Meine skurrilsten Wohnerlebnisse: Wohnen im Inter 2

04.10.2016
Wohnen, Wohnblog
Pia

Kurze Verschnaufpause oder erweiterte Schlafmöglichkeit? In Pias Wohnheimshaus findet sich auf fast jedem Stockwerk ein alter Sessel.

Die Mitbewohnerwahl wird einem "netterweise" im Wohnheim vom Studierendenwerk abgenommen.

Skurril, skurriler, Studi-Wohnheim. Bei einer großen Anzahl von Studierenden auf eher begrenztem Raum sind außergewöhnliche Wohnerlebnisse fast schon eine logische Schlussfolgerung aus den äußerlichen Gegebenheiten.

Denn wo sonst erwartet man verrückte Alltagssituationen, wenn nicht unter einem Haufen mehr oder weniger zurechnungsfähiger, bunt zusammengewürfelter junger Erwachsenen sämtlicher Fachrichtungen?

Die Plattform für Verdächtiges

Werden innerhalb des Wohnheims mal wieder Symptome einer Unnormalität wahrgenommen, so wandert der erste Blick in die Facebook-Gruppe des Inter 2. Dort tauschen sich Bewohner und Sympathisanten des Wohnheims über allerlei Schönes aus, wie zum Beispiel abendliche Aktivitäten.

Aber auch verdächtige Geräusche, welche regelmäßig aus allen Ecken und Enden der Häuser ertönen, werden in der Gruppe direkt thematisiert. Nachfragen wie "Es knallt in regelmäßige Abständen in der Wohnung über mir, als würde jemand einen Stuhl auf den Boden schlagen! Was zur Hölle macht ihr da?" oder auch "Wieso schreien die sich über mir schon wieder an?" sind immer wieder zu finden. Manchmal enden diese Gruppenbeiträge samt Kommentaren in amüsanten Pöbeleien (selbstverständlich auf akademischem Niveau), an anderen Tagen bleiben sie weitgehend unbeachtet.

Mir stellt sich vor allem die Frage, ob sich jemals ein Missetäter tatsächlich angesprochen gefühlt oder aufgrund der "Facebook-Ermahnung" seine Abrissparty eingestellt hat. Nun gut, einfach ein Stockwerk höher zu gehen und mal höflich zu klopfen, wäre aber auch wirklich zu aufwendig.

Von Improvisationskünsten und Sperrmüll

Meist fällt es schwer, die beiden Kategorien Improvisationskunst und Sperrmüll innerhalb des Inter 2 auseinander zu halten, denn die Grenze ist fließend. Daher zählt der "öffentliche" Einrichtungsstil meines Studi-Wohnheims definitiv zu skurrilen Wohnerlebnissen. Besonders die große Bandbreite an Türstoppern in den gemeinschaftlichen Fluren bringt mich immer wieder zum Schmunzeln – oder zum Rätseln.

Allseits beliebt scheinen vor allem Flaschen zu sein. Meistens handelt es sich bei dieser Variante um Glasflaschen, die einst Hochprozentiges enthielten. Das Material ist schön robust und hält (eigentlich) das gelegentliche (oder auch ständige) Türenknallen aus. Mein absoluter Favorit ist jedoch eine kaputte Schreibtischlampe. Samt Kabel und Glühbirne wurde diese einfach so lange in die Tür gekeilt, bis man sie tatsächlich Türstopper nennen konnte. Studis haben einfach einen Sinn für Wiederverwertung.

Gleiches gilt auch für Möbelstücke. Zumindest in "meinem" Haus befindet sich mittlerweile auf fast jedem Stockwerk im öffentlichen Flur ein alter Sessel. Das Design erinnert ein wenig an ein Seniorenheim, der Zweck bleibt unergründlich. Vielleicht bieten sie erschöpften Studis nach jedem Treppenabschnitt eine kurze Verschnaufpause? Oder sind sie eine erweiterte Schlafmöglichkeit für spontane Gäste, die den Rahmen des eigenen Zimmers sprengen? Sollte ich mal jemanden darauf verweilen sehen, werde ich auf jeden Fall nachfragen. Bis dahin stehen sie in ihrer wunderschönen beige-geblümt-fleckigen Farbgebung einfach nur im Weg rum. Ab und zu gesellt sich zu ihnen wenigstens noch ein wenig Müll.

Augen auf bei der Mitbewohnerwahl

Da einem die Mitbewohnerwahl netterweise vom Studierendenwerk abgenommen wird, heißt es ab dem Zeitpunkt des Einzugs wohl eher: Augen zu und durch. Ich neige zu ein wenig Dramatik, selbstverständlich ist die Mehrheit der Inter 2-Bewohner super umgänglich und angenehme Mitbewohner. Dennoch sind es meine ehemaligen WG-Mitinsassen, die für meine bisher skurrilsten, aber auch lustigsten Momente gesorgt haben.

Für mehrere Lacher und verwirrte Blicke sorgte immer wieder ein Mitbewohner, der offensichtlich mit geistiger Verwirrung zu kämpfen hatte. An manchen Tagen konnte man sich mit dem Studi höheren Semesters wunderbar unterhalten, er wusste gut über alle Mitbewohner, ihr Studium und ihre Lebensumstände Bescheid und zeigte reges Interesse. Doch von einem Moment auf den anderen konnte sich seine Laune ändern. Mit gelegentlichen Gedächtnislücken (plötzlich fragte er, was man eigentlich so studiere) schlich er sich wortlos in Küche und Bad, verließ die Gemeinschaftsräume manchmal rückwärts laufend, als müsse er einen im Blick behalten, oder trug nicht mehr als eine Boxershorts. Ab und zu auch weniger. 

Langzeitfolgen einer WG-Party

Einer meiner zahlreichen skurrilen Momente wurde geprägt durch eine ausgelassene Erasmus-Party in unserer Wohnküche. Leider musste ich am nächsten Tag eine Klausur schreiben, also war Schlafen angesagt. Die Lautstärke hielt sich im Rahmen, bis direkt vor meiner Zimmertür ein wildes Telefonat in aufgebrachtem Spanisch stattfand. Der männliche Mitstudent brüllte regelrecht in sein Handy.

Nach einigen Minuten öffnete ich dann die Tür, um in ein völlig entsetztes Gesicht zu blicken. Er habe ja nicht damit gerechnet, dass hinter all den Türen (sieben an der Zahl) noch weitere Studis wohnen. Zu fortgeschrittener Stunde mag logisches Denken schwer sein, aber Türen sind doch meistens mehr als nur Wanddekoration. Hoffentlich habe ich sein Weltbild nicht zu sehr zerstört.

Einige Tage nach der Party wurde unsere Küche übrigens von Fliegen befallen. Weitere ein bis zwei Wochen später fand ich dann auch den Unglücksherd: ein leerer Sangria Eimer hinter dem Sofa. Selbstverständlich ungespült, dafür aber voll von Insekten.

Wer ein oder mehr Semester in einer Wohnheim-WG verbringt, kann von außergewöhnlichen Erlebnissen nur so ein Liedchen singen. Dennoch bringt das Inter 2 Unmengen an Spaß und sozialen Kontakten. Wem es dann doch etwas zu bunt wird, kann auf ein Einzelapartment ausweichen – so, wie ich es gemacht habe. 

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