Psychopathische Tendenzen beeinträchtigen Umgang mit sozialer Distanz

27.05.2020
Campus-News
jsp

In einer Studie der JGU konnten Wissenschaftler:innen herausfinden, dass Menschen mit psychopathischen Tendenzen häufiger den Wohlfühlabstand verletzen, obwohl sie Gesichtsausdrücke richtig deuten können.

Wissenschaftler:innen der JGU Mainz konnten bei Personen mit psychopathischen Tendenzen beobachten, dass sie in der sozialen Distanz keinen Unterschied zwischen fröhlich und wütend wirkenden Menschen machen.

Menschen mit psychopathischen Tendenzen fallen vor allem dadurch auf, dass sich ihr Verhalten in bestimmten Situationen von der gesellschaftlich akzeptierten Norm unterscheidet – besonders bei zwischenmenschlicher Kommunikation und emotionalen Reaktionen. Wie stark sie dabei die sozialen Signale ihres Gegenübers missachten, haben nun Wissenschaftler:innen der JGU in einem 3D-Labor mit Proband:innen untersucht, die tatsächlich solche Tendenzen aufweisen.

Die Studie der Abteilung für Allgemeine Experimentelle Psychologie am Institut für Psychologie der JGU kommt zu dem Ergebnis, dass Personen mit psychopathischen Tendenzen den gleichen Abstand gegenüber einer Person mit freundlichem und einer anderen mit wütendem Gesichtsausdruck halten – anders als Menschen ohne psychopathische Tendenzen, die bei letzterer eher auf Distanz gehen.

3D-Labor ermöglicht Begegnung mit virtuellem Avatar

Insgesamt nahmen 51 Frauen und 25 Männer im Alter zwischen 19 und 38 Jahren an zwei zusammenhängenden Experimenten teil. Vor den Tests wurden mittels eines Fragebogens mögliche psychopathische Tendenzen erfasst.

Danach wurden die Proband:innen mit der Versuchsumgebung vertraut gemacht. Das Labor erinnere an die 3D-Bilder im Kino, wobei im ersten Teil des Experiments ein Avatar auf einer Leinwand auf die Bewegungen der Teilnehmer:innen reagiere, so Robin Welsch. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Allgemeine Experimentelle Psychologie am Psychologischen Institut und Erstautor der Studie, an der auch Dr. Christoph Freiherr von Castell und Prof. Dr. Heiko Hecht mitgewirkt haben.

Im zweiten Teil der Untersuchung konnten die Proband:innen das virtuelle Gegenüber, in Reaktion auf die Mimik, mit einem Joystick steuern und hatten so beispielsweise die Möglichkeit, den Kontakt zu Avataren mit wütendem Gesichtsausdruck ebenfalls zu vermeiden.

Unterschiede bei Vermeidungstendenzen 

Das erste Experiment brachte unterschiedliche Abstände zutage, je nachdem, wie der Avatar wahrgenommen wurde: Zeigte der Avatar einen freundlichen Gesichtsausdruck, traten die Menschen ohne psychopathische Tendenzen auf etwa 1,00 bis 1,10 Meter Abstand an ihn heran. Bei einer wütenden Mimik waren es etwa 1,25 Meter. Menschen mit psychopathischen Tendenzen allerdings hielten unabhängig von dem Gesichtsausdruck 1,10 Meter Abstand ein. Sie machten also keinen Unterschied zwischen den Gemütszuständen ihres Gegenübers.

Die Teilnehmer:innen mit psychopathischen Tendenzen konnten im zweiten Experiment zudem keine "angemessenen Vermeidungsreaktionen" auf die Mimik des Avatars zeigen, auch wenn sie den Gesichtsausdruck des Avatars zurecht als wütend erfasst hatten, so Welsch. 

Insgesamt habe die Untersuchung der Universität zufolge gezeigt, dass Psychopathie nicht direkt zu einer unangemessenen sozialen Distanz führe, da bestimmte Abstände weiterhin eingehalten würden. Allerdings falle es Menschen mit solchen psychopathischen Tendenzen schwerer, je nach Situation einzuschätzen, ob und wenn ja, wie sie diesen Abstand zu ihrem Gegenüber verändern müssen.

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