Studierendenwerke in finanzieller Not

05.08.2020
Essen, Wohnen...
jsp

Studierendenwerke in Rheinland-Pfalz verzeichnen wegen geringerer Nachfrage in Mensen und Wohnheimen momentan starke Einbußen und können daher u.a. Arbeitsverträge nicht verlängern.

Rheinland-pfälzische Studierendenwerke sehen sich wegen der Corona-Pandemie zu Einsparungen gezwungen. Auch das Studierendenwerk Mainz und seine Mitarbeiter:innen spüren die Folgen.

Die Corona-Pandemie bereitet den Studierendenwerken in Rheinland-Pfalz erhebliche finanzielle Probleme. Mensen und Cafeterien sind geschlossen oder arbeiten eingeschränkt und auch Wohnheimplätze werden gekündigt. Dadurch sinken die Einnahmen der Studierendenwerke und ziehen folglich einen Ausfall von Arbeitsplätzen mit sich. 

Denn durch die Umstellung von Präsenz- auf Onlinelehre im Sommersemester 2020 und den dadurch leereren Campus konnten Saisonkräfte, die in der Regel während der Vorlesungszeit in Mensen und Cafeterien eingesetzt werden, für das Sommersemester 2020 keinen Arbeitsvertrag abschließen. Auch für das Wintersemester 2020/21 stehen die Chancen schlecht, teilt der Pressesprecher des Studierendenwerks Thomas Kohn-Ade auf Anfrage mit.

Verluste in Mensen und Wohnheimen

Auch die JGU ist betroffen. Derzeit ist auf dem Campus nur die Mensa im Georg-Forster Gebäude geöffnet. Darüber hinaus beliefert der Mensablitz die Wohnheime in Campusnähe (campus-mainz.net berichtete). Auf Anfrage bestätigt Thomas Kohn-Ade jedoch, dass das Studierendenwerk Mainz aufgrund des eingeschränkten Betriebs der Mensen in der Gastronomie Umsatzeinbußen von rund 80 Prozent im Jahre 2020 erwarte.

Auch wenn zurzeit noch Wohnheimplätze belegt seien, könne sich das zum Wintersemester ändern. Plätze für ausländische Studierende, die nicht anreisen können, würden dann beispielsweise wegfallen. Und auch deutsche Studierende, deren Anwesenheit in Mainz aufgrund der digitalen Lehre nicht erforderlich sei, könnten ihre Verträge kündigen. Durch die fehlenden Verträge würden dem Studierendenwerk aus dem Sommersemester Mieteinnahmen von rund 358.000 Euro fehlen, berichtet Kohn-Ade auf Anfrage. Angesichts dieser Einnahmeeinbußen werde ihm zufolge deutlich, "dass hier eine Unterstützung durch das Land erforderlich ist, um nicht 2021 die Miete pandemiebedingt erhöhen zu müssen."

Derzeit vor allem Saisonkräfte betroffen

Da es momentan auf dem Campus so wenig Betrieb gebe, sei es unmöglich, Saisonkräften in Mainz einen Vertrag anzubieten, teilt Kohn-Ade weiterhin in der Süddeutschen Zeitung mit. Die Verträge der 24 Saisonkräfte konnten bereits nicht verlängert werden. Besonders betroffen seien überwiegend Frauen, viele davon alleinerziehend oder mit Migrationshintergrund. Petra Weitzel, die zuständige Ansprechpartnerin in der GFG-Mensa, teilte auf Anfrage mit: "Den Kollegen und Kolleginnen, die zum aktuellen Zeitpunkt nicht eingesetzt werden können, fällt die derzeitige Situation schwer." Sie hofft in erster Linie, dass die derzeitige Belegschaft ihren Arbeitsplatz behalten könne. Für die Zukunft wünsche sie sich darüber hinaus, dass das Studierendenwerk Mainz weiterhin "ein starker Arbeitgeber" bleibe. Dies könne jedoch nur mit Präsenzvorlesungen gelingen und benötige auch die Mithilfe der Universitäten und der Hochschulen.

Insgesamt verfügt das Studierendenwerk Mainz über rund 300 Beschäftigte. Die Stammbelegschaft konnte bisher "durch Maßnahmen wie das Kurzarbeitergeld vor betriebsbedingten Kündigungen" geschützt werden, berichtet Kohn-Ade auf Anfrage.

Laut dem Landessprecher der Studierendenwerke in Rheinland-Pfalz, Andreas Schülke, könne man es sich nicht leisten, nicht unbedingt notwendige Arbeitskräfte weiterhin zu beschäftigen, um das Überleben der Studierendenwerke zu garantieren. In Rheinland-Pfalz seien derzeit insgesamt 200 bis 250 Saisonkräfte betroffen. Laut dem SWR könne sich dies bei langfristigem Fehlen der Studierenden auf dem Campus auch auf die 700 Festangestellten der Studierendenwerke in ganz Reinland-Pfalz auswirken.

Keine Hilfe vom Land

Derzeit wird den fünf Studierendenwerken in Rheinland-Pfalz keine Hilfe vom Land zuteil (Stand: 22.07.2020). Der Landessprecher der Studierendenwerke Schülke betonte, dass sich um finanzielle Unterstützung beim Land bemüht wurde und in diesem Zuge ein Brief an das Wissenschaftsministerium verfasst worden sei, in dem "schnelle Landeshilfe und mögliche Lösungen" gefordert worden seien. Jedoch können die Studierendenwerke Rheinland-Pfalz von der Landesregierung derzeit keine finanzielle Unterstützung erwarten: Der Einschätzung des Wissenschaftsministeriums zufolge befinde sich keines der Studierendenwerke in einer wirtschaftlich bedrohlichen Lage. Aufgrund der Insolvenzunfähigkeit der Studierendenwerke müsse "das Land bei drohender Zahlungsunfähigkeit eines Studierendwerks einspringen". In diesem Zusammenhang müssten zunächst nicht notwendige Personalkosten vermieden werden.

Kohn-Ade zeigt sich jedoch entschlossen, betriebsbedingte Kündigungen möglichst verhindern zu wollen. Das Studierendenwerk führe derzeit in diesem Zusammenhang "Gespräche mit dem Ministerium, wie ein sozialverträglicher Personalabbau gelingen kann." Die Geschäftsführerin des Studierendenwerks Mainz, Alexandra Diestel-Feddersen, fordert auf Anfrage darüber hinaus: "Für die Übergangszeit und für den Umbau benötigen wir die finanzielle Unterstützung des Landes."

Um ein "zukunftsfähiges Konzept für die Studierendenwerke zu erarbeiten", lädt der Wissenschaftsminister Konrad Wolf am 17. August 2020 in Mainz zu einem ersten Gespräch ein. Mit den Geschäftsführer:innen und Vorsitzenden der Verwaltungsräte und Personalvertretungen der Studierendenwerke sollen dort "weitere Maßnahmen und erste Weichen für die Zukunft" beschlossen werden.

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