Porträt | "Sei ein bisschen verrückt"

08.10.2017
Freizeit
mgw

Schauspieler und Regisseur Philip Barth (c) Hendrik Martz

Die Junge Bühne Mainz hat "Alice im Wunderland" auf den Spielplan gesetzt. Geleitet wird das Ensemble seit fast sieben Jahren vom Mainzer Schauspieler Philip Barth, der an der Uni Mainz studiert hat.

Schauspieler, Regisseur, Dramatiker

In der Mainzer Buchkneipe LOMO betritt ein junger Mann mit Dreitagebart, Schiebermütze und schwarzem Mantel kaum merklich das Lokal und bahnt sich leichtfüßig den Weg zum Tisch. Philip Barth, 29, Schauspieler, Regisseur. Seit sieben Jahren leitet er die Junge Bühne Mainz. Damit vertritt er die freie Theaterszene für Nachwuchsschauspieler und hat sich als ein kultureller Akteur in Mainz etabliert. Er überlegt nicht lange: "Ich nehm’ auch ein Radeberger."

Auf ins Wunderland

Die neue Spielzeit im freien Repertoiretheater Junge Bühne Mainz hat begonnen. Diesmal steht "Alice im Wunderland" nach Lewis Carroll auf dem Plan. "Gar nicht so unüblich", meint Barth. Er hat eine eigene Fassung aus dem Roman entwickelt, um die Sparte des Kinder- und Jugendtheaters zu bedienen, die ein Standbein der Jungen Bühne ist.  "Es funktioniert aber auch als Schauspiel für Erwachsene."

Ganz in seinem Sinne, denn er möchte alle Generationen ansprechen. Erwachsene ließen sich genau so begeistern: "Sie betreten den Saal als Begleitpublikum und verlassen ihn als Publikum." Er darf auf ein Stammpublikum zählen, das sich in den sieben Jahren gebildet hat, aber in jeder Saison auch neue Zuschauer begrüßen.

Der Spieltrieb steckt in uns allen

Weshalb Kindertheater? Weil der Theaterbesuch wieder zu einer gängigen Freizeitbeschäftigung werden müsse. Die Qualität der Inszenierung ist ebenso wichtig wie der Anspruch an das junge Publikum, findet Barth. Er selbst stammt aus einer kunstaffinen Familie, in der das Theater zum gemeinsamen Programm gehörte. Dem Spieltrieb, den er als Kind in sich entdeckte – "der in uns allen steckt" –, ging er auch als Jugendlicher weiterhin nach. "Ungefähr ab 16 konnte ich mir eine künstlerische Tätigkeit ernsthaft vorstellen."

Er spielte im Jugendclub des Staatstheaters Mainz über mehrere Spielzeiten hinweg große und kleine Rollen. Dann kamen das Magisterstudium – Theaterwissenschaft, Germanistik, Philosophie – und die parallele Ausbildung am Berliner Schauspielstudio Martz & Walker. Kleine Ausflüge in Film, Funk und Fernsehen. In Mainz geboren, blieb er der hiesigen Uni und der jungen Theaterszene treu.

Das LOMO ist eine sehr gemütliche Bar mit herkömmlichen Tischen, aber auch bequemen Sitznischen. Auf jedem Tisch liegt neben der normalen Speisekarte auch ein Buch. Wir hätten es uns auch auf einem der extravaganten Sofas neben dem Bücherregal bequem machen können. "Oh ja, ein bisschen wie das Literarische Quartett", sagt Barth lachend. "Oder, na gut, eher das kulturelle Duo."

Zusammenarbeit ist wichtig

Zunächst als rein theaterpädagogisches Projekt gestartet, hat sich die Junge Bühne Mainz ihre Nische als kleines Spartentheater gesichert. Barth scheint sich sein eigenes Refugium geschaffen zu haben, in dem er sich offensichtlich wohlfühlt. Aber das funktioniert nie ohne feste Kooperationspartner. Allen voran das Haus der Jugend, das als Spielstätte dient. Auch die Kammerspiele, das Staatstheater und die Schauspielschule Mainz sind Teil des Netzwerkes, das Barth pflegt. "Und die Biennale 3x klingeln! Dass du mir ja den Günter Minas und die Christiane Schauder erwähnst!"

Obwohl die Stadt an sich schon so viel Potenzial besitze, seien in den letzten Jahren viele Kulturprojekte gerade aus eigener Initiative entstanden. "Die Verrückten – die positiv Verrückten – müssen sich zusammentun." Er begreift sich als ein solcher Verrückter und setzt immer auf konsequente Vernetzung. Die kulturellen Akteure einer Stadt sind darauf angewiesen zusammenzuarbeiten, um erfolgreich zu bleiben. Somit können sie auch mal Ideen umsetzen, die manchmal vielleicht ein bisschen verrückt klingen und die Stadt bereichern.

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