Preisverleihung des FILMZ 2021: "Auf die nächsten 20 Festivals!"

20.11.2021
Freizeit
kn

Alle anwesenden Preisträger:innen und Preise des FILMZ 2021 – glücklich trotz streikender Beleuchtung

Haus Kummerveldt - die erste fiktionale Historien-Short-Form-Serie Deutschlands

Das 21. FILMZ Festival des deutschen Kinos - vom 04. bis 13. November 2021

Am Abend des 13. Novembers wurden die Preise in den sieben zur Auswahl stehenden Kategorien verliehen. Damit verabschiedete sich das Filmfestival für das Jahr 2021 mit einem Ausblick auf 2022.

10 Tage, 100 Filme. Das 20. FILMZ -Festival des deutschen Kinos hat im Capitol genauso aufgehört wie es begonnen hat – mit einer Filmvorstellung – und hat damit seinem Namen alle Ehre gemacht: Bevor die eigentliche Preisverleihung stattfand, wurden zunächst zwei Folgen der ersten fiktionalen Historien-Short-Form-Serie Deutschlands “Haus Kummerveldt“ unter der Regie von Mark Lorei gezeigt.

Die Serie spielt im Deutschen Kaiserreich Ende des 19. Jahrhunderts und handelt von der adligen Luise von Kummerveldt (Milena Straube), die auf einem Schloss im Münsterland lebt. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters (Michael Goldberg) beim alltäglichen Frühstück wird ihr Bruder Veit (Marcel Becker-Neu), der für ihren Traum, Schriftstellerin zu werden, nicht viel übrig hat, ihr Vormund. Sein Ziel: Seine Schwester soll gut und schnellstmöglich verheiratet werden.

Eine Q&A-Runde für den Anfang

Auf humorvolle und teilweise parodistische Art und Weise wird das Leben der Baronstochter in den zwei von insgesamt acht zehnminütigen Folgen dargestellt, was am Abend des 13. Novembers im Saal des Capitols für einige Lacher sorgte.

Im Anschluss folgte eine kurze Q&A-Runde mit der Produzentin Lotte Reif, die mit der Frage, weshalb sie sich für eine historische Short Serie entschieden hat, eingeleitet wurde. Die Antwort darauf war einleuchtend: Für ein Erstlingswerk wäre ein Langfilm (das übliche Format für historische Geschichten) zu teuer, wohingegen die Möglichkeiten der Finanzierung für eine Serie deutlich günstiger gewesen wären. Inzwischen spielt die Produzentin mit dem Gedanken einer zweiten Staffel, da bereits genügend Ideen dafür vorhanden seien. 

Eine weitere Frage, die viele Zuschauer beschäftigt hat, drehte sich um die Realitätsnähe der Handlung. Hier konnte Reif für Klarheit sorgen, indem sie erzählte, dass es sich bei Luise um keine wahre Person handele, sie aber "viele einflussreiche Frauenfiguren der Geschichte, insbesondere Annette von Droste-Hülshoff als Vorbild" hätte. Insgesamt wären bei der Vorbereitung – die Idee gäbe es bereits seit fünf Jahren – zwischen zehn und fünfzehn Biographien historischer Frauen von der Drehbuchautorin Cecilia Röski durchforstet worden, um daraus die Lebensgeschichte der fiktiven Protagonistin zusammenzustellen. Die Serie wird sowohl von Gedichten der Autorin, als auch von Dichterinnen wie Else Lasker-Schüler untermalt.

Auf die Frage, wie und wo man die restlichen sechs Folgen der Serie anschauen könne, antwortete die Produzentin: "Das ist die unbequemste Frage." Der Grund: Momentan ist die Serie noch in keiner Mediathek verfügbar, sondern wird nur auf Filmfestivals vorgeführt. Reif sprach jedoch die Hoffnung aus, dass sich dies in Zukunft ändern würde. "Auf unserem Instagram-Account halten wir Interessierte auf dem Laufenden", erklärte sie zum Abschluss.

Preisverleihung: Die sieben Gewinner

Sieben Kategorien mit bis zu zwölf nominierten Filmen galt es im Anschluss auszuzeichnen. Dabei wurden die Gewinner demokratisch vom Publikum mit Stimmzetteln gewählt, die kurz vor Bekanntgabe ausgezählt wurden. Die Sieger in den Kategorien "Lokaler Kurzfilmwettbewerb", sowie "Andersartig" wurden bereits direkt nach den Aufführungen bekannt gegeben, aber am 13. November erneut genannt: Es handelt sich um die beiden Kurzfilme "Rollatorenwahn" und "Die Ballade vom Maul des Affen".

Des Weiteren gewann "Der Dreher" in der Kategorie Kurzfilm. "Fabiu" wurde zum besten mittellangen Film, "Nico" zum besten Langfilm und "Mein Vietnam" zum besten Dokumentarfilm gewählt. Die Auszeichnung für "Mein Vietnam" von Thi Hien Mai und Tim Ellrich war laut Organisatorinnen bereits der dritte FILMZ Publikumspreis für Regisseur Ellrich.

Als letztes wurde die SI Star Shortlist Auszeichnung an Monika Treut für ihren Film "Genderation" verliehen. Die Regisseurin konnte an diesem Abend zwar nicht persönlich anwesend sein, meldete sich aber per Videobotschaft zu Wort. Das Video wurde etwas verfrüht gezeigt, sodass sie sich damit ungewollt selbst als Siegerin bekannt gab, was erneut für Schmunzler im Publikum sorgte.

Last but not least versammelten sich alle anwesenden Preisträger:innen gemeinsam auf der Bühne, um für ein Siegerfoto zu posieren. Obwohl die Beleuchtung des Saals nicht ganz mitspielen wollte, wurde ihre Freude über die gewonnenen Preise davon nicht getrübt. 

"Das Ende ist immer schwer"

Nachdem Lilli Hövener und Leoni Buchner, zwei der drei FILMZ-Leiter:innen, durch den Abend geführt hatten und dabei ein sehr positives Resümee der zehn Festivaltage zogen, meldete sich auch Marianne Grosse, Beigeordnete der Stadt Mainz und Mitarbeiterin des Dezernats für Bauen, Denkmalpflege und Kultur, zu Wort. Sie betonte die Bedeutung des FILMZ Festivals für die Filmbranche der Region: "Nur dank junger, engagierter Filmbegeisterter, die sich neben Beruf und Studium für den Film engagieren, ist ein Filmfestival in Mainz überhaupt denkbar." Auch dank des gleichnamigen Vereins FILMZ e.V. sei die neue Medienförderung in Rheinland-Pfalz möglich geworden, die ab dem 1. November in Kraft getreten ist und mit deren Hilfe Projekte aus Medienbereichen von Filmen bis Games vom Land in Zukunft finanziell gefördert werden.

In ihrer Rede ging sie ebenfalls darauf ein, dass der Eröffnungsfilm "Lieber Thomas" nach der Aufführung auch im Heute Journal medienwirksam erörtert wurde. Als Teil des Mainzer Stadtvorstands betonte sie hierbei die Möglichkeit, dass das FILMZ Festival 2021 wieder in Präsenz möglich war, und nutzte die Gelegenheit, um für eine Impfung gegen COVID-19 zu appellieren.

Mit den Worten "Auf die nächsten 20 Festivals!" machte sie die Bühne für das dritte Mitglied der Festivalleitung, Roman Polanski, frei. Dieser nutzte das zwanzigste Jubiläum des FILMZ Festivals, um ein neues Feature einzuleiten: Zum ersten Mal gab es eine öffentliche Verabschiedung der Mitglieder, bei denen bereits feststand, dass sie im kommenden Jahr nicht mehr mit dabei sein werden. Statt eines sang- und klanglosen Verschwindens nach dem Festival (oft in Verbindung mit dem Abschluss des Studiums) wurden die ausscheidenden Personen von ihm mit Blumen und dem unterschriebenen Vereinsbild mit einem "auf Wiedersehen" verabschiedet.

Zwar sei "das Ende immer schwer", aber zum Glück gäbe es bereits die neuen Termine für die 21. Ausgabe des Filmfestivals, die Lilli Hövener und Leoni Buchner in diesem Zusammenhang bekannt gaben: Im Jahr 2022 wird das Festival vom 3. bis 13. November stattfinden. Alleine die Veranstaltungsstätte sei aufgrund der unsicheren Zukunft für die beiden Kinos "Capitol & Palatin" noch ungewiss. Zum Abschluss erinnerten die beiden Organisatorinnen daher an die momentan laufende Petition zur Weiterführung der beiden Kinos und forderten die Anwesenden zur Teilnahme auf. 

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