Praktichallenge | In 30 Tagen jeden Fachbereich kennen lernen

17.12.2015
Studium, Freizeit
nf

Strafrecht I Vorlesung im RW1

Dienstag Strafrecht, Donnerstag Mathe und Freitag Medizin. Innerhalb von 30 Tagen in jeden Fachbereich reinschnuppern lautete meine Herausforderung für diese Praktichallenge. Ist das verschwendete Zeit oder lernt man dabei tatsächlich etwas?

"Das tolle am Studieren an einer Universität ist, dass man auch mal über den eigenen Tellerrand hinausschauen kann, sich einfach in andere Vorlesungen setzen und so viele interessante Dinge lernen kann." So oder so ähnlich hat sich das bestimmt fast jeder Studierende schon einmal anhören dürfen. Ich auf jeden Fall schon öfter. 

Die Idee klingt zwar super, aber wer macht das wirklich? In der Realität sieht es doch meistens so aus, dass man mit seinem eigenen Studium, einem Nebenjob, Hobbys oder Partys viel zu beschäftigt ist, um sich freiwillig noch in andere Vorlesungen zu setzen. 

Als der Vorschlag aus unserer Redaktion kam, man könne für die neue Praktichallenge doch mal in jeden Fachbereich reinschnuppern, war ich zuerst unsicher, aber dann gar nicht so abgeneigt. Sowas hatte ich mir doch im ersten Semester sowieso mal vorgenommen. 

712 Vorlesungen in Jogustine und jetzt? 

Daraufhin wurde geplant. Was für Fachbereiche gibt es überhaupt an unserer Uni? Was gibt es für konkrete Studiengänge und welche Vorlesungen werden in deren Rahmen angeboten? 

Unsere Uni hat insgesamt zehn Fachbereiche, die so gut wie alle Themengebiete abdecken. Von eins bis zehn wären das FB01 Katholische und Evangelische Theologie,  FB02 Sozialwissenschaften, Medien und Sport, FB03 Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, FB04 Universitätsmedizin, FB05 Philosophie und Philologie, FB06 Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft, FB07 Geschichts- und Kulturwissenschaften, FB08 Physik, Mathe und Informatik, FB 09 Chemie, Pharmazie und Geowissenschaften und FB10 Biologie.  Auf Jogustine findet man ein Vorlesungsverzeichnis in dem man, nach Fachbereichen gegliedert, alle Veranstaltungen findet. Zusätzlich kann man über eine allgemeine Suche alle Vorlesungen aus allen Fachbereichen rausfiltern, insgesamt 712 Stück.

Nach ein wenig Recherche im Vorlesungsverzeichnis von Jogustine hatte ich mir also meinen Plan zusammengestellt. Bei der Auswahl der Vorlesungen habe ich teilweise auf meinen Stundenplan geachtet, aber hauptsächlich habe ich mir Veranstaltungen gesucht, die ich in irgendeiner Weise interessant fand. Für manche Fachbereiche war das definitiv einfacher als für andere. Bei Psychologie oder Filmwissenschaft etwa hatte ich absolut keine Probleme, etwas Spannendes zu finden. 

Im Gegenzug dazu habe ich bei einigen Fachbereichen versucht mir Vorlesungen auszusuchen, bei denen ich geglaubt habe, ich würde noch einigermaßen verstehen, was man mir da erzählt: Analysis I zum Beispiel oder Einführung in die anorganische Chemie. 

Von kubisch-flächenzentrieten Einheitszellen und Lipidsenkern

Allgemein kann man sagen, dass viele Vorlesungen so waren, wie ich sie mir vorher schon vorgestellt hatte. In Analysis I habe ich mich zurück in die zwölfte Klasse katapultiert gefühlt, inklusive Tafelschwamm und –abzieher. In Genetik ging es um Chromosomen und Down Syndrom, da konnte ich noch einigermaßen gut folgen. Die größte Herausforderung war für mich definitiv anorganische Chemie. Mein Schulwissen aus der neunten Klasse hat auf keinen Fall für kovalente Bindungen oder kubisch flächenzentrierten Einheitszellen ausgereicht. 

Von allen Vorlesungen war mein Favorit ohne Zweifel Medizin. In der Toxikologie-Vorlesung, die ich mir ausgesucht hatte, ging es um Lipidsenker und die Senkung des Herzinfarktrisikos. Und, obwohl ich weder mein Vorphysikum noch irgendwelche medizinischen Vorkenntnissen besitze, konnte ich dem Professor gut folgen. Das ist mit Sicherheit nicht in allen Vorlesungen so, aber es war definitiv mal spannend, in die Welt eines Mediziners blicken zu können und einen Teil der Faszination Medizin mitzuerleben.  

Einen Monat und zehn Vorlesungen später

Nach 30 Tagen und zehn sehr unterschiedlichen Vorlesungen kann ich ehrlich sagen, das ich sehr zufrieden mit der Wahl meines Studienfaches bin. Klar, Medizin war spannend, aber durch das ganze Medizinstudium möchte ich mich auch nicht quälen. Auch die anderen Vorlesungen, die mir gut gefallen haben, wie Psychologie oder Filmwissenschaft, riefen nicht so viel Begeisterung hervor, dass ich unbedingt mein jetziges Studium abbrechen will, um nochmal neu anzufangen.

Bei vielen anderen Fachbereichen war von vornherein klar, dass diese für mich nicht in Frage kommen. Trotzdem war es interessant mal zu sehen, wie Vorlesungen in anderen Studiengängen so ablaufen. Da gibt es schon Unterschiede zwischen einer Theologie-Vorlesung mit 18 Studierenden und einer Vorlesung über Strafrecht mit ungefähr 400. Wer also überlegt, mal über den eigenen Tellerrand zu schauen, dem kann ich das nur weiterempfehlen. Ein wenig Zeit nimmt es natürlich in Anspruch, aber, wenn man sich tatsächlich für bestimmte Themen interessiert, hat man definitiv nichts zu verlieren. Den eigenen Horizont zu erweitern schadet nie und im schlimmsten Fall ist man sich am Ende seiner eigenen Studienwahl zumindest sicherer. 

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