Schwulenreferat demonstriert gegen salonfähigen Rechtsextremismus

28.02.2018
Campus-News, Studium...
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Ulrich Mai vom "Autonomen Schwulenreferat" des AStA der Universität Mainz.

Gendertheoretikerin und Künstlerin Friederike Nastold hielt ein Plädoyer für die Wissenschaftlichkeit und die Ziele der Gender Studies.

Manuel Wüst von Warmes Wiesbaden e.V. ...

...Ralf Harth von der Gruppierung "Frankfurter Engel Freundeskreis"...

...und der amtierende Mr. Gay Germany Enrique Doleschy hielten emotionale Plädoyers für eine tolerante Gesellschaft.

Rike Meyer von Vielbunt e.V. ...

...Fabienne Pasternak, die Aufklärungskurse in Schulen und Universitäten leitet,...

...Petra Weitzel von der "Deutschen Gesellschaft für Transitentität und Intersexualität"...

...und Kilian von den "Genderpanks" sprachen sich für eine umfangreichere Aufklärung über Geschlechterrollen, Identität und Sexualität in Schulen aus.

Etwa 85 Menschen versammelten sich am 3. Februar am Gutenbergplatz, um gegen eine Veranstaltung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zu demonstrieren. Die Demonstration richtete sich gegen "salonfähigen Rechtsextremismus".

Während im Erbacher Hof eine Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung mit dem Titel "Gender, Instrument der Umerziehung? Ziele, Kosten, Wirkung" stattfand, versammelten sich am Gutenbergplatz Demonstrierende, die der Meinung waren, dass die Stiftung mit ihrer Veranstaltung ein falsches Zeichen setzt.

Kurzfristig geplante Demonstration

Das liege vor allem daran, erklärten Ulrich Mai und Markus Braun vom Autonomen Schwulenreferat des AStA der Universität Mainz und Organisatoren der Demonstration, dass das Konzept der Tagung sehr einseitig sei. "Die Menschen, die zu den Vorträgen geladen sind, sind allesamt Menschen, die bundesweit mit sehr rechtslastigen Thesen aufgetreten sind und bereits dafür kritisiert wurden“, so Mai. Den Besuchern der Tagung werde ein völlig falsches Bild der Gender-Studies und auch der queeren Szene vermittelt. Mai machte allerdings schon zu Beginn deutlich, dass sich die Demonstration nicht grundsätzlich gegen die KAS, sondern nur gegen das Konzept der Veranstaltung und ihre Redner richte.

Nach Erscheinen eines Berichts über die Veranstaltung der Internetseite queer.de, organisierte das Schwulenreferat die "Demo gegen salonfähigen Rechtsextremismus“ innerhalb weniger Tage. Es behauptete damit nicht, dass die KAS rechtsradikal sei, sondern meine mit dem Begriff des 'salonfähigen Rechtsextremismus', dass rechtsextreme Positionen durch die Vorträge öffentlich vertreten werden und somit salonfähig gemacht würden. Weiterhin erklärte Mai in seiner Begrüßung, dass man sich für den Gutenbergplatz und gegen den Erbacher Hof als Ausrichtungsort entschieden habe, weil man so "gezielt einen friedlichen aufklärerischen Kurs verfolgen" und eine nicht voreingenommene Öffentlichkeit erreichen könne.

Gastredner sprechen sich gegen LGBTQ*-phobie aus

Unter den Rednern befand sich Gendertheoretikerin und Künstlerin Friederike Nastold, die ein Plädoyer für die Wissenschaftlichkeit und die Ziele der Gender Studies hielt. Sie verfolgten eine Politik der Sichtbarmachung und wirkten so dem Ausschluss "vermeintlich 'anderer' Menschen und Ungleichheiten" entgegen. Fabienne Pasternak, die Aufklärungskurse in Schulen und Universitäten leitet, erklärte, dass Aufklärung nicht mit Frühsexualisierung zu verwechseln sei. Auch Petra Weitzel von der Deutschen Gesellschaft für Transitentität und Intersexualität, Rike Meyer von Vielbunt e.V. und Kilian von den Genderpanks sprachen sich für eine umfangreichere Aufklärung über Geschlechterrollen, Identität und Sexualität in Schulen aus. Manuel Wüst von Warmes Wiesbaden e.V., Ralf Harth von der Gruppierung Frankfurter Engel Freundeskreis und der amtierende Mr. Gay Germany Enrique Doleschy hielten emotionale Plädoyers dafür, "immer wieder auf die Straße zu gehen, damit sich dieses neu-rechte, nach hinten gerichtete Gedankengut" nicht weiterverbreiten könne.

Die Reden wurden wiederholt durch den Applaus der Demonstrierenden unterbrochen. Einge der Anwesenden kritisierten das Format und die geladenen Gäste der Veranstaltung der KAS und merkten an, dass dadurch rechtspopulistische Meinungen legitimiert und falsche Definitionen der Gender Studies verbreitet würden. Auch hätten die Veranstalter Gegenpositionen einladen sollen, "damit eine Konversation möglich ist und nicht alles nur einseitig beleuchtet wird“, meint Lisa, eine Mainzer Studentin. Weiterhin gaben einzelne Anwesende zu, dass sie noch immer Angst davor haben, in der Öffentlichkeit diskriminiert zu werden und deshalb ihre Identifikation meist lieber gedeckt halten. Eine Veranstaltung wie die der KAS verstärke dieses Gefühl.

Volles Haus bei der KAS

Währenddessen war die Veranstaltung der KAS bis auf den letzten Platz ausverkauft. Zu Beginn betonte Karl-Heinz van Lier, Leiter des Politischen Bildungsforums, dass die KAS "lediglich ein Forum bieten" wolle, um ein "solch kontroverses Thema aufzubereiten".

Zu den Referenten gehörten die familienpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion und studierte Betriebswirtin Simone Huth-Haage, der Österreicher Tomas Kubelik, Gymnasiallehrer für Deutsch und Mathematik, sowie Josef Kraus, ehemaliger Schulleiter aus Bayern und Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Philosophin und Sprachwissenschaftlerin aus der Oberpfalz.

Die Diskussion, die keine ist?

In ihrem Vortrag "Gender ist gegen die Familie gerichtet" behauptete Huth-Haage, dass es in der Erziehung eines Kindes "sowohl der mütterlichen, als auch der väterlichen Fürsorge" bedürfe. Kubelik ließ an seiner Abneigung gegen den "Gender-Wahnsinn" keinen Zweifel.  In seiner "Kritik an der feministischen Sprache – Ein Vergleich mit Frankreich" sprach er von einer "Vergewaltigung der Sprache" durch das sogenannte Binnen-I, das seiner Meinung nach nicht im Einklang mit der deutschen Grammatik steht. Gendern stelle einen "Angriff auf die Kultur der Sprache" dar, der sie "schwerfällig, hässlich und unlesbar" mache. Zudem habe der Grad der Gleichheit nach Erachten des Gymnasiallehrers "nichts mit Sprache zu tun". Er lege stattdessen Wert auf "die Pflege der deutschen Sprache, auf Verständlichkeit, Klarheit und Eleganz".  

Für Kraus solle die Gender-Debatte keine staatliche Angelegenheit werden, Gerl-Falkovitz sprach von einer "wahren und von Gott geschaffenen Natur des Menschen".

Kontrovers wurde es bei der Veranstaltung also nicht. Obwohl die Rednerinnen und Redner ihren Schwerpunkt auf unterschiedliche Aspekte legten, die ihrer Meinung nach von "gendern" beeinflusst würden, kamen alle zum selben Schluss: Dass es "ein Ende für den Gender-Wahnsinn" geben müsse.

Junge Besucher kritisieren das Format

Auch einige der wenigen jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung der KAS konnten sich nicht dem Thema der Veranstaltung anfreunden. Der politische Salon habe gezeigt, dass "viele Ideen, die für unsere Generation selbstverständlich sind, gerade in älteren Generationen nicht vertreten werden", meinte ein Teilnehmer. Das habe er auch am Publikum erkennen können, das ein "traditionelles Bild von Mann und Frau" für selbstverständlich halte.

Reaktion der Konrad-Adenauer-Stiftung

Die KAS hatte schon vor der Demonstration auf Proteste gegen die Veranstaltung auf Twitter reagiert und eine weitere Veranstaltung mit dem Titel "Was leistet Gender“ für den Herbst angekündigt. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. 

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