Probleme für internationale Studierende in Zeiten von Corona

03.12.2021
Studium
kn

Auch über die sozialen Medien wie Instagram hat das AStA Referat versucht, betroffene Studierende zu erreichen.

Der Aufruf von AStA International zur Teilnahme an der Umfrage ist weiterhin auf Instagram zu finden. Inzwischen hofft das Referat, auf diese Weise auch gezielt einzelne Studierende zu erreichen, um ihnen in Einzelfällen helfen zu können.

Die Umfrage vom AStA International ist weiterhin online. Betroffene Studierende können sie ausfüllen, damit das Referat besser über die Probleme der internationalen Student:innen Bescheid weiß und ihnen bestmöglich helfen kann. ©: AStA International

Die Pandemie hatte für Studierende einige Einschränkungen zur Folge. Da im Wintersemester wieder Präsenzveranstaltungen stattfinden, ergeben sich nun aber neue Hürden für ausländische Studierende.

Im Zuge der Einschränkungen, die sich durch die Verbreitung des Corona-Virus ergeben haben, wurde die Präsenzlehre an Universitäten fast vollständig ausgesetzt. Ebenso gab es Einschränkungen für andere Organisationen und Institutionen – unter anderem für deutsche Botschaften im Ausland, die ihre Arbeit seither heruntergefahren haben. Diese Botschaften sind jedoch die erste Anlaufstelle für Personen, die sich für ein Auslandsstudium in Deutschland interessieren und dafür ein Visum benötigen.

Die Wartezeiten haben sich drastisch verlängert. Oftmals dauert es Monate, bis ein Visum tatsächlich ausgestellt wird. Die Folge für Studierende der JGU: Sie können nicht nach Deutschland einreisen. Im Rahmen von Online-Vorlesungen war dies zwar schade, weil damit der spannendste Teil eines Auslandssemester wegfiel, aber kein Hinderungsgrund. Mit Beginn des Wintersemesters 2021/22, in dem es wieder mehr Präsenzlehre gibt, ändert sich das jedoch.

Was ein nicht ausgestelltes Visum bedeutet

Der Traum eines Auslandssemesters ist durch Corona weiter in die Ferne gerückt: Neben den administrativen Verzögerungen und strengen Einreiseregelungen für Nicht-EU-Bürger:innen wird die Pandemie auch von einer Wirtschaftskrise begleitet, die Studierende im In- und Ausland vor finanzielle Herausforderungen stellt. Hinzu kommt die Ansteckungsgefahr durch das Virus und Probleme, die sich hinsichtlich einer Schutzimpfung gegen einen schweren Krankheitsverlauf ergeben: Noch lange ist der Impfstoff gegen Corona keine Selbstverständlichkeit auf der Welt, in vielen Ländern bleibt er Mangelware.

Die Hauptverantwortliche und Ansprechpartnerin für dieses Problem, Malú Ortega Méndez, beschreibt die Situation folgendermaßen: „In vielen Ländern gibt es Impfaktionen, aber viele internationale Studierende bekommen Impfstoffe verabreicht, welche nicht in der EU als wirksamer Impfstoff anerkannt sind.“

Einen Ausweg gibt es hier: Ausländische Studierende können sich auch noch nach ihrer Einreise in Deutschland mit anerkannten Impfstoffen impfen lassen. An der JGU werden für sie außerdem bis Ende diesen Jahres kostenlose Tests angeboten.

Das Problem jedoch: Um Anspruch auf eine Impfung in Deutschland zu erheben, wird eine aktuelle inländische Adresse sowie eine Krankenversicherung benötigt – beides ist jedoch an ein Visum geknüpft. So entstehen für die betroffenen Studierenden große Hürden durch bürokratische Verzögerungen, zum Beispiel unterbesetzte Botschaften oder lange Wartezeiten, die sich durch Corona ergeben haben. 

AStA International schaltet sich ein

Das AStA-Referat für Internationales hat sich nun der Sache angenommen, indem u.a. eine repräsentative Online-Umfrage unter den ausländischen Studierenden gestartet wurde, an der bisher 32 Studierende teilgenommen haben. Auf Anfrage teilte Ortega Méndez die Ergebnisse mit, die sich neben fehlenden Impfungen (neun Teilnehmer) vor allem auf die langen Wartezeiten beziehen: Sieben Teilnehmer erklärten, nicht rechtzeitig ein Visum erhalten zu haben, um ab Oktober in Deutschland studieren zu können. Einigen wurde zwar ein Visum ausgestellt, dieses sei jedoch erst ab Februar 2022 und damit nach Ende des Wintersemesters gültig. Vier weitere Studierende warten bereits über sechs Monate auf einen Termin bei deutschen Botschaften.

Auch die Kommunikation zur JGU verlief laut der Ergebnisse bisher nicht so reibungslos, wie man sich dies von Seiten der Universität gewünscht hätte: Weniger als die Hälfte der Befragten gaben an, die JGU über ihre Lage informiert zu haben. Insgesamt stelle sich für 16 Studierende das Problem, dass in ihren Fachbereichen (FB 02 – 06 sowie FB 08) keine Onlinelehre möglich sei. 

Reaktion des Vizepräsidenten für Studium und Lehre

Auf Anfrage des AStA an die Universitätsleitung erhielt das Referat eine schnelle Antwort des Vizepräsidenten Univ.-Prof. Dr. Stephan Jolie. Darin wird dem Wunsch einer generell möglichen Onlinelehre als zusätzliches Angebot zur Präsenzlehre jedoch eine Absage erteilt, da diese nicht verhältnismäßig sei. Eine kleine Hilfe, welche die JGU den Betroffenen anbietet, ist die Tatsache, dass es im Wintersemester keine Anwesenheitspflicht gibt und den internationalen Studierenden Alternativen für Prüfungen angeboten werden.

Darüber hinaus könne die Verwaltung der JGU jedoch nicht eigenständig die Regelstudienzeit verlängern, da dies unter die Kompetenzen des Landtages fiele. Als letzte Lösung schlägt der Vizepräsident eine Beurlaubung für das kommende Semester vor. 

Hierbei ergibt sich jedoch das Problem, dass die Frist für eine solche Beantragung bereits im September abgelaufen ist und "nur bei unerwartet aufgetretenen Ereignissen" jetzt noch gebilligt wird. Hier müssten die Fälle konkret und einzeln geprüft werden. Jolie verweist dabei auf den Studierendenservice als Beratungsstelle.

Austauschstudierenden bietet sich noch eine Alternative zur Beurlaubung: Sie können ihren Aufenthalt in Austausch mit dem Studierendenservice um ein Semester nach hinten verschieben. An dieser Stelle sei auf das Welcome Center der JGU verwiesen. 

Gesprächsbedarf bleibt bestehen

Inländische Studierende freuen sich sicherlich über die Präsenzlehre, damit ein wenig Uni-Alltag endlich zurückkehrt und der Campus nicht nur für Prüfungen besucht wird. Die Umfrage zeigt jedoch, dass zumindest ein Teil der internationalen Studierenden ihr Studium nur fortsetzen kann, wenn weiterhin Online-Veranstaltungen angeboten werden.

Da dies jedoch von der JGU als generelles Angebot abgelehnt wird, versuchen Universität und AStA nun auf andere Art und Weise, den Betroffenen über die JGU hinaus zu helfen, indem sie das Thema auch auf politischer Ebene und damit bei den eigentlichen Entscheidungsträgern ansprechen wollen. Da die Zahl der internationalen Studierenden, die von diesem Problem betroffen sind, überschaubar ist, bleibt für den AStA die Hoffnung, dass ihnen im Einzelfall geholfen werden kann. Dafür betont Ortega Méndez erneut die Bedeutung des Welcome Centers der JGU als neue Anlaufstelle, denn dort können "alle Lösungsmöglichkeiten je nach Fall erläutert und empfohlen werden".

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