Studi-Etiquette: Zehn ungeschriebene Regeln fürs Studium

04.07.2020
Studium, Ersti-Hilfe...
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Wer sich allein auf dem Campus orientieren will, sollte nach ungeschriebenen Regeln Ausschau halten. Einige von ihnen werden an der JGU Mainz mal mehr, mal weniger beherzigt.

Was für viele Studierende zum Alltag gehört, ist für Studienanfänger:innen ein Rätsel. Manche ungeschriebenen Dos and Don'ts auf dem Campus Mainz scheinen aber auch für "alte Hasen" Neuland zu sein.

Wie verhält man sich eigentlich auf dem Campus? Was hätte man am liebsten schon vorher gewusst? Dieser Artikel dient dazu, die Angespanntheit vor dem ersten Besuch an der Uni zu reduzieren, und gibt ein paar Tipps, wie man den Studi-Alltag einfach und erfolgreich meistern kann.  

1. Live-Seminare im digitalen Semester

Das Mikrofon sollte unter anderem in folgenden Situationen ausgeschaltet sein: Baustelle neben der Wohnung, schreiende Kinder und Eltern in der Umgebung und auch bei lautem Kauen und Schmatzen. Um den Sprechenden gut zu verstehen, schaltet man grundsätzlich, wenn man selbst nichts sagt, das Mikrofon besser aus.

Die Kamera kann man gerne anschalten, so sieht der Dozierende, mit wem er es zu tun hat und dass da jemand ist, der ihm zuhört. Hier sollte man beachten, dass die anderen Teilnehmer:innen nicht nur dich, sondern auch den Hintergrund von dir sehen. Sag also deinem Mitbewohner:innen Bescheid, bevor er frisch aus der Dusche kommt und nichtsahnend durch den Hintergrund deines Videochats läuft.

Was auch unangenehm werden könnte: Du chattest während einer Online-Veranstaltung mit deinen Freund:innen und plötzlich merkst du, dass du die letzte Nachricht nicht in euren privaten Chat, sondern in den Uni-Gruppenchat der Veranstaltung geschrieben hast.

Dasselbe gilt, wenn du denkst, du hättest dein Mikrofon aus und beschwerst dich bei denen Mitbewohnern über die langweilige Veranstaltung, bis du merkst: das Mikrofon war die ganze Zeit an… 

2. Ersti-Etiquette

Ersti-Woche: Alle sind aufgeregt, niemand kennt jemanden, alle wollen neue Freund:innen finden. Keine Angst, ihr sitzt alle im selben Boot, scheu dich also nicht davor, auf Kommiliton:innen zuzugehen, sie werden sich sicherlich freuen und dir sehr dankbar sein!

Noch ein wichtiger Tipp: Nutze die Angebote an Veranstaltungen für Erstis. Sie sind tolle Gelegenheiten, um neue Freund:innen aus deinem Studiengang zu finden und sie machen eine Menge Spaß. Alle weiteren Infos, die du als Studienanfänger:in brauchst, findest du hier

3. Der Umgang mit Dozierenden

In der Regel sind Dozierende aufgeschlossene und hilfsbereite Personen, bei denen man sich nicht scheuen muss, eine Frage zu stellen. Ganz im Gegenteil, sie freuen sich oft sogar (vor allem im Online-Seminar), wenn sie Rückmeldung erhalten und Fragen gestellt werden, da ihnen somit wohl jemand zugehört hat.

Allerdings sollte man für eine kleine Frage keine ganze Sprechstunde bei einem Dozierenden belegen, denn diese sind oft Mangelware. Manchmal reicht eine E-Mail von der JGU-Mail-Adresse oder ein kurzes Gespräch nach der Veranstaltung aus.

Achte bei E-Mails auf die korrekte Form: Den richtigen Titel (Professor, Doktor, etc.) in der Anrede verwenden, nicht in Umgangssprache schreiben und auch keine Emojis oder Smileys verwenden. Manche Dozierenden legen darauf zwar mehr Wert als andere, so ist man aber jedenfalls immer auf der sicheren Seite.

4. Kameradschaft zwischen Kommiliton:innen

Lass deine Kommiliton:innen nicht hängen. Wenn du ein Partner- oder Gruppenreferat halten sollst und zwei Tage vorher ein Kratzen im Hals verspürst, dann sag deinen Partner:innen Bescheid. Wenn dein:e Partner:in nämlich denkt: "Ach, ich werde schon nicht krank", dann aber morgens mit Fieber nicht aus dem Bett kommt und du vor dem Kurs stehst und nur ein halbes Referat hast, könnte es unangenehm werden.

Sobald du deine:n Referats-Partner:in bzw. den Namen der Person kennst, setze dich mit ihr in Verbindung. Wenn du diese Person, mit der sich in Verbindung gesetzt wird, bist: ghoste dein:e Partner:in nicht. Sprecht euch einfach direkt ab, wer die anteilige Arbeit wann und wie macht.

Ersti-Tipp: Es ist nicht mehr wie in der Schule, wo die älteren Schüler:innen in höheren Stufen die coolen waren und man sich nicht mal getraut hat, ihnen in die Augen zu schauen. Die meisten Studierenden sind in der Regel, unabhängig von Semesteranzahl, Alter und Aussehen, offen und freundlich, also tausche dich mit so vielen aus, wie es dir möglich ist, und du wirst den ein oder anderen tollen Menschen kennen lernen!

5. Engagement auf dem Campus

Es ist immer gut, auch außerhalb vom Pflichtstudium an dem Leben auf dem Campus teilzunehmen. Viele Workshops, Sport-, Sprach- und Kulturkurse werden sehr günstig und oft sogar kostenlos angeboten. Es gibt viele Organisationen, bei denen man sich engagieren kann und gleichzeitig auch viele neue Leute kennenlernt. Dabei musst du dich aber auch nicht unbedingt völlig neu entdecken: Welche Leidenschaften hast du? Was macht dir besonders viel Spaß? Für fast jedes Hobby gibt es eine Hochschulgruppe. Wenn du dich beispielsweise für Journalismus, Marketing, Veranstaltungsplanung, Technik oder Social Media interessierst, kannst du unverbindlich in die verschiedenen Bereiche von Campus Mainz e.V. reinschnuppern.

Um Anschluss zu finden und neue Kontakte zu knüpfen, ist es weiterhin immer gut, ein wenig Insiderwissen über den Campus zu kennen, beispielsweise was es mit der berühmten Tür im Philosophicum auf sich hat (campus-mainz.net berichtete). Es ist durchaus lohnenswert, sich mal mit der Geschichte des Campus auseinanderzusetzen und vor allem so viel wie möglich aus der Studienzeit mitzunehmen!  

6. Verhalte dich in Veranstaltungen respektvoll

Gerade für junge Dozierende, die vor Vorträgen wahrscheinlich genau so aufgeregt sind wie du und ich, ist es sehr unangenehm, wenn der halbe Saal gähnend und mit einer Hand den Kopf abstützend auf das Display seines Handys schaut. Der oder die Dozierende nimmt seine Zuhörer tatsächlich wahr, also verhalte dich in einer Vorlesung so, wie du dir dein Publikum während eines eigenen Vortrags wünschst.

Dozierende geben sich oft viel Mühe, damit Studierende aufmerksam am Ball bleiben. Was sie in der Planung der Vorlesung nicht beachten, ist, wenn eine Person zehn Minuten zu spät kommt, die Tür aufreißt und anschließend laut ins Schloss knallen lässt, laut stampfend in die vorderste Reihe geht und dann auch noch eine ganz außergewöhnliche Jacke trägt, über die der Saal erstmal tuscheln muss, bevor die Aufmerksamkeit wieder auf die Vorlesung gehen kann.

Selbstverständlich überziehen Dozierende aus vorherigen Veranstaltungen auch mal, der Bus kommt mal nicht oder der Wecker klingelt nicht laut genug. Aber wenn du deshalb mal zu spät kommst, setz dich lieber hinten hin und versuche, so leise wie möglich zu sein, um deine Kommiliton:innen und deine Dozierenden nicht zu sehr abzulenken.

7. Verhaltensregeln in der Bibliothek

Während der Vorlesungszeit sind die Arbeitsplätze in den Bibliotheken oft besetzt und man weiß nicht, wo man in Ruhe arbeiten kann. Wenn du aber zum Beispiel als Mediziner:in bei 38 Grad Fußball gucken willst, dann ist die Kunstgeschichtsabteilung der GFG-Bib nicht der richtige Ort dafür.

Es ist völlig legitim, wenn man mal in der Bibliothek chillt, weil man einen ruhigen Rückzugsort braucht. Für die Studierenden, die aber einen Aufsatz schreiben und dafür die Literatur aus dem jeweiligen Fachbereich brauchen, ist es ärgerlich, wenn die Arbeitsplätze dort für Tätigkeiten besetzt sind, die man auch woanders tun könnte. Arbeite also, wenn die Bibliothek sowieso schon sehr voll ist, in deinem eigenen Fachbereich oder in einem anderen Raum.

Freie Besprechungsräume zu finden, wenn man sie braucht, ist meistens ein langer Prozess. Umso ärgerlicher, wenn dann die Räume von schlafenden oder Netflix-schauenden Leuten besetzt sind. Auch hier wieder der Tipp: bei Mangel an Arbeitsplätzen denen den Vorrang lassen, die diese Plätze wirklich benötigen, und auch mal die unbekannteren Bereichsbibliotheken erkunden, sofern du keine spezifische Literatur sondern nur einen ruhigen Ort zum Lernen brauchst.

8. "Es gibt hier auch Leute, die sich konzentrieren wollen!"

Du sitzt in der Vorlesung und denkst dir: "Wow, das Thema ist ja tatsächlich mal ziemlich interessant." Da willst du einmal richtig zuhören und hinter dir sitzen ausgerechnet zwei Kommiliton:innen, die das ganz und gar nicht interessant finden und stattdessen lieber 90 Minuten über Gott und die Welt reden.

In der Regel herrscht in der Vorlesung keine Anwesenheitspflicht. Wenn dir also schon klar ist, dass dich ein Thema überhaupt nicht interessiert und du unbedingt Neuigkeiten mit deinen Freund:innen austauschen musst, dann lass doch lieber deinen Kommiliton:innen die Chance, der Vorlesung zu folgen, und verhalte dich währenddessen unauffällig – oder geh einfach nicht hin.

9. In der Mensa

Nach der zweiten Veranstaltung, die um 11:45 Uhr endet, scheint es, als hätten alle Studierende dasselbe Ziel: die Mensa. Bis 14 Uhr herrscht dort Hochbetrieb. Wer keine Zeit zum langen Anstehen hat, muss sein Essen entweder an einem ruhigeren Standort holen oder zu einer anderen Zeit kommen. Alle Essens-Standorte an der JGU findest du in dieser Übersicht.

Üblicherweise ist zwischen jeder Gruppe an den Sitzplätzen der Mensa mindestens ein Stuhl frei. Zu den Zeiten, an denen viel los ist, ist es sehr zuvorkommend, wenn man, wenn es schon sein muss, höchstens einen Stuhl Abstand hält. Dies ist allerdings auf den Normalbetrieb bezogen. Während der Corona-Pandemie ist der Abstand gemäß den Vorschriften natürlich zu wahren.

Sobald man fertig mit seinem Essen ist, sollte man an einen anderen Ort wechseln, um hungrigen Studierenden und Universitätspersonal einen Platz zum Essen zu gewährleisten. Dass man anschließend seinen Platz sauber hinterlässt, sollte hier eigentlich nicht mehr erwähnt werden müssen.

10. Auffallend unauffällig in der Vorlesung

Vorher wurde schon geschildert, dass man, wenn schon zu spät, nicht den gesamten Kurs von der Veranstaltung ablenken sollte. Wie man das außerdem vermeiden kann? Keine privaten oder intimen Dateien auf dem Bildschirm öffnen, auf die alle Reihen hinter dir mit dir drauf schauen können. Außerdem keine spannende Serie schauen oder Spiele spielen, wobei alle Kommiliton:innen heimlich mitfiebern.

Lautes und streng riechendes Essen, wie beispielsweise Karotten und Thunfisch-Salat, sind ebenfalls Störfaktoren. Fußwippen, Fingertippen und Tratschen sind alles Dinge, von denen man erst weiß, wie nervig sie sein können, wenn man sie 90 Minuten aushalten musste.

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