Neue Studienmöglichkeiten an den Rhein-Main-Universitäten

19.07.2020
Studium
lki

Über den Tellerrand des eigenen Studiums schauen: Das ist Studierenden der Rhein-Main-Universitäten (RMU) zum Wintersemester 2020/21 möglich, da sie an allen drei Standorten in Mainz, Frankfurt am Main und Darmstadt eingeschrieben sein können.

Für das Wintersemester 2020/21 können sich Studierende der Rhein-Main-Universitäten (RMU) an allen Hochschulstandorten in Mainz, Frankfurt und Darmstadt einschreiben und deren Studienangebote nutzen.

Seit dem 1. Juli 2020 haben Studierende der JGU Mainz, der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Technischen Universität Darmstadt die Möglichkeit, sich gleichzeitig an allen drei Hochschulstandorten einzuschreiben. Möglich ist dies durch ihren Zusammenschluss zum Verbund der Rhein-Main-Universitäten (RMU). Das gaben sie am 30. Juni 2020 in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt. Die trilaterale Immatrikulation ist bis zum 30. September 2020 möglich und mit keinen zusätzlichen Gebühren verbunden.

RMU-Studienprogramm als Erweiterung des Studienangebots

Wer das Angebot nutzen will, kann sich online über das Bewerbungsportal der jeweiligen Kooperationsuniversität bewerben, an der man künftig Lehrveranstaltungen besuchen möchte. Bewerbungen hierfür sind an beiden Kooperationsuniversitäten möglich. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um einen zweiten Studienabschluss, sondern ausschließlich um eine Erweiterung des Studienangebots für bereits eingeschriebene Studierende. Aus diesem Grund seien Gasthörer:innen von dem Studienprogramm ausgeschlossen, heißt es auf Nachfrage bei der JGU. Zu Bewerbungsbeginn veröffentlicht jede dieser Universitäten einen nach Fächern gegliederten Katalog von Veranstaltungen, die für das RMU-Studium geöffnet sind.

Im Vorlesungsverzeichnis der Goethe-Universität lassen sich derzeit die für RMU-Studierenden geöffnete Lehrveranstaltungen der Sozial- und Geisteswissenschaften sowie der Natur- und Lebenswissenschaften, Mathematik und Informatik einsehen. Die JGU bietet Veranstaltungen aus fast allen Studienfächern, u.a. Bildungswissenschaft, Evangelische Theologie und Meteorologie, für das RMU-Studium an. Das Vorlesungsverzeichnis der TU Darmstadt wird dagegen erst am 1. September um den RMU-Lehrveranstaltungskatalog im Wintersemester 2020/21 ergänzt.

Gemeinsame Studiengänge an den RMU

Über das individuelle RMU-Studienprogramm hinaus bietet die RMU vier gemeinsame Studiengänge an. Zu ihnen zählen Medizintechnik (Bachelor of Science), Politische Theorie (Master of Arts), Internationale Studien/Friedens- und Konfliktforschung (Master of Arts) und Kinder- und Jugendliteratur/Buchwissenschaft (Master of Arts). Weitere gemeinsame Studiengänge befinden sich derzeit nach Angabe der RMU im Aufbau.

Zudem wird es zum Wintersemester 2020/21 den berufsbegleitenden Weiterbildungs-Masterstudiengang Evangelisch-Theologische Studien an den RMU-Universitäten Frankfurt und Mainz geben. Das kündigte die JGU in einer Pressemitteilung am 6. Juli 2020 an. In diesem Projekt würden die Goethe-Universität und die JGU in enger Abstimmung mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) kooperieren. Mit dem Abschluss nach sechs Semestern stünden Absolvent:innen eine weitere praktische Ausbildung für den Pfarrdienst und andere theologische Arbeitsfelder offen. Bewerbungsschluss für den neuen RMU-Masterstudiengang ist der 31. Juli 2020.

Gemeinsame Angebote jenseits von Lehrveranstaltungen

Durch die Zweiteinschreibung an einem der RMU-Standorte können Studierende ebenfalls Prüfungen in den von ihnen besuchten Lehrveranstaltungen ablegen. Eine allgemein garantierte Anerkennung ist den RMU zufolge aufgrund der je nach RMU-Universität unterschiedlichen Studienangebote und Curricula nicht möglich. Um sich also Prüfungen und Leistungspunkte einer RMU-Veranstaltung anerkennen zu lassen, sollte man sich bereits vor Besuch der gewünschten Veranstaltung mit dem Studienbüro, Prüfungsamt oder dem/der Lehrveranstaltungsverantwortlichen an der eigenen Universität in Verbindung setzen.

Darüber hinaus stünden den über 100.000 Studierenden an allen drei Universitäten die Türen von Bibliotheken, Rechenzentren und Mensen offen. Bei erfolgreicher Einschreibung erhalten RMU-Studierende einen zusätzlichen Ausweis der Kooperationsuniversität mit RMU-Logo, um sie als solche auszuweisen.

Zudem verfügen RMU-Studierende "über volle mitgliedschaftliche Rechte und damit auch über ein aktives und passives Wahlrecht", so die JGU auf Anfrage. Hierbei gilt jedoch zu beachten, dass RMU-Studierende zunächst keinem Fachbereich zugeordnet sind, weil sie formal in keinen Studiengang an einer der drei Partneruniversitäten eingeschrieben sind. Um dennoch Gebrauch von dem Wahlrecht an den RMU-Universitäten machen zu können, müssen sie einen Zuordnungsantrag bei einem Fachbereich stellen.

Allerdings müssen sich Studierende bei dem RMU-Studium, wie in ihrem Erststudium auch, rückmelden, sollten sie im darauffolgenden Semester auch weiterhin am RMU-Studienprogramm teilnehmen wollen. Für die Rückmeldung werde an allen Kooperationsuniversitäten sichergestellt, dass Informationen zum entsprechenden Verfahren vorliegen. Seitens der Heimatuniversität werden jedoch weder für die Einschreibung noch für die Rückmeldung zusätzliche Semestergebühren für das RMU-Studium erhoben, es sei lediglich der bereits bestehende Semesterbeitrag für die Heimatuniversität zu zahlen. Damit ist das Studienprogramm ein kostenloses Angebot der Rhein-Main-Universitäten.

Gestillter Wissensdurst und stärkere Vernetzung

Von der bewilligten Maßnahme verspricht sich Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt, eine tiefergehende Kooperation der Standorte, die u.a. darauf beruht, dass die Studierenden "ihren Wissensdurst auf noch breiterer Basis stillen" können. So könne man laut Prof. Dr. Wolff "die wissenschaftliche Vielfalt und hohe Lehrqualität herausragender Universitäten in der Rhein-Main-Region noch besser auskosten".

Seit 2015 kooperieren die drei Universitäten in der strategischen Allianz der RMU. JGU-Präsident Prof. Dr. Georg Krausch ist sich sicher, mit dem RMU-Studienprogramm "nun einen weiteren Meilenstein" der Allianz zu schaffen. Denn dem Programm sei es gelungen, ein gemeinsames Studienangebot über die Ländergrenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz hinweg zu realisieren.

In der Vergangenheit haben die RMU bereits das Mercator Science-Policy Fellowship-Programm gestartet, bei dem 103 Führungskräfte aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Medien in den Dialog mit Wissenschaftler:innen der RMU-Universitäten treten, um sie an ihrem Wissen aus der Praxis teilhaben zu lassen. 

Darüber hinaus wurden 2016 in Frankfurt und Darmstadt zwei gemeinsame Sonderforschungsbereiche (SFB) mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) etabliert, die sich mit der Zellenforschung und der Physik der Atomkerne beschäftigen.

RMU-Studienangebot trotz Corona-Pandemie

Das aktuelle Sommersemester findet an allen drei RMU-Standorten aufgrund der Corona-Pandemie online statt. Für das Wintersemester 2020/21 hat die TU Darmstadt angekündigt, hauptsächlich digital ausgerichtet zu sein. An der JGU (campus-mainz.net berichtete) und der Frankfurter Goethe-Universität wird der Lehrbetrieb im kommenden Wintersemester als Mischform aus Digital- und Präsenzlehre stattfinden – in der Hoffnung, im Laufe des Semesters "digitale und Präsenzlehre so gut wie möglich zu verzahnen", so Prof. Dr. Birgitta Wolff in einer Videobotschaft.

An der JGU werden Präsenztermine für die meisten Lehrveranstaltungen im Wintersemester nach Verständigung der Dekan:innen aber die Ausnahme bleiben (Stand: 19. Juli 2020). Bei der Ermöglichung von Präsenzterminen werden v.a. praktisch ausgerichtete Veranstaltungen in Laboren, im sportlichen und künstlerischen Bereich sowie der Projektlehre und Angebote für Studienanfänger:innen prioritär behandelt, heißt es auf der Informationsseite der JGU.

Die Lehrveranstaltungen des RMU-Studiums seien laut Prof. Dr. Brühl, Präsidentin der TU Darmstadt, jedoch "nur einen Klick entfernt", weshalb man die Chance nutzen wolle, "die RMU auch und besonders in Krisenzeiten für unsere Studierenden weiterentwickeln".

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