeln, stärker zu betonen: unser großes Ziel ist es, ghanaische Pop-Musik bekannter zu machen. Es macht mich tief im Herzen traurig, dass viele junge Ghanaer vor allem amerikanischen Rap und elektronische Musik hören, und auch sonst auf der Welt jeder Reggae oder Afrobeats kennt, aber niemand unseren Stil: Highlife. Deshalb sind wir hier. Wir wollen in Deutschland und Europa für Highlife Werbung machen.

Wie erklärt man denn einem Europäer den Unterschied zwischen Afrobeats und Highlife?

Fish: Beides hat afrikanische Wurzeln. Der größte Unterschied liegt an Schlagzeug und Percussion. Beim Highlife ist der Grundbeat eher gerade, also „eins - zwei - drei - vier“, bei den Afrobeats synkopischer. Highlife ist eine besondere Musikmischung, eine Art „Afrofusion“, basierend auf unserem eigenen, ghanaischen Musikstil, dazu kommen europäische und amerikanische Elemente.

Im April ist euer erstes Album erschienen, es heißt „Tu Na Me Nsa“. Was bedeutet das?

Fish: Wörtlich übersetzt heißt es „dig and let me scoop“ („Grab' du, und lass mich die Erde herausschaufeln“, bzw. doppeldeutig: „Wenn du gräbst, komme ich dir zuvor, helfe dir dabei“). Das ist der Gegensatz zu einem bekannten ghanaischen Sprichwort, „Walatu, Walasa“: „Grab' und schaufle selbst“, was besagt, dass sich jeder um sich selbst kümmern soll, egal, was die anderen machen. Aber dieses Motto finden wir zu egoistisch. Daher der Titel.

Zum Abschluss noch eine Frage zu euren Fans. Gibt es große Unterschiede zwischen ghanaischem und deutschem Publikum?

Fish: Die Deutschen sind auf jeden Fall sehr empfänglich für unsere Pop-Musik. Deutschland ist ja auch eines der Länder, die in den 80ern schon durch die Diskos Musik aus der Highlife-Richtung mitbekommen haben. Diese Elemente des Highlife wollen wir auch in Ghana wieder etablieren.

 

Zustande gekommen ist die Deutschlandtour der Ghana Bigshots übrigens über Dr. Markus Coester vom Institut für Anthropologie der Universität Bayreuth und dem Goethe-Institut in Ghana, das auch die Aufnahme der CD „Tu Na Me Nsa“ finanziell unterstützt hat. Der Auftritt auf dem Mainzer Campus wurde in Zusammenarbeit mit dem Archiv für die Musik Afrikas der JGU unter der Leitung von Dr. Hauke Dorsch organisiert. Allen Helfern und Kontaktpersonen und natürlich den Ghana Bigshots sei an dieser Stelle noch einmal herzlich für den stimmungsvollen Abend gedankt!

 

Interview und Übersetzung aus dem Englischen von Jakob Reifenberger.

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