Party- oder Zweck-WG? Janas WG-Vergangenheit

13.06.2016
Wohnen, Wohnblog
Jana

In Janas WG wurde häufig zusammen gekocht. Typische deutsche Gerichte ....

... und viel asiatisch, denn Janas eine Mitbewohnerin kam aus Thailand.

Wenn es kein Wohnzimmer gibt, findet das WG-Leben in der Küche statt.

Zweck-WG oder Familien-Ersatz? Wie viel Gemeinschaft steckt wirklich in einer Wohngemeinschaft? Bloggerin Jana rekapituliert ihre WG-Vergangenheit und ist froh, inzwischen mit ihrem Freund zusammen zu wohnen.

"Und, macht ihr auch mal was zusammen?" Jeder, der schon mal in einer WG gewohnt hat, kennt diese Frage. Und, ganz klar, jeder wünscht sich ein gutes Verhältnis zu den Mitbewohnern. Schließlich zieht man nicht nur wegen der günstigen Miete in eine WG, sondern vor allem, damit man nicht ganz alleine ist.

Dass die neuen Mitbewohner sich zu den besten Freunden entwickeln, erwartet wohl keiner, aber ein Mindestmaß an Gemeinschaft sollte schon drin sein. Am Ende muss natürlich jeder für sich entscheiden, welche Ansprüche man ans WG-Leben stellt. Jeden Tag zusammen kochen und essen? Zur legendären Party-WG werden? Zusammen weggehen? Oder genügt es, sich gelegentlich zwischen den Türrahmen festzuquatschen?

Wunschvorstellung vs. Realität

Als ich auszog, hatte ich eine euphorische Vorstellung vom aufregenden WG-Leben. Ich hatte nichts gegen ein bisschen Abenteuer, Chaos und Action und wollte das Studentenleben von allen Seiten kennenlernen. Ausufernde Partys, verrückte Mitbewohner, fremde Besucher, die morgens am Küchentisch sitzen oder auch einfach gemütliche Abende bei einem Glas Wein oder gemeinsame Kochaktionen – ich konnte mir vieles vorstellen, nur keine Langeweile und Einsamkeit.

Am Ende hatte ich von allem ein bisschen: Ein paar Partys, mindestens einen verrückten Mitbewohner, viele fremde Besucher, einige gemeinsame Kochaktionen und gemütliche Abende, aber leider auch immer wieder Langeweile und Einsamkeit.

Der Mitbewohner – dein Freund oder Feind

Jede WG tickt anders und die Art und Häufigkeit der Aktivitäten wird natürlich maßgeblich von den Mitbewohnern bestimmt. In meinem Fall: Durch den häufigen Wechsel der Mitbewohner.

Insgesamt neun Mitbewohner habe ich in vier Jahren in meiner Vierer-WG kommen und gehen sehen, davon hat nur eine während der gesamten Zeit mit mir dort gewohnt. Und ausgerechnet diese war Doktorandin und kaum zu Hause. Auch wenn ich mir immer Mühe gegeben habe, ein gutes Verhältnis zu meinen Mitbewohnern aufzubauen, gerade gegen Ende war die Motivation nicht mehr so groß und der WG-Zug bei mir irgendwie abgefahren.

Offene Türen und zusammen beim anderen im Zimmer rumhängen und Filme schauen habe ich genauso erlebt wie Mitbewohner, die man kaum zu Gesicht bekommt und die sofort die Tür hinter sich zu ziehen, sobald sie nach Hause kommen. Ein richtiges Gemeinschaftsgefühl, wie ich es mir gewünscht hätte, ist dabei leider nur selten entstanden. Ein paar Konstellationen gab es aber, in denen wir einiges zusammen gemacht haben.

Der Ort der Begegnung: Die Küche

Ganz klassisch haben wir häufig zusammen gekocht oder zumindest gemeinsam gegessen. Spannend hierbei: Eine Mitbewohnerin kam aus Thailand, somit stand beim Kochen vor allem der kulturell-kulinarische Austausch im Fokus. Auch wenn für mich das thailändische Essen meist viel zu scharf und damit leider ungenießbar war.

An Weihnachten haben wir hin und wieder richtige Menüs gekocht, wobei jeder für einen Gang zuständig war und im Sommer haben wir auch mal auf unserer Dachterrasse gegrillt.

Auch abseits vom Essen erwies sich die Küche, wie das so üblich ist, als Ort der Begegnung, wo wir abends bei einem Gläschen Wein oder einer Tasse Tee um den Tisch saßen und quatschten. Hin und wieder haben wir Gesellschaftsspiele gespielt oder auch mal zusammen Filme geguckt und selten sind wir auch mal zusammen ins Kino oder in den Biergarten gegangen.

Mein Fazit

Alles in allem hätte ich mir deutlich mehr Gemeinschaft und mehr gemeinsame Aktivitäten in meiner WG gewünscht. So wild wie in meiner ursprünglichen Vorstellung muss es ja nicht zugehen, aber Mitbewohner, die sich in ihrem Zimmer einschließen und nur zum Kochen in der Küche auftauchen, um dann zum Essen wieder in ihr Zimmer zu verschwinden, brauche ich nicht.

Eine WG muss für mich keine Familie ersetzen, aber sie muss mehr sein als nur eine Zweckgemeinschaft. Da sich meine WG leider im Laufe der Zeit aber immer mehr Richtung Zweck-WG entwickelt hat, fiel es mir sehr leicht, das WG-Leben hinter mir zu lassen und mit meinem Freund zusammen zu ziehen. Gemeinsame Aktivitäten – und sei es nur zusammen zu essen – stehen dabei nämlich auf dem Tagesprogramm.

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