Protest bei Vortrag von Felix Perrefort

06.06.2018
Campus-News, Studium
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Der Vortrag von Felix Perrefort wurde vom Veranstalter bereits nach 15 Minuten aus Sicherheitsgründen abgebrochen.

Am 5. Juni sorgte ein Vortrag des AStA Referats für politische Bildung für einen Polizeieinsatz an der Uni Mainz. Die im Vorfeld bereits umstrittene Veranstaltung musste aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden.

Am Dienstag musste eine Veranstaltung des AStA Referat für politische Bildung (PolBi) aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden. Es handelte sich um einen Vortrag von Felix Perrefort mit dem Titel "Islamisierung und antirassistisches Appeasement". Perrefort ist ein freier Autor aus Berlin. Er hat Filmwissenschaft und Kulturwissenschaft studiert. Unter anderem schreibt er als Gastautor für den Blog achgut.com, wo er sich – wie auch auf seiner Facebookseite – immer wieder kritisch gegenüber dem Islam äußert.

Verschiedene linke Gruppierungen, darunter der Antifaschistische Aufbau Mainz und die Hochschulgruppe Linke Liste (LiLi), übten im Vorfeld harsche Kritik am PolBi-Referat und dessen Referenten. Sie werfen Perrefort vor, rassistische Thesen zu verbreiten. Der Allgemeine Studierendenauschuss (AStA) und PolBi-Referent Robert Herr schafften durch die Veranstaltung eine Plattform für Rassismus und trügen somit zu einem diskriminierenden Klima gegenüber Muslimen an der JGU Mainz bei. 

Sie kündigten an, die Veranstaltung durch Proteste zu stören. Perrefort hingegen beteuerte auf seiner Facebook Seite seine Distanz zu rechtsextremistischen Gruppierungen. 

Was ist passiert?

Im Hörsaal P5 sollte der Vortrag stattfinden. Während einige noch einen Sitzplatz suchen, wird ein Flugblatt mit dem Titel "Information über den Referenten Felix Perrefort" ausgeteilt. Es soll über Perreforts Verbindung zu rechtsextremen Netzwerken berichten. Unterschrieben ist es mit "Antifaschistischer Aufbau Mainz". Schnell wird klar: hier sitzen mehr Demonstranten als Zuschauer.

Nach dem ersten Wort des Veranstalters ins Mikrofon wird die Bühne besetzt. Mit Trillerpfeifen und Slogans wird lautstark gegen den geplanten Vortrag demonstriert. Es werden Plakate mit der Aufschrift "Rassismus ist keine Alternative" in die Luft gehalten und mehrere Banner von linken Gruppierungen wie der "Linksjugend", "Antifaschistische Union" und "161mz" präsentiert. 

Sofort gibt es Gegenstimmen aus dem Publikum, die die Veranstaltung sehen wollen und die Demonstranten beschimpfen. Eine Frau, die mit Perrefort angereist zu sein scheint, streamt die Veranstaltung live auf Facebook. Es wird sich vor und zurück angeschrien, doch das hindert die Demonstranten nicht daran ihre vorher ausgeteilte Kritik an Perrefort vorzutragen.

Dieser steht mit nur wenig Abstand daneben und äußert sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Bei dem Vorwurf, Perrefort glaube, die rechtsradikale "Identitäre Bewegung" habe dazu beigetragen, "dass man endlich über die Gewalt von Muslimen und Einwanderern spricht", ruft er: "Lüge, scheiß Lügner". Auch das ist im Livestream zu hören. Die Kommentatoren unter dem Livestream sind sich einig, der Vortrag soll weitergehen. Was da passiert, fragen sich einige User. Andere fordern zu Gewalt auf: "wenn ich dort waere wuerde ich mit zwei schlagringen in den haenden von der zweiten reihe aus draufspringen und kiefer polieren" [sic].

Polizei rückt an, Veranstalter bricht ab

Auch im Hörsaal heizt sich die Stimmung in wenigen Minuten auf. Während die Demonstrierenden die Beschwerden des Publikums mit einem Megafon übertönen, kommt es zwischen den Sitzen zu einem Handgemenge. Zwei Sicherheitskräfte trennen die Auseinandersetzung. Keiner wird verletzt. 

Nach 15 Minuten werden die ersten Polizisten an den Türen bemerkbar. Um 18:20 Uhr tritt Veranstalter Lubahn schließlich erneut ans Mikrofon und gibt bekannt, dass er die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abbricht. Während er sich noch bei den Zuschauern entschuldigt, drängt sich ein Demonstrant an das Rednerpult und prangert den Polizeieinsatz gegen die Protestierenden an.

Das Publikum löst sich bereits auf, als Lubahn alle auffordert den Raum zu verlassen. Doch die Bühne bleibt vorerst besetzt. Als vor Aufnahme der Personalien und Anklage auf Hausfriedensbruch gewarnt wird, wird der Saal geräumt.

RCDS und LHG verurteilen Protest, Jusos schweigen

Im Netz gibt es bereits einige Reaktionen zu den Geschehnissen. CampusGrün kritisierte die Einladung Perreforts bereits im Vorfeld. Der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) und die Liberale Hochschulgruppe (LHG) verurteilen am Tag danach in einer gemeinsamen Pressemitteilung den Protest. Eine Störung in der Form sei einem Universitätsforum unwürdig, die Vorsitzenden der Gruppen Sebastian Kiendl (LHG) und Dominik Németh (RCDS) sehen darin eine Einschränkung der Meinungsfreiheit. "Man muss gerade auch unbequeme Ansichten ertragen und andere zu Wort kommen lassen", so Kiendl. 

Die Juso-HSG, die den PolBi-Referenten Robert Herr im scheidenden AStA stellt, äußerte sich bisher nicht öffentlich zu den Ereignissen. Auch eine Anfrage der Redaktion von campus-mainz.net an den AStA und das PolBi-Referat blieben bisher unbeantwortet.

 

*Anm. d. Red.: Der Name des Moderators wurde nachträglich ergänzt. PolBi-Referent Justus Lubahn (RCDS) hatte die Moderation der Veranstaltung am Tag zuvor kurzfristig übernommen. Die Hintergründe dazu sind noch unklar.

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