Theaterkritik | Pride and Prejudice

02.05.2019
Freizeit
jmi

Das "Day-Old Theatre" zeigt Anfang Mai Jane Austens "Pride and Prejudice" im Hörsaal P1 im Philosophicum der Uni Mainz.

Das "Day-Old Theatre" bringt Jane Austens "Pride and Prejudice" auf die Bühne des P1. Karten an der Abendkasse.

Attention: Contains mild spoilers!

Endlich: "Pride and Prejudice" auf dem Campus. Das "Day-Old Theatre" (DOT) lockt Anfang Mai Theaterenthusiast:innen, Jane-Austen-Fans und Anglophile mit der Inszenierung des wohl bekanntesten und beliebtesten Stücks der britischen Schriftstellerin in die Zuschauerränge des P1. Die Premiere am Maifeiertag war ein voller Erfolg.

Auftakt unter regem Applaus

Die Besucher:innen tummeln sich schon lange vor Beginn um das P1, gespannt das Schauspiel erwartend mit Getränken, die das Team aus Helfenden um die Theatergruppe zu den Aufführungszeiten verkauft. Ein Programmheft stimmt auf das Spektakel ein und frischt mit "An Accomplished Gentleperson’s Guide To Polite Conversation" die Englischkenntnisse auf. Denn das DOT spielt natürlich auf Englisch, ein Alleinstellungsmerkmal unter den Theatergruppen auf dem Campus.

Von der ersten Minute an saugen die schauspielerischen Leistungen und das historisch anmutende Bühnenbild in den Bann der Geschichte um die romantischen Verstrickungen der Bennetschwestern. Diese werden mit all ihren bekannten Eigenheiten dargestellt: Kathleen Shaw spielt die anmutige, aber zurückhaltende älteste Schwester Jane, während Şafak Şengül mit elegantem britischen Akzent die charakterstarke Elisabeth präsentiert. Madita Voß und Laura Harff überzeugen mit ihren quirligen Versionen von Kitty und Lydia. Valentina Woronzows als Mary Bennet ist die nüchterne Stimme der Vernunft und fungiert gleichzeitig als Kommentatorin des Treibens auf der Bühne. Das Casting ist trefflich: Darsteller Stefan Wagner habe sich die Rolle des Mr Darcy gesichert, als er auf einer Halloweenparty als ebendieser aufgetaucht sei, erzählt die Regisseurin des Stücks Laura Harff.

Fans des Romans finden zahlreiche Anspielungen auf Austens Vorlage, aber auch auf bekannte filmische Adaptionen: Die BBC-Produktion von 1995 mit Colin Firth in der Rolle des Mr Darcy, Joe Wrights Hollywood-Film von 2005 und auch die ausgefallene neue Adaption "Pride and Prejudice and Zombies" lassen ihren Einfluss auf das Schauspiel erkennen. Elisabeth und Darcy verlieren sich auf der P1-Bühne in ihrem bedeutungsschweren, dialogreichen Tanz wie seinerzeit Keira Knightley und Matthew Macfadyen auf der Kinoleinwand.

Das harmonische Zusammenspiel zwischen Ensemble, Musik und Lichttechnik bereitet ein kurzweiliges Vergnügen. Am Ende ist "Pride and Prejudice" eine Komödie um gesellschaftliche Konventionen, mit der das DOT auch die Lachmuskeln des Publikums beansprucht. Ob minutiös geplant oder on the spot improvisiert: running gags, die Bühnenbildteile involvieren, sorgen bei der Premiere für große Erheiterung. 

"Pride and Prejudice" and the Passion in Producing

Dabei klingt eine Vorbereitungszeit von insgesamt sechs Monaten sehr kurz: In dieser Zeit machte das Stück die Entwicklung von der Idee über Skript und Proben bis zur Inszenierung durch. Tatsächlich hegte Laura als Fan des Jane Austen-Romans schon lange den Wunsch, die Geschichte auf die Bühne zu bringen und konnte die Theatergruppe von ihrer Idee überzeugen. In der Regie unterstützten sie Julia Schrupp und Cem Yöndem, die die Rollen von Mrs Bennet und Lt Wickham innehatten. Laura spielte dabei die ganze Zeit eine Doppelrolle: Als Regisseurin gab sie maßgeblich die Richtung der Inszenierung an, während sie gleichzeitig die nicht wirklich ernstzunehmende Lydia Bennet spielte. Keine einfache Aufgabe.

Im Gespräch nach der Premiere erzählt mir Laura, dass zunächst ein existierendes Skript verwendet werden sollte. Jedoch gab es ein Problem: Das Skript darf nur unverändert verwendet werden – eine kreative Bremse für das DOT. So machten sie sich im Januar zusammen mit Julia daran, ein eigenes Skript basierend auf der Romanvorlage mit den Einflüssen bekannter Adaptionen zu schreiben.

Aber nicht nur darin zeigt sich die Leidenschaft der Theatergruppe. Das Bühnenbild besteht zum größten Teil aus privat zusammengetragenen Objekten, die Liebe zum Detail ist nicht zu übersehen. Die Städtischen Bühnen Frankfurt steuerten unter anderem die historischen Kostüme von Ms Caroline Bingley (Anna Sunnus) und Mr Bennet (Konrad Löbcke) bei. Das Urteil lautet also: Auf ins P1! Für "Pride and Prejudice" des DOT lohnt es sich, den neuen "Avengers"-Film oder "Game of Thrones" aufzuschieben.

Theater mit Tradition

Das DOT besteht bereits seit 28 Jahren und ist somit die älteste studentische Theatergruppe an der JGU Mainz. Es bringt seither ein bis zwei Theaterstücke auf die Bühne und erfreut sich konstant großer Beliebtheit bei Publikum und denjenigen, die sich für ein Engagement als Ensemblemitglied interessieren. Zurzeit sucht die Gruppe nicht aktiv nach weiteren Mitgliedern, lädt aber trotzdem zum Kennenlernen des DOT ein.

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